Darum gehts
- 2026 steigen die Krankenkassenprämien im Schnitt um 5 Prozent
- Working Poor erhalten oft zu wenig Hilfe und verschulden sich
- Ausstände blockieren einen Kassenwechsel
Es war ein regelrechter Prämienhammer, den Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62, SP) letzte Woche verkündete. Im kommenden Jahr zahlen wir im Schnitt fünf Prozent mehr für die Krankenkasse. Doch was geschieht mit Versicherten, die ihre Krankenkassenprämien nicht bezahlen können?
Viele bekommen Prämienverbilligungen. Doch jene, die keinen Anspruch haben oder zu wenig erhalten, bekommen Probleme. Und es werden immer mehr.
Die Working Poor, die grossen Vergessenen
«Jedes Jahr sehen wir mehr Menschen in Schwierigkeiten», sagt Johanna Velletri, Direktorin der Genfer Stiftung für Entschuldung. «Dazu gehören auch Working Poor. Deren Einkommen liegen knapp über den Schwellenwerten für Prämienverbilligungen, sie sind mit hohen Steuer- und Mietbeträgen konfrontiert und können selbst mit einem anständigen Lohn ihre immer teurer werdende Krankenkasse nicht bezahlen. Diese Menschen sind erwerbstätig und haben nicht immer Anspruch auf Unterstützung. Sie schaffen es nicht, der Schuldenspirale zu entkommen.»
Das führt zu neuen Problemen: «Eines der grössten Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, betrifft die Unmöglichkeit, bei ausstehenden Zahlungen die Krankenkasse zu wechseln. Die Entschuldung ist dann das einzige Mittel.»
Die Prämienerhöhungen wirken sich auch auf die Prämienverbilligungen aus. «Eine hohe Prämie kann den durch die Verbilligungen gedeckten Betrag übersteigen», erklärt Johanna Velletri. Die Verbilligungen werden anhand der kantonalen Durchschnittsprämie berechnet. Selbst eine hundertprozentige Prämienverbilligung reicht nicht aus, wenn die Prämie mehr kostet als der kantonale Durchschnitt, hält Vellertri fest.
Genf hat Rekord an unbezahlten Prämien
Die Zahl der Versicherten, die finanziell unter Druck stehen, ist laut den Statistiken des Bundes im Laufe der Jahre gestiegen. Besonders prekär ist die Lage in Genf: Im Jahr 2025 zählte der Kanton 41'310 Versicherte mit «ausstehenden Zahlungseinstellungen» in der Krankenversicherung. Das ist mit Abstand die höchste Zahl im schweizweiten Vergleich. Der nächstfolgende Kanton ist Waadt, der 1,6-mal mehr Einwohner hat, aber mit 22'132 Fällen halb so viele Fälle verzeichnet.
Wenn die Rückstände bei den Krankenkassen dem Betreibungsamt übergeben werden, kann dies in Form einer Lohnpfändung geschehen, erklärt Johanna Vellerti. Andernfalls kommt es zu einem Verlustschein. Dann übernimmt der Kanton und zahlt der Versicherung 85 Prozent des Betrags des Verlustscheins. Wenn die Person ihre Prämien schliesslich bezahlen kann, erstattet die Versicherung dem Staat 50 Prozent dieses Betrags zurück. «Am Ende verliert der Versicherer in dieser Rechnung nur selten», so Johanna Velletri weiter.
Die Versicherten können weiterhin behandelt werden. «Das bleibt jedoch weitgehend theoretisch», betont Johanna Velletri. «Aus Spargründen wählen die Versicherten häufig die maximale Franchise von 2500 Franken. Die Angst, die Kosten nicht tragen zu können, bringt sie dazu, auf ihre Behandlung zu verzichten.»
Somit bleibt der Zugang zu den Leistungen theoretisch zwar möglich. In der Praxis haben Versicherte in prekären Verhältnissen jedoch meist nicht die Mittel, wenn sie die ersten 2500 Franken bezahlen müssen, bevor sie Leistungen erhalten.