Darum gehts
- Fast jede fünfte versicherte Person nutzt Telmed, rund 40 Prozent mehr als noch 2021, laut Comparis
- Bei der Mehrheit der 30 Telmed-Modelle sind Anweisungen verbindlich; elf geben Behandlungsort vor
- Einige Kassen verrechnen Hotline-Anrufe vor Erreichen der Franchise; Kosteninfos fehlen teils
Die Krankenkassenprämien steigen seit Jahren rapide an – für das nächste Jahr sind es wieder plus 5 Prozent. Immer mehr Versicherte wechseln deshalb in ein günstigeres Versicherungsmodell. Aktuell setzt fast jede fünfte Person auf das Telmed-Modell. Das sind rund 40 Prozent mehr als noch 2021, wie eine repräsentative Umfrage des Vergleichsdiensts Comparis zeigt.
Beim Telmed-Modell müssen Versicherte bei Beschwerden zuerst eine medizinische Hotline anrufen. In der Grundversicherung gilt zwar unabhängig vom Modell, dass die medizinischen Pflichtleistungen absolut identisch sein müssen. Beim Weg bis zur Behandlung gibt es jedoch gravierende Unterschiede, wie eine neue Untersuchung zeigt.
Strenge Vorgaben für Behandlungsweg
Der Konsumentenschutz hat 30 Telmed-Modelle von 25 Krankenkassen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Bei einigen Kassen gibt eine Fachperson telefonisch eine unverbindliche Empfehlung, ob und welche Praxis die Person aufsucht. Bei sieben von 30 Angeboten kann der weitere Behandlungsweg frei gewählt werden. Dies ist der Fall bei Groupe Mutuel, Sana24, Sodalis, Sumiswalder, Swica, Visana und einem der zwei Angebote von Helsana.
Bei der grossen Mehrheit der Angebote sind die Anweisungen verbindlich und geben den Behandlungsweg verbindlich vor. Bei elf von 30 Angeboten gibt die Kasse sogar vor, wo die Weiterbehandlung zu erfolgen hat: Darunter sind Concordia, CSS, Galenos und KPT.
Versicherung gibt die Apotheke vor
Einige Versicherungen schreiben sogar vor, in welchen Apotheken Medikamente bezogen werden dürfen. Je nach Wohnort kann es deshalb sehr umständlich werden, das dringend benötigte Medikament zu besorgen.
In vielen Fällen müssen sich Patienten nach einer Überweisung vom Hausarzt zu einem Spezialisten erneut bei der Hotline melden. Wer das vergisst, bleibt unter Umständen auf den Kosten sitzen. Ähnliches gilt gemäss Konsumentenschutz auch für Langzeittherapien, die jeweils nur für eine bestimmte Periode freigegeben sind und danach verlängert werden müssen.
Versicherte können bei einem Telmed-Modell gegenüber der Grundversicherung meist zwischen 10 und 25 Prozent der Prämie einsparen. Was viele jedoch nicht wissen: Ein paar Kassen verrechnen die telefonische Beratung, solange die Franchise nicht erreicht ist. Gemäss Konsumentenschutz sind dies: Assura, Concordia, Glarner und eines der zwei untersuchten Telmed-Modelle von Sanitas.
Fehlende Angaben erschweren Vergleich
Bei sechs Modellen konnte der Konsumentenschutz online zudem keine Angaben zu den Kosten finden. Selten klar geregelt ist zudem, ob auch ein zweiter Anruf zum gleichen Krankheitsfall gedeckt ist, etwa um eine Zweitmeinung einzuholen. Welche Regeln genau gelten, sei auf den Websites der Versicherungen nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich.
Wer das Modell wechselt, sollte sich deshalb genau über die Bedingungen informieren. Gemäss Sarah Lengyel vom Konsumentenschutz ist ein Vergleich allein durch die schiere Zahl an Modellen eine Herausforderung. «Es wird immer schwieriger, sich im Angebotsdschungel zurechtzufinden. Wer die Bedingungen bei einem neuen Modell nicht sorgfältig prüft, muss mit unangenehmen Überraschungen rechnen.»
Telmed-Modelle sind nicht automatisch günstiger: Bei etlichen Krankenkassen ist heute das Hausarzt- oder HMO-Modell mit Gruppenpraxen kostengünstiger.