Kein Nachfolger gefunden – Sattlerei im Aargau schliesst
«Nach 49 Jahren Büez ist es auch irgendwann genug»

Rolf Bertschi betreibt seine eigene Sattlerei seit er 20 Jahre alt ist. Jetzt geht er in Pension. Gebrauchsartikel werden mehr und mehr zu Verbrauchsartikeln, kritisiert der gelernte Sattler.
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Fast ein halbes Jahrhundert ist Rolf Bertschi als Sattler tätig.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Rolf Bertschi (64) schliesst nach 45 Jahren seine Sattlerei in Teufenthal
  • Nachfrage nach handgefertigten Produkten ist deutlich gesunken
  • Seit 1983 ist Bertschi auf Mittelalter-Märkten aktiv
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Seit fast 45 Jahren ist Rolf Bertschi (64) selbständig. Doch nun hängt der gelernte Sattler Lochzange und Sattlerhammer an den Nagel. «Wie will man noch mehr Freiheit, als wenn man selbständig ist?», schwärmt Bertschi von seiner Laufbahn. Nachdem sein Arbeitgeber pleitegegangen ist, gründete er 1981 seine eigene Sattlerei. 

Pünktlich im Alter von 65 Jahren geht der Handwerker nun in Pension. Eine der letzten Sattlereien im Kanton Aargau geht für immer zu. Die Sattlerei Bertschi ist seit 35 Jahren in Teufenthal zu Hause. Über deren Ende berichtete auch die «Aargauer Zeitung». 

Die Zeiten hätten sich geändert, sagt Bertschi zu Blick: «Überall werden Gebrauchsartikel mehr und mehr zu Verbrauchsartikeln», bedauert er. Rosshaarmatratzen, neue Polster fürs Ledersofa und Schulrucksäcke aus Leder sind im Vergleich zu früher kaum mehr gefragt. Stattdessen setzen Konsumenten lieber auf billige Importe aus dem Ausland.

Eine von Bertschis Spezialitäten: Glockenriemen. «Früher haben wir 30 bis 40 pro Monat verkauft – heute sind es gerade mal noch etwa sechs Stück pro Jahr», so der Sattler. Das Problem: Eine schöne Kuhglocke zur Hochzeit oder zur Konfirmation bekommt im Aargau kaum jemand mehr. 

Glockenriemen verkauft Bertschi fast keine mehr.
Foto: Thomas Meier

Seit 40 Jahren an Mittelalter-Märkte

1983 besuchte Bertschi seinen ersten Mittelalter-Markt und verkauft dort mittelalterliche Kleider wie Ledergurte, Taschen und Felle. «Dort kann man das Handwerk am besten zeigen. Die Leute sind interessiert an den verschiedenen Techniken», so der Sattler. Doch die Konkurrenz wächst: Während Mittelalter-Märkte dazumal noch selten waren, finden mittlerweile in der Schweiz pro Jahr rund 60 solcher Veranstaltungen statt. 

Das Verständnis für die hohen Preise teilen nicht alle Konsumentinnen und Konsumenten – nicht alle lassen sich von guter Qualität überzeugen. Die Aufträge werden weniger, Bertschi macht weniger Umsatz als früher. Doch das trübt seine Leidenschaft nicht: Trotz Pension findet man ihn an Auffahrt bereits am nächsten Mittelalter-Markt. Für wenige Stammgäste will Bertschi zudem auch in Zukunft noch Aufträge erfüllen. Einen Nachfolger hat er keinen gefunden.

Jetzt ist fertig lustig

«Als junger Selbständiger habe ich über diese AHV-Sattler geflucht, die mir Aufträge weggeschnappt haben», sagt Bertschi. Einer von ihnen will er deshalb nicht werden. «Nach 49 Jahren Büez ist es auch irgendwann genug», so der Aargauer.

Sein Umfeld zeigt sich vom Ende überrascht. Schliesslich habe es die Sattlerei Bertschi «schon immer gegeben». Beeindruckend: Bertschi zweifelt, dass er in seiner gesamten Karriere überhaupt auf zehn Krankheitstage kommen würde.

Doch jetzt ist genug – Bertschi freut sich auf den Ruhestand. «Der Lohn kommt direkt auf mein Konto, ohne dass ich etwas dafür tun muss», schwärmt er. «Und ich freue mich auf noch mehr Freiheit.»

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