«Können wir uns nicht leisten»
VW stoppt Entwicklung von Hoffnungsträger ID.Golf – kein Geld!

Es steht schlecht um Volkswagen: Der Konzern macht im dritten Quartal 5,8 Milliarden Euro Verlust. Die Auslieferungen sinken um 14,3 Prozent. Das hat jetzt Folgen: Die Entwicklungsarbeiten am Hoffnungsträger ID.Golf pausieren. Das freut die Konkurrenten aus China.
Kommentieren
1/4
VW stoppt die Entwicklung des ID.Golf – im Bild eine Studie an der IAA München.
Foto: imago/Eibner

Darum gehts

  • Volkswagen meldet 5,8 Milliarden Euro Verlust im dritten Quartal 2026
  • Entwicklung des Elektroautos ID.Golf wegen Finanzproblemen vorläufig gestoppt
  • VW will im Werk Wolfsburg bis Jahresende 300 Millionen Euro sparen
Patrik_Berger_Redaktor Wirtschaft Desk_Ringier Blick_1-Bearbeitet.jpg
Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Volkswagen steckt tief in der Krise. Im dritten Quartal hat der deutsche Autobauer 5,8 Milliarden Euro Verlust geschrieben. Die Auslieferungen brachen um 14,3 Prozent auf 1,89 Millionen Fahrzeuge ein. Das ist richtig bitter – und hat jetzt Konsequenzen. Europas grösster Autobauer muss bei einem seiner wichtigsten Zukunftsprojekte auf die Bremse treten. Die Entwicklungsarbeiten am ID.Golf, der Elektroversion des legendären VW Golf, werden vorläufig ausgesetzt. Das berichtet die «Bild».

Der Grund ist dramatisch: VW geht das Geld aus. «Wir können uns diese Arbeiten gerade schlicht nicht leisten», erklärt VW-Markenchef Thomas Schäfer (56) in einem internen Interview. Nun trifft der Sparkurs ausgerechnet den Hoffnungsträger ID.Golf. Das Modell sollte ab Anfang der 2030er-Jahre im Stammwerk Wolfsburg produziert werden, dort Arbeitsplätze sicher und Volkswagen endlich wieder in die Erfolgsspur bringen.

600 neue Modelle im ersten Halbjahr

In China dürfte man diese Nachricht erfreut zur Kenntnis nehmen – und weiter fleissig an den nächsten Modellen tüfteln. Der Wettbewerb in China ist brutal. Mehr als 100 Hersteller kämpfen um Kunden, liefern sich einen harten Preiskampf. Und immer neue Player wollen die Konkurrenz bei der Geschwindigkeit übertrumpfen, mit der sie neue Autos auf den Markt bringen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden über 600 neue Modelle auf den Markt gebracht.

Die Fabriken in China bauen massiv mehr Autos, als der wichtige Heimmarkt schlucken kann. Die Folge: Chinesische Hersteller fluten auch den europäischen Markt. Und erobern ihn mit tiefen Preisen. Etablierte Hersteller wie Volkswagen können da nur schwer mithalten. Gleichzeitig kämpfen die Wolfsburger mit einem massiven Absatzrückgang in China.

300 Millionen einsparen

Ganz gestrichen ist das Projekt ID.Golf allerdings nicht. «Wir pausieren, wir streichen nicht», betont Schäfer gegenüber der «Bild». Auch der Betriebsrat hofft, dass der Zeitplan noch eingehalten werden kann. Doch dafür muss VW dringend Geld auftreiben. Allein im Werk Wolfsburg sollen im laufenden Jahr weitere 300 Millionen Euro eingespart werden. «Die Lage ist ernst», so Schäfer.

Besonders bitter: Laut Schäfer trägt auch die steigende Nachfrage nach Elektroautos zu den Problemen bei. Denn mit ihnen verdient VW weniger als mit vergleichbaren Verbrennern. Für den traditionsreichen Autobauer wird die elektrische Zukunft so endgültig zur finanziellen Zerreissprobe.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen