Darum gehts
Junge Menschen gelten als konsumorientiert: mehrere Streaming-Abos, Städtereisen, Coffee to go. Geld wird ausgegeben statt gespart. So zumindest das Klischee.
Erhebungen, welche die Nachrichtenagentur Bloomberg zusammengetragen hat, zeichnen jedoch ein anderes Bild. Während die einen jeden Franken ausgeben, drehen die anderen jeden Rappen um. Und beides sind zwei gegensätzliche Reaktionen auf dieselbe Entwicklung: Viele 14- bis 29-Jährige glauben, dass finanzielle Sicherheit für ihre Generation kaum mehr erreichbar ist. Hohe Immobilienpreise, steigende Lebenshaltungskosten und ein unsicherer Arbeitsmarkt lösen ein Gefühl von Perspektivlosigkeit aus.
Finanzieller Nihilismus vs. früher sparen als je zuvor
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Die einen ziehen daraus einen radikalen Schluss: Wenn Eigentum oder Vermögen ohnehin ausser Reichweite liegen, lohnt sich Sparen nicht mehr. Sie konsumieren, solange sie können, setzen den Rest ihres Geldes auf hochspekulative Anlagen wie Kryptowährungen, NFTs oder Meme-Aktien und hoffen auf schnelle Gewinne. «Finanzieller Nihilismus» also.
Doch es gibt aufgrund der düsteren Perspektiven auch die gegenteilige Reaktion: Bei jungen Erwachsenen in den USA liegt Sparen im Trend. Und sie beginnen damit früher als jede Generation vor ihnen. Im Durchschnitt legt die Generation Z bereits mit 19 Jahren Geld zur Seite. Die Generation X begann erst mit 32 zu sparen, die Babyboomer noch später.
Erst sparen, dann früher in Rente?
Befeuert wird dieser Trend von der FIRE-Bewegung («financial independence, retire early»), die in den sozialen Medien eine wachsende Anhängerschaft findet. Wer ihr folgt, lebt bewusst sparsam, verzichtet auf kostspielige Freizeitaktivitäten und investiert einen möglichst grossen Teil seines Einkommens. Manche träumen davon, früher in den Ruhestand zu treten, andere sehen es als einzige Möglichkeit, sich später einen gewissen Lebensstandard leisten zu können.
Popularisiert wurde die Bewegung vom kanadischen Finanzblogger Peter Adeney (Bild), der seit 2011 unter dem Pseudonym «Mr. Money Mustache» minimalistischen Konsum als Schlüssel zur finanziellen Freiheit propagiert. Er gibt an, das geschafft zu haben, wovon seine Follower träumen: Mit nur dreissig Jahren habe er genug gespart, um sich ein genügsames Leben zu finanzieren.