Darum gehts
- Nvidia veröffentlicht Quartalszahlen, Umsatz soll über 92 Mrd. USD liegen
- Chippreise stiegen über das letzte Jahr um 600 %, Unternehmen geben Kosten an Kunden weiter
- Erwartungen hoch: Analysten fordern bis zu 100 Mrd. USD Umsatz
Wenn die Börse in New York am Abend den Handelstag beendet, ist es an der Wall Street mit der Nervosität noch nicht vorbei. Nach Börsenschluss stellt Chiphersteller Nvidia seine Quartalszahlen vor. Die Erwartungen an das wertvollste Unternehmen der Welt sind wie immer astronomisch hoch: Der Umsatz soll im Vergleich zum Vorquartal um 15 Prozent steigen. In Zahlen bedeutet das: Der Konzern soll im zweiten Quartal über 92 Milliarden Dollar erwirtschaftet haben, so die Prognose.
Doch an der Börse reicht es längst nicht mehr aus, dass Nvidia die Schätzungen der Marktbeobachter erfüllt. «Diese Zahl einfach nur zu erreichen, dürfte kaum genügen», sagt Daniel Steck, Leiter der Aktienanalyse bei der Schweizer Privatbank Piguet Galland, gegenüber Blick. Denn: Der Chipriese hat die Prognosen der Analysten 14-mal in Folge übertroffen. «Daran hat man sich am Markt gewöhnt», so der Anlagespezialist. Deswegen würden viele Analysten eher 95 Milliarden Dollar Umsatz erwarten. «Für eine positive Kursreaktion müsste Nvidia näher an die 100-Milliarden-Marke kommen», so Steck.
Die Kehrseite des KI-Booms
Den schnellen Aufstieg verdankt Nvidia vor allem einem Megatrend: dem Boom von künstlicher Intelligenz (KI). Tech-Riesen wie Amazon und Google-Mutter Alphabet kaufen Chips in rauen Mengen. Nvidia und seine Konkurrenten wie AMD oder Intel kommen mit der Produktion kaum hinterher. Sie haben ihre Kapazitäten deshalb massiv auf die besonders lukrativen Rechenzentren-Chips verlagert, während die Produktion für Alltagsgeräte wie Smartphones und Tablets in den Hintergrund rückt.
Das hat Konsequenzen: Laut der US-Grossbank Morgan Stanley stiegen Chip-Preise im vergangenen Jahr um das Sechsfache. Hersteller von Laptops, Spielkonsolen und Unterhaltungselektronik stehen vor einem Dilemma: Entweder geben sie die massiv gestiegenen Bauteilkosten an die Kunden weiter – oder sie akzeptieren deutlich dünnere Gewinnmargen. Die Unternehmen entscheiden sich oft für Ersteres. Erste Auswirkungen bekommen Konsumenten bereits zu spüren: Apple hob zuletzt Preise an. Zudem verzögert sich gemäss Gerüchten sogar die Markteinführung des neuen iPhone 18.
Wie geht es den Schweizer Firmen? Was läuft an der Wall Street? Und wie entwickelt sich der Goldpreis? Wir halten dich über die neusten Entwicklungen an den Märkten auf dem Laufenden – hier im Liveticker.
Wie geht es den Schweizer Firmen? Was läuft an der Wall Street? Und wie entwickelt sich der Goldpreis? Wir halten dich über die neusten Entwicklungen an den Märkten auf dem Laufenden – hier im Liveticker.
Am Markt wachsen Zweifel
Diese Entwicklung zeigt: Entscheide von Nvidia haben weitreichende Konsequenzen – auch für die Börsen. Darum sind die Aktienmärkte so nervös, wenn neue Zahlen anstehen. Wenn der Chipriese seine Bücher offenlegt, hat das Auswirkungen, wie wenn die US-Notenbank seine Leitzinssitzung abhält.
Was die Anspannung noch verstärkt: Trotz des anhaltenden Höhenflugs wachsen am Markt die Zweifel. Der rapide Aufstieg der KI-Branche wird von immer mehr Experten und Anlegern kritisch beäugt. Bei den anstehenden Zahlen von Schwergewichten wie Nvidia achten Marktbeobachter daher längst nicht mehr nur auf die reinen Gewinne.
Im Fokus stehen der technologische Fortschritt, erstarkende Konkurrenten wie OpenAI mit eigenen Chip-Entwicklungen sowie die Einschätzungen des Managements zu den künftigen Investitionsbudgets der Kunden. Für Erik Schafhauser, leitender Kundenbetreuer an der Saxo Bank Schweiz, lautet die zentrale Frage: «Bleibt die Nachfrage trotz höherer Zinsen robust oder zeigen sich erste Anzeichen einer Abschwächung?»
Untertreffen könnte massiven Ausverkauf auslösen
Analystenchef Steck hält ein Untertreffen der Erwartungen für unwahrscheinlich. Sollte sich das Wachstum aber verlangsamen – etwa durch Lieferengpässe oder China-Einschränkungen –, drohen schwierige Tage an den Börsen. Punktet Nvidia genau bei den erwarteten 92 Milliarden, könnte laut Steck «bereits das ausreichen, um einen massiven Ausverkauf der Aktie und des gesamten Tech-Sektors auszulösen.»
Übertrifft Nvidia die Zahlen, erwarten Steck und Schafhauser einen Höhenflug für die Halbleiterbranche. Doch Steck warnt: «Die Frage ist, wie lange diese anhält, wenn Erwartungen schwerer zu erfüllen sind und Finanzierungsbedenken zunehmen.» Anleger wollen nicht nur KI-Ausgaben sehen, sondern Ergebnisse.
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.
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