Darum gehts
- Schweizer Franken fällt gegenüber Euro und Dollar
- Tourismus und Exporteure profitieren, Einkaufstourismus ins Ausland wird weniger attraktiv
- KOF-Ökonom: Franken könnte langfristig wieder stärker werden, Zinsanhebung möglich
Der Schweizer Franken wird gegenüber Euro und Dollar immer schwächer. Der jahrelange Trend zum immer stärkeren Franken ist damit gebrochen. Nach Ausbruch des Iran-Kriegs im Februar war ein Euro zeitweise bloss noch 90 Rappen wert. Heute sind es knapp 95 Rappen. Beim Dollar ging es vom Tiefpunkt von 76 Rappen hoch auf 83. Was heisst das für die Schweizer Bevölkerung und die Wirtschaft?
Fällt der Franken weiter?
Ökonomen geben Entwarnung: Mittel- und langfristig dürfte der Franken wieder erstarken. KOF-Ökonom Alexis Perakis rechnet gegenüber Blick nicht mit einem weiteren Absturz: «Auch wenn der Franken zuletzt nachgab: Die Aufwertung Anfang Jahr war sehr markant.»
Auch Ökonom Adriel Jost (41) von Jost Economics beruhigt: «Kurzfristig lassen sich Wechselkurse kaum vorhersagen. Mittel- und langfristig sollte der Franken aber wieder an Wert gewinnen», so der Experte zu Blick. Typischerweise lege die Schweizer Währung in turbulenten Zeiten zu – und Krisen gibt es weltweit genug. Warum der Franken trotzdem nachgibt? «Zurzeit gewichten die Finanzmärkte positive Wirtschaftsdaten stärker als geopolitische Risiken», erklärt Jost.
Wer profitiert von einem schwächeren Franken?
Kurzfristig hilft die Entwicklung mehreren Branchen – allen voran dem Tourismus. «Im Winter werden wieder mehr Amerikaner für Skiferien in die Schweiz fliegen, weil der Trip für sie günstiger ist als Ferien im eigenen Land», hebt Jost hervor.
Bei der Vermarktungsorganisation Schweiz Tourismus sieht man ebenfalls Potenzial: «Wenn sich der Franken gegenüber einzelnen Lokalwährungen von Märkten wie Indien abschwächt, begünstigt das die Reiselust der dortigen Mittelschicht», sagt Mediensprecher André Aschwanden auf Anfrage von Blick. Aber ein stabiler Wechselkurs, so Aschwanden, ist für Gäste aus dem Ausland von noch grösserer Bedeutung.
Auch für Schweizer Exportunternehmen ist ein schwächerer Franken ein Segen, da ihre Waren im Ausland billiger werden. Doch Ökonom Jost warnt, dass das auch eine Gefahr sein könne. Das zeige das Beispiel von Deutschland. «Obwohl der Euro in den 2010er-Jahren schwach war, geht es Deutschlands Industrie heute nicht gut», so der Experte.
Was bedeutet das im Detailhandel?
Für heimische Händler könnte die Entwicklung eine gute Nachricht sein. «Einkaufstourismus lohnt sich bei einem schwächeren Franken weniger», erklärt Jost. Und weiter: «Da wird der Schweizer Detailhandel auf Kosten der Portemonnaies der Schweizer gestärkt», so der Experte. Dem stimmt KOF-Experte Perakis zu: «Wer über die Grenze einkaufen geht, spürt die Wechselkurse direkt.»
Der schwächelnde Franken macht aber auch Importe teurer, was sich bei den Konsumenten bei den Einkäufen niederschlagen kann. Erfreulich: Bis anhin sind die Lebensmittelpreise nicht gestiegen.
Was bedeutet das für Ferien im Ausland?
Für Schweizer Feriengäste im Ausland könnten die Wechselkurse zur bösen Überraschung werden. Wie sehr die Auswirkungen spürbar sind, kommt aber auch darauf an, ob man Unterkunft und Mietauto schon im Voraus bezahlt hat, sagt Perakis. Den Effekt hätten schon diesjährige Sommertouristen gemerkt, so Jost. «Die Preise im Ausland sind überraschend hoch.» Das Ausland sei durch den schwächeren Franken schlicht nicht mehr so günstig wie früher.
Was bedeutet das für die Zinsen?
Ein schwächerer Franken dient auch als wichtiges Symbol für die Nationalbank. «Der schwächere Franken kann für die Nationalbank – neben dem soliden Wirtschaftswachstum und der höheren Inflation – ein weiterer Grund sein, die Zinsen bald anzuheben», schätzt Jost ein.
Ein höheres Zinsniveau schlägt bei Saron-Hypotheken rasch durch. Bleiben die Zinsen länger hoch, dürfte mittelfristig auch der Referenzzinssatz steigen, der für die Mietzinsen relevant ist. Die Folge wären für viele Haushalte steigende Mieten.