Banklizenz beantragt
Wie Revolut die Schweizer Finanzgrössen bedrängen will

Die britische Online-Bank Revolut hat eine Schweizer Banklizenz beantragt. Ziel sind nicht nur Angebote wie Schweizer Lohnkonten oder eBill, sondern auch Karten-Dienstleistungen für Händler. Was hinter den Revolut-Plänen steckt.
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Vorstoss am Bankenplatz: Mit einer Schweizer Lizenz will Revolut die hiesigen Konkurrenten härter angreifen.
Foto: AFP

Darum gehts

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Michael Heim
Handelszeitung

Nun ist die Katze aus dem Sack: Die britische Online-Bank Revolut, die gemäss aktuellen Zahlen in der Schweiz bereits 1,3 Millionen Kundinnen und Kunden hat, hat eine Schweizer Banklizenz beantragt.

Der entsprechende Antrag sei vor kurzem eingereicht worden, sagt Revolut-Konzernleitungsmitglied David Tirado der «Handelszeitung». Schon heute gehöre die Schweiz zu den Ländern mit mehr als 15 Prozent Marktdurchdringung, sagt Tirado. «Sollten wir eine Finma-Lizenz erhalten, können wir das ausbauen und Zahlen wie in Irland mit mehr als 50 Prozent erreichen.» Sprich: jeden zweiten Erwachsenen.

Artikel aus der «Handelszeitung»

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Die Digitalbank habe in der Vergangenheit verschiedene Wege für eine stärkere Lokalisierung in der Schweiz geprüft, sagt Tirado. «Wir hatten dann eine Sitzung mit CEO Nik Storonsky und ich sagte ihm: Wenn wir wirklich an dieses Land glauben, müssen wir auf die Banklizenz setzen. Das dauert zwar etwas länger, macht uns aber stabiler für die Zukunft.»

Zahlungen per eBill und Schweizer Kontonummern

Der Kundschaft verspricht Revolut ein stärker an die Schweiz angepasstes Angebot mit Dienstleistungen wie eBill, Sparkonten und Schweizer Kontonummern. Damit können Schweizer Kunden ihre Revolut-Konten, die heute über eine Niederlassung in Litauen laufen, besser für Alltagszahlungen und Lohnauszahlungen nutzen.

Bislang müssen innerschweizerische Einzahlungen über ein Verbindungskonto bei der Postfinance abgewickelt werden. Das sei eine der grössten Hürden im Schweizer Geschäft, sagt Schweiz-Chef Julian Biegmann. Lohnauszahlungen werden durch diesen Meccano faktisch verunmöglicht.

Der Länderchef: Julian Biegmann leitet das Geschäft von Revolut in der Schweiz.
Foto: zVg

Die Konten würden jedoch schon heute intensiv genutzt, betont Tirado. Mehr als die Hälfte der Kundinnen und Kunden in der Schweiz bezahlten mindestens einmal pro Monat mit dem Revolut-Konto. «Das ist mehr als im europäischen Durchschnitt.»

Diesen Sommer durchbrachen die monatlichen Kartenzahlungen zudem erstmals die symbolische Grenze von 500 Millionen Franken, wie die «Handelszeitung» im August mit Verweis auf offizielle Quellen berichtete.

Twint und Kredite kommen allenfalls später

Mittelfristig will Revolut sein Angebot in der Schweiz noch stärker in Richtung Universalbank ausbauen. Dazu gehören auch Kredite, wie Tirado festhält. Allerdings wollen die Briten dabei vorsichtig vorgehen und entsprechende Angebote erst lancieren, wenn sie den Markt gut genug verstehen, wie Tirado erklärt. Zu einer Kooperation mit Twint hat Revolut bis heute noch keinen Entscheid gefällt. Biegmann macht aber klar, dass man Twint unterstützen werde, wenn man eine entsprechende Nachfrage danach verspüre.

Nicht zuletzt will Revolut auch seine Investment-Angebote ausbauen. So sollen etwa mehr Schweizer Aktien oder Anlagelösungen in Schweizerfranken ins Programm kommen.

Revolut lanciert Kartenakzeptanz für Händler

Spannend für Unternehmenskunden ist die Ankündigung, auch ins Geschäft mit Kartentransaktionen für Händler einzusteigen. Revolut greift damit direkt Acquirer wie Worldline, Nexi oder Sumup an. Die Produkte und Dienstleistungen dafür stehen bereits länger fest. Man werde entsprechende Angebote aber erst lancieren, wenn die Schweizer Banklizenz steht, sagt Tirado.

Er leitet die internationale Expansion: David Tirado ist Chief Commercial Officer von Revolut.
Foto: Revolut

Konkrete Aussagen dazu, wann Revolut mit dem Schweizerpass loslegen kann, wagen die Revolut-Repräsentanten nicht. Nur die Finma bestimme den Fahrplan für eine mögliche Bewilligung.

Ausbau von 30 auf 100 Angestellte

Mit der Schweizer Banklizenz ist auch ein deutlicher Personalausbau verbunden. Die Bank wolle von derzeit rund 30 Vollzeitstellen im kommenden Jahr auf etwa 100 Stellen ausbauen, sagt Schweiz-Chef Biegmann. Am Standort Zürich werde man festhalten. Insgesamt will Revolut in den kommenden Jahren rund 150 Millionen Franken in den Schweizer Markt investieren. Tirado betont das steile Wachstum. «Noch 2024 hatten wir gar niemanden in der Schweiz.»

Alles nur digital: Revolut-Banking findet ausschliesslich in der Smartphone-App statt.
Foto: zVg

Die Dossiers liegen nun bei der Finanzmarktaufsicht. Sollte die Lizenz erteilt werden, würden in einem ersten Schritt Neukunden direkt über die Schweiz gebucht, erklärt Tirado. Bestandskunden würden dann Schritt für Schritt umgebucht – so wie das in der Vergangenheit schon beim Wechsel von einer britischen auf die litauische Lizenz der Fall war.

Datendiebstahl in Italien trübt die Stimmung

Die Finma dürfte dabei auch eine News genauer anschauen, die Anfang Woche bekannt wurde: So musste Revolut bestätigen, dass in Italien Kundendaten mit detaillierten persönlichen Angaben an einen Betrüger geliefert wurden, der sich als Mitarbeiter der italienischen Behörden ausgab.

Unklar ist, ob Revolut den Betrug hätte erkennen können. Offenbar erfolgten die Datenlieferungen auf einem elektronischen Kanal, der zuvor schon länger für den Austausch mit den Behörden verwendet wurde. Den Betrügern ist es demnach gelungen, eine amtliche E-Mailadresse für ihre Anfrage zu missbrauchen.

Der Hauptsitz: Seit 2025 residiert Revolut in London in einem schicken Hochhaus in der Canary Wharf.
Foto: zVg

Der «Financial Times» zufolge flossen Daten von 680 Kundinnen und Kunden an die Betrüger. Die betroffenen Kunden wurden offenbar bereits einzeln informiert. Darunter sollen sich auch prominente Kunden befinden. Die Zeitung zitiert beispielsweise Mark Karpelès, ehemaliger Geschäftsführer der Kryptobörse Mt. Gox, mit entsprechenden Angaben.

Gegenüber der «Handelszeitung» wollte Revolut nicht sagen, wie viele Kundinnen und Kunden aus der Schweiz betroffen sind. Man habe «eine begrenzte Anzahl der betroffenen Personen direkt kontaktiert, um sie zu informieren und Unterstützung anzubieten», sagt ein Sprecher. Die Systeme von Revolut und die Gelder der Kunden seien nicht betroffen.

Steiles Wachstum in den vergangenen Jahren

Revolut bezeichnet sich als in der Schweiz grösste Bank nach der UBS – allerdings bloss gemessen an der Zahl der Kunden. Unbestritten ist die Neobank in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Mit 1,3 Millionen Kundinnen und Kunden hat Revolut andere reine Digitalanbieter wie Yuh und Neon deutlich hinter sich gelassen. Allerdings bieten diese ein deutlich breiteres Dienstleistungssortiment an.

Mittlerweile dürften deutlich mehr als zwei Millionen Schweizer ein Konto bei einem reinen Digitalanbieter haben. «Ich hätte vor zehn Jahren nie gedacht, dass 2026 ein bis zwei Millionen Schweizer und Schweizerinnen ein Konto bei einer rein digitalen Neobank haben würden», kommentierte dies Bankenprofessor Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern vor kurzem in einem Bericht der «Handelszeitung».

Revolut hat nach eigenen Angaben derzeit weltweit rund 90 Millionen Kunden und gilt als eine der am stärksten wachsenden Banken Europas. 60 Millionen Kunden stammen aus Europa, doch auch in Überseemärkten wie den USA hat Revolut grosse Ambitionen. Vor kurzem konnte die Bank die Erteilung einer Banklizenz für die Vereinigten Staaten verkünden.

Mittelfristig will das Unternehmen an die Börse. Gemessen an einer aktuellen Kapitalerhöhung von privaten Investoren wird Revolut auf rund 115 Milliarden Dollar bewertet.

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