Darum gehts
- Claude-Entwickler Anthropic will noch vor Thanksgiving unter dem Tickersymbol «ANT» an die Nasdaq
- Den sieben Gründerfiguren winkt ein beispielloser Geldsegen
- Das Unternehmen verkündet einen Umsatzsprung auf 16,3 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2026
In New York bahnt sich der nächste Mega-Börsengang an: Anthropic, Entwickler des KI-Dienstes Claude, will schon länger an die US-Technologiebörse Nasdaq. Jetzt soll es im nächsten Monat so weit sein. An der Wall Street machen derzeit Gerüchte über eine Bewertung von bis zu 2 Billionen Dollar die Runde. Sammelt der Tech-Gigant diese Summe ein, pulverisiert er sämtliche Börsenrekorde.
Für Schweizer Anleger interessant: Sie können ebenfalls mitmischen. «Anthropic plant auch ein Angebot für die Schweiz», sagt Jan De Schepper, Chief Marketing Officer von Swissquote und CEO der Neobank Yuh, gegenüber Blick. Wir beantworten die vier wichtigsten Fragen zum historischen Mega-IPO:
Was wissen wir zum Börsengang?
Der US-Konzern will keine Zeit verlieren: Laut Insiderberichten der Nachrichtenagentur Bloomberg soll das Börsendebüt von Anthropic noch vor dem amerikanischen Thanksgiving-Feiertag am 26. November über die Bühne gehen. Bereits in der Woche ab dem 9. November startet offiziell die Roadshow, um bei internationalen Grossinvestoren Geld einzusammeln. Gehandelt werden soll das Papier unter dem Tickersymbol «ANT».
Mit dem eingereichten S-1-Registrierungsdossier bei der US-Börsenaufsicht SEC nimmt das Vorhaben Form an. Noch offen sind das genaue Aktienvolumen und die offizielle Preisspanne. Die Gerüchte zur Zielbewertung von 2 Billionen Dollar findet De Schepper nicht glaubwürdig. Er rechnet mit weniger: «Eine Bewertung zwischen 1,2 und 1,6 Billionen Dollar ist realistisch. Zwei Billionen wären nur bei einer extrem starken Nachfrage denkbar.»
Zum Vergleich: Im Mai 2026 lag die Bewertung in einer privaten Finanzierungsrunde noch bei 965 Milliarden Dollar. Knackt Anthropic doch die 2-Billionen-Marke, verdrängt das Unternehmen Elon Musks (55) SpaceX als teuersten Börsengang aller Zeiten. Der US-Raumfahrtkonzern startete im Juni mit einem Wert von fast 1,8 Milliarden Dollar an der Nasdaq-Börse.
Wer steckt hinter Anthropic – und wieso der Schritt an die Börse?
Erst vor sechs Jahren fing alles an: Sieben ehemalige OpenAI-Führungskräfte gründeten Anthropic. Sie verliessen das ChatGPT-Entwicklerteam im Streit um Sicherheitsstandards. Sie fanden, OpenAI-Chef Sam Altman (41) verfolge einen zu riskanten Kurs.
Wie geht es den Schweizer Firmen? Was läuft an der Wall Street? Und wie entwickelt sich der Goldpreis? Wir halten dich über die neusten Entwicklungen an den Märkten auf dem Laufenden – hier im Liveticker.
Wie geht es den Schweizer Firmen? Was läuft an der Wall Street? Und wie entwickelt sich der Goldpreis? Wir halten dich über die neusten Entwicklungen an den Märkten auf dem Laufenden – hier im Liveticker.
Heute ist Anthropics KI-Assistent Claude ein harter Rivale von ChatGPT. Doch Spitzenforschung im KI-Bereich frisst Unmengen an Geld – für Rechenleistung und Top-Entwickler. Mit dem Gang an die Wall Street will sich der Konzern frisches Kapital sichern, um im teuren Wettrüsten der Tech-Giganten nicht abgehängt zu werden.
Mit dem Börsenprospekt öffnet Anthropic erstmals die Bücher – und liefert Rekordzahlen: In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 explodierten die Erlöse auf 16,3 Milliarden Dollar – nach 1,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ist innerhalb eines Jahres ums 14-Fache gestiegen. Im operativen Tagesgeschäft schreibt Anthropic im zweiten Quartal 2026 erstmals schwarze Zahlen – unter dem Strich verzeichnet Anthropic dennoch Nettoverluste in Milliardenhöhe.
Was sagen die Experten dazu?
Hinter der Milliarden-Fassade lauern gigantische Risiken. Brisant: Im eigenen Börsenprospekt füllen die Warnungen von Anthropic zu Gefahren für ihr Geschäftsmodell ganze 94 Seiten – inklusive der Furcht vor «katastrophalen oder existenziellen Risiken» durch die eigene KI.
Noch schwerer wiegt laut Börsenkennern der finanzielle Druck: «Anthropic muss sein starkes Wachstum über Jahre halten und gleichzeitig die riesigen Kosten für Chips, Rechenzentren und Strom in den Griff bekommen», so De Schepper. «Zudem ist der Wettbewerb mit OpenAI, Google, Meta und anderen sehr hart.»
Wer an den KI-Durchbruch glaubt, bekommt mit dem Börsengang von Anthropic erstmals die Chance, direkt in einen reinen KI-Entwickler zu investieren. De Schepper warnt aber vor der hohen Bewertung, die wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt. «Der Börsengang wird ein grosser Test für die gesamte KI-Branche. Es ist kein sicherer Schnellgewinn, sondern eine langfristige, risikoreiche Wette», sagt der Branchenkenner.
Wer profitiert vom Börsengang?
Die ersten grossen Gewinner des Börsengangs sind die sieben Anthropic-Gründer. Sie stehen vor einem Geldregen in Milliardenhöhe. Wie im Silicon Valley üblich, geben sie die Zügel aber nicht aus der Hand. Anthropic führt sogenannte Class-F-Aktien ein. Diese Papiere werden ausschliesslich von einer Zweckgesellschaft namens Founder LLC gehalten, an der die Gründer beteiligt sind. Die Gründer sichern sich damit 50,1 Prozent aller Stimmrechte.
Heisst übersetzt: Wer als Kleinanleger an die Nasdaq eilt, liefert den Gründern zwar frisches Geld – mitbestimmen darf er aber nicht.
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.