Darum gehts
- Galaxus erzielt 2025 in der Schweiz Rekordumsatz von 3,8 Milliarden Franken
- Im Ausland summieren sich die Galaxus-Verluste auf über 180 Millionen Franken
- Galaxus.de ist erst auf Platz 30 im deutschen Markt, Ziel war Top 5
Werbung von Galaxus provoziert und geht immer wieder viral: So kennen die meisten in der Schweiz das Online-Warenhaus der Migros. Das Eidgenossen-Amazon ist hierzulande erfolgreich. «Wir machen schöne Gewinne mit Galaxus in der Schweiz und sind hier Marktführer», sagt Migros-Chef Mario Irminger (60) zu Blick.
Branchenprimus Digitec Galaxus kommt im letzten Jahr auf einen Rekordumsatz von 3,8 Milliarden Franken. Ein Umsatzsprung von 17 Prozent gegenüber Vorjahr. So schnell und kräftig wie der Online-Arm der Migros wächst kein anderer Shop im Schweizer Onlinehandel, der auf ein Gesamtvolumen von 15,8 Milliarden Franken Umsatz kommt.
Galaxus liefert der Migros gute Presse
«Das ist äusserst beeindruckend und kann als grosser Erfolg gewertet werden», attestiert der E-Commerce-Berater Carpathia. Der Online-Moderiese Zalando und das US-Warenhaus Amazon folgen erst mit grossem Abstand auf Platz 2 und 3 der grössten Onlineshops in der Schweiz. Nicht ohne Grund richtet die Migros-Gruppe diese Woche ihre jährliche Bilanzmedienkonferenz am Hauptsitz von Digitec Galaxus in Zürich aus.
Erfolgsmeldungen waren in den letzten Jahren beim Mutterkonzern Migros rar, der gestern Dienstag den grössten Umbau der Firmengeschichte für beendet erklärt hat. «Wir haben die wesentlichen Verlustquellen nun alle geschlossen», bekräftigt Irminger.
Migros stoppt Auslandsgeschäfte, Galaxus darf expandieren
Noch ganz frisch: Mit einem Millionendebakel beendet die Migros eben erst ihr vierzehnjähriges Auslandabenteuer mit den deutschen Bio-Supermärkten von Tegut. Stolze 570 Millionen Franken setzte sie dafür in den Sand. «Deutschland ist ein sehr anspruchsvoller, sehr preisgetriebener, kostenintensiver Markt. Für ein Schweizer Unternehmen ist es nicht einfach, hier zu bestehen», so der Verantwortliche der Genossenschaft Migros Zürich, CEO Patrik Pörtig (60).
Trotz Tegut-Fiasko geht die Migros mit Galaxus.de im Ausland auf Expansionskurs. Auf die EU-Länder Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Niederlande und Belgien entfällt fürs Jahr 2025 ein Umsatz von rund 400 Millionen Franken. Der Löwenanteil kommt aus Deutschland, wo Galaxus im November 2018 in den Markt eingetreten ist. Ein Galaxus-Gewinn im Ausland schaut bis heute keiner raus.
Laut jüngstem Geschäftsbericht 2024 der Galaxus Deutschland GmbH (der Bericht von 2025 kommt erst im Sommer heraus) gab es 2024 einen happigen Verlust von umgerechnet 51 Millionen Franken. Seit Markteintritt vor acht Jahren summieren sich die Verluste auf 187 Millionen Franken.
Anstatt Galaxus im Ausland den Stecker zu ziehen, sichert Migros-Boss Irminger Galaxus aber finanzielle Unterstützung bis 2028/29 zu. Das erstaunt – denn die Konkurrenz im deutschen Onlinehandel ist erdrückend.
Galaxus.de ist erst auf Platz 30 in Deutschland
Amazon betreibt 23 Logistikzentren an 20 Standorten in Deutschland. Der Online-Gigant dominiert alle. Zum Vergleich: Galaxus Deutschland hat zwei Lager in Krefeld und ein Logistikzentrum in Neuenburg am Rhein. Galaxus.de ist auf Platz 30 der Top-Onlinehändler in Deutschland. Beim Markteintritt gaben die Chefs mittelfristig einen Platz unter den fünf besten als Ziel an.
«Im Gegensatz zur Schweiz ist Galaxus in Deutschland kein Selbstläufer. Das habe ich beim Markteintritt vor sieben Jahren gesagt und gilt auch heute noch», sagt Lars Hofacker im Gespräch mit Blick. Der Detailhandelsexperte vom deutschen Forschungsinstitut EHI beobachtet die Entwicklung des Schweizer Onlinehändlers genau. «Der deutsche Onlinemarkt ist sehr wettbewerbsintensiv. Trotz der vielen Anbieter konzentriert sich ein grosser Teil des Umsatzes auf einige wenige grosse Händler.»
Das heisst: Die zehn umsatzstärksten Onlineshops in Deutschland erzielen bereits mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes der besten 1000 Händler. Eine der zentralen Herausforderungen von Galaxus bleibe, die Bekanntheit bei deutschen Konsumentinnen und Konsumenten zu erhöhen. Doch neue Kunden zu akquirieren, sei sehr kostspielig.
Gleichzeitig graben asiatische Onlineshops wie Temu und Co. mit aggressiven Konzepten den etablierten Händlern Kunden ab. «Wer keine eigenen Läden hat, verschwindet bei den Kunden schneller aus dem Blickfeld», so Hofacker. Laut Migros-Chef Irminger plant Galaxus ein Wachstum ohne Läden in Deutschland. Man werde noch mal erheblich in Werbung und andere Kommunikationsmassnahmen investieren, sagt Irminger.
Migros-Chef setzt auf Einkaufsvorteile
Noch hält die Migros an Galaxus im Ausland fest, «weil dies für die Wettbewerbsfähigkeit und Preisvorteile in der Schweiz von Bedeutung ist», sagt Irminger. Man könne so günstiger einkaufen und die Produkte in die Schweiz importieren. «Das kommt direkt der Schweizer Kundschaft zugute.»
Laut dem Migros-Chef kann Galaxus auch ohne Auslandsgeschäfte in der Schweiz Marktführer bleiben. Er sei bereit, den Stecker zu ziehen, wenn die Gewinnschwelle nicht wie geplant erreicht wird. «Wir sind aber überzeugt und positiv, dass wir es auch in Deutschland schaffen können, Gewinn zu machen.»
Am Schluss bleibt die Frage: Wie lange hält die Überzeugung der Migros? Im Fall von Tegut ging ihr der Schnauf fast ein Jahr früher aus als geplant.