Darum gehts
- Schloss Givisiez wird zum Fünf-Sterne-Hotel, nach Leerstand seit 1993
- Ehemaliges Internat hatte elitären Ruf, ex-Schüler kritisieren soziale Ausgrenzung
- Verkaufspreis: sieben Millionen Franken, Grundstück umfasst 8000 Quadratmeter
An den prunkvollen Fassaden des Schlosses La Chassotte in Givisiez FR rankt Efeu empor. Die Fensterläden sind seit Jahrzehnten verriegelt. Wenig erinnert daran, dass in diesen Mauern einst Kinder berühmter Persönlichkeiten lesen, beten, sich benehmen gelernt haben – angeleitet von Nonnen in schwarzen Ordenstrachten. Jetzt soll das verlotterte Mädcheninternat aus dem Dornröschenschlaf erwachen.
Ein Investor will das denkmalgeschützte Schloss nun in ein Fünf-Sterne-Hotel umwandeln. Restaurant, Bar, Spa und Fitnessbereich sind geplant, die auch für die Bevölkerung zugänglich sein werden. Zudem sollen auf dem 8000 Quadratmeter grossen Grundstück 50 bis 60 Wohnungen in ein oder zwei Neubauten entstehen.
Derzeit gehört das Anwesen inklusive Gebäude den Gemeinden Givisiez und Granges-Paccot. Nach einem Investorenwettbewerb haben die Gemeinderäte dieses Projekt der Immobilienfirma Cardeco Sàrl ausgewählt. «Diese Idee hat uns überzeugt, da sie den Gemeinden einen klaren Mehrwert bringt», sagt Damiano Lepori (35), Vize-Gemeindepräsident von Givisiez, gegenüber Blick. Die beiden Gemeinden wollen das Grundstück für sieben Millionen Franken verkaufen.
Ein Teil des Kulturerbes
Für Lepori zählt nicht nur der Verkaufspreis. «Das ehemalige Mädcheninternat ist Teil unseres Kulturerbes», sagt er. Es sei ein Wahrzeichen der ganzen Freiburger Agglomeration. Klar ist auch: Der Investor muss eng mit dem Denkmalschutz zusammenarbeiten.
Hinter der Immobilienfirma steht Antonio Carrisi (58), gebürtiger Italiener und in Freiburg ein grosser Name. Er baute die Konzerthalle Alfagamme in Freiburg und rief die Konzert-Organisation Bellarena Events ins Leben.
Ein elitäres Mädcheninternat
Mit seinem Luxus-Projekt knüpft Carrisi an die vornehme Vergangenheit des Schlosses an. Von 1904 bis 1988 war es eine Bildungsstätte für die Töchter reicher Familien aus aller Welt. Zu Spitzenzeiten lebten rund 120 Mädchen im Internat. Es war ein edler Ort, aber auch ein strenger – Disziplin stand an oberster Stelle.
Der Glaube bestimmte den Alltag bis ins Detail, erzählt eine ehemalige Schülerin 2022 den «Freiburger Nachrichten». Streit entbrannte etwa, als Schülerinnen Bilder von männlichen Balletttänzern in ihren Zimmern aufhängen wollten. Oder als sie Schweizer Soldaten, die für eine Übung im Schloss einquartiert waren, heimlich Liebesbriefe zuwarfen.
Schloss stand jahrzehntelang leer
Die Nonnen gaben die Leitung 1988 aus finanziellen Gründen ab. Die Schule lief noch fünf Jahre als Privatinstitut weiter, dann ging auch der Betreiber bankrott. Die zwei Freiburger Gemeinden kauften das Schloss 2002.
2010 besetzte das Kollektiv «Raie Mante» das Gebäude kurzzeitig. Wegen gravierender Sicherheitsmängel wurde es geräumt. Seither investierten die Gemeinden in den Unterhalt. Endgültig entschieden, ob das Geisterinternat wirklich zu einem Luxushotel wird, ist jedoch noch nicht. Am 23. Februar stimmen die Gemeinden über Verkauf und Projekt ab.