Darum gehts
- Das neue Auszahlungssystem Asal 2.0 sorgt seit Januar für Chaos
- Job-room.ch ist seit Donnerstag wegen technischer Störungen offline
- Mitarbeiter warnen vor monatelangen Rückständen, viele stehen an Belastungsgrenze
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat ordentlich Probleme mit dem neuen Auszahlungssystem fürs Arbeitslosengeld. Dieses sorgt bereits seit Januar schweizweit für Chaos bei den Arbeitslosenkassen. Und nun fällt auch noch die Service-Plattform aus: Seit Donnerstagmorgen ist job-room.ch offline, nichts funktioniert.
Das Seco bestätigt auf Anfrage von Blick, dass die Plattform nicht zur Verfügung steht – «aufgrund technischer Störungen». Man arbeite mit Hochdruck an der Entstörung, inzwischen habe man den Ursprung des Problemes eingrenzen können. Und weiter: «Unsere Teams sind dran, die Ursache endgültig zu beheben. Wir bedauern die entstandenen Unannehmlichkeiten für die Versicherten der Arbeitslosenversicherung und informieren zeitnah.»
Seco hat Plattform vor zwei Tagen angepriesen
Besonders ärgerlich aus Sicht der Arbeitslosen: Erst am Montag hat das Seco in einer Medienmitteilung empfohlen, das Formular «Angaben der versicherten Person» (AvP) konsequent über job-room.ch einzureichen. Mit diesem Formular machen Arbeitslose jeden Monat ihren Anspruch auf Taggelder geltend. Am 22. Tag des Monats wird dieses aufgeschaltet. Und genau jetzt können Betroffene nicht darauf zugreifen. «So kann man seine Pflichten nicht erledigen, und wird dann dafür bestraft», beschwert sich ein Blick-Leser. Ein weiterer meint: «Ein richtiges Chaos.»
Generell dürften die Nerven vieler Arbeitsloser in letzter Zeit stark strapaziert worden sein. Bei den Arbeitslosenkassen ist es zuletzt zu Verzögerungen bei den Auszahlungen gekommen. Grund ist das neue Auszahlungssystem mit dem Namen Asal 2.0, das seit dem Jahreswechsel im Einsatz ist.
Die Umstellung auf die neue Software hat massive Probleme verursacht. «Das System ist langsam und instabil. Fast jeder Klick endet in einer Ladepause», sagte eine Mitarbeiterin einer Arbeitslosenkasse kürzlich zu 20 Minuten. Intern spreche man bereits von einer «Krise». «Viele Mitarbeitende stehen an der Belastungsgrenze», so die Angestellte. Und: «Wenn es so weitergeht, drohen Rückstände von mehreren Monaten.»
«Technische Probleme in der Startphase»
Beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bestätigte ein Sprecher gegenüber Blick: «In der Startphase traten technische Probleme auf.» Das habe zu einem «vorübergehend erhöhten operativen Aufwand» und zu einer «längeren Dossierbearbeitungszeit» geführt. Spezialisten hätten die Einschränkungen in der Zwischenzeit weitgehend beheben können. Das Seco gehe davon aus, dass die meisten ihr Geld nächsten Monat bekommen.
Von der Umstellung erhofft man sich beim Seco einiges. «Mit Asal 2.0 macht die Arbeitslosenversicherung einen wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung und Automatisierung», erklärt der Sprecher gegenüber Blick. Das neue System werde die Abläufe für die Durchführungsstellen und die Versicherten vereinfachen, die Effizienz steigern und die Sicherheit der Prozesse erhöhen.