Darum gehts
- Fabienne Kilchör und Sébastien Fasel gestalten neue Schweizer Banknoten
- Design zeigt Pflanzen, Höhenlagen und Tierfunde
- Wie Snowboarder Fasel seine Leidenschaft für Banknoten entdeckte
Nicht weniger als 16 Jahre lang hat Fabienne Kilchör (42) zusammen mit Sébastien Fasel (42) für ihren Traum gelebt: einmal im Leben die Banknoten der Schweiz zu entwerfen – sozusagen die Visitenkarte des Landes. Als der für Traum endlich Erfüllung geht, fällt die Antwort überraschend bescheiden aus: «Das ist wie ein Yahtzee in einem Wurf», sagt Kilchör auf die Frage, wie sich der Gewinn des Gestaltungswettbewerbes für die zehnte Banknotenserie anfühlt. Das Würfelspiel ist fester Bestandteil des Familienlebens der Grafikerin.
Die Freiburgerin realisiert erst langsam, dass ihre Kinder – und vielleicht auch ihre Enkel – mit dem Geld, das die Mutter entworfen hat, noch lange bezahlen werden. Sie selbst bezahlt nur noch auf dem Markt in bar, «um die lokale Wirtschaft zu unterstützen».
Als Kilchör und Fasel vor gut einem Jahr in die Endauswahl für das neue Banknotendesign kommen, ändert sich das Leben der beiden radikal: «Wir haben Tag und Nacht für das Projekt gearbeitet», sagt Kilchör. «Und in der Nacht sogar von den Banknoten geträumt», wie Fasel ergänzt.
Die Arbeit beginnt jetzt
Der Grafiker und Vater mit schweizerischen und kolumbianischen Wurzeln liebäugelte erst mit einer Karriere als Profi-Snowboarder. Doch ein Job stellte die Weichen neu: «Mein erstes Praktikum als junger Grafiker habe ich bei Roger Pfund absolviert.» Pfund (1943–2024) gilt als der Grandseigneur des Banknotendesigns. Doch im Gegensatz zu seinem Praktikanten blieb dem Meister der Ritterschlag verwehrt: Er durfte lediglich eine Reserveserie für die Nationalbank entwerfen, die nie in den Umlauf kam.
Kilchör und Fasel haben sich an der Kunst- und Grafikhochschule in Genf kennengelernt und 2010 gemeinsam Emphase, eine Agentur für Kommunikationsdesign mit Sitz in Lausanne und Bern gegründet. Seine Leidenschaft fürs Boarden und Skaten muss Fasel in den nächsten Jahren wohl zurückstellen, denn mit dem Gewinn des Gestaltungswettbewerbs beginnt erst die Knochenarbeit: «Das wird ein richtiger Marathon», so der Romand. «Die Schweiz und ihre Höhenlagen» ist das Thema der neuen Banknoten-Serie.
Liebe zur Natur
Nun gilt es, das Siegerprojekt zu überarbeiten und all die Wünsche und Vorschriften der Nationalbank akribisch umzusetzen. «Wir sind es gewohnt, eng mit den Kunden zusammenzuarbeiten und Projekte weiterzuentwickeln», sagt Kilchör. Gut möglich, dass sich die neuen Banknoten, wenn sie frühestens ab 2030 eingeführt werden, deutlich vom heutigen Entwurf unterscheiden werden.
Fasel gilt als Tech-Freak, immer daran interessiert, die neuesten Technologien im Dienste des Designs auszuprobieren. Eine gute Ergänzung zur Waldbesitzerin Kilchör. Ihre Liebe zur Natur und ihre Vergangenheit als Archäologin findet sich in zweierlei Hinsicht auf den Banknoten wieder: Einerseits durch die für jede Höhenlage typischen Pflanzen auf den Noten sowie die im Wasserzeichen versteckten prähistorischen Tierfunde in der Schweiz.