Darum gehts
- Franz Faeh verlässt nach über 50 Jahren das «Gstaad Palace».
- Er führte Küchen weltweit, war bekannt für Menschlichkeit und Respekt.
- 16 GaultMillau-Punkte, 150 Gerichte, darunter der berühmte «Loup de Mer».
Abschiedsschmerz? Gibts nicht bei Franz Faeh (65). Am zweitletzten Tag seiner Anstellung als Culinary Director des «Gstaad Palace» packt er seelenruhig seine Sachen. Zwei Lagen Messer sind schon in der Kiste, darauf kommen Kittel und Schürzen, an der Wand warten mindestens vier Meter Kochbücher. Öffnet er die Schubladen, kommen noch und noch Erinnerungsstücke hervor, zu denen allen er eine Geschichte zu erzählen hat.
Über 50 Jahre lang war Kochen, Organisieren, Einkaufen und das Erfüllen von Gästewünschen sein Alltag. «Und Rechnen», sagt er. «Es reicht nicht, nur gut zu kochen. Es muss auch Geld in die Kasse kommen.» Vor der Wintersaison lasse «Palace»-Besitzer Andrea Scherz (55) erneuern und renovieren. «Ich bin froh, konnte ich zum guten Ergebnis der Saison beitragen», sagt Faeh. Das «Palace» sei «unique», einzigartig, die Gäste eine grosse Familie. Die beiden Gstaader kennen sich seit ihrer Kindheit und Scherz hat ihn vor zehn Jahren zu sich geholt. Nun verliere er nicht nur einen Arbeitskollegen, sondern auch einen Freund, sagt der Hotelbesitzer. Sie hätten auch Kämpfe ausgefochten, aber «wir konnten allein durch einen Blick kommunizieren. Dass er jetzt geht, ist sehr emotional für mich», so Andrea Scherz. «Franz ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere und durch die SRF-Sendung ‹Inside Gstaad Palace› wurde er in der ganzen Schweiz populär. Man sagt ja, dass man auf dem Höhepunkt abtreten soll.»
Beim Aufräumen kommt Franz Faeh ein Fotoalbum in die Finger, das aus seiner Zeit als Stift hier in der Küche stammt. «Da haben wir Party gemacht», meint er lachend und zeigt auf ein Bild. Auf einem anderen sieht man ihn beim Putzen. In den Küchen sei es laut, streng und herrisch zugegangen, erinnert er sich. Und schüttelt die Erinnerung gleich wieder ab. Denn so führt der Faeh nicht.
Seine Köche dürften selber Rezepte schreiben, selbständig arbeiten. «Menschlichkeit, Respekt, auf Augenhöhe sind meine Prinzipien. Das habe ich in Asien gelernt.» Hongkong, Singapur, Jakarta, Bangkok waren nur einige seiner beruflichen Stationen, zu denen auch das «Badruttʼs Palace» in St. Moritz GR gehört. Er hat für die thailändische Königsfamilie gekocht, asiatische Gerichte in die Schweiz gebracht. Sein Loup de Mer «Hongkong Style» mit Pak Choi, Soja und Mirin ist das meistbestellte Gericht auf der Karte.
Letztes Jahr erhielt Faeh von Bundesrat Guy Parmelin den «Mérite Culinaire Suisse», zudem ist er zum «Conseiller Culinaire der Chaîne des Rôtisseurs Suisse» ernannt worden. Vom GaultMillau erhielt er 16 Punkte. GM-Chef Urs Heller: «Franz Faeh hat die Küchenwelt nicht neu erfunden. Aber er war rund um die Uhr für die ‹Palace Society› da. Sein Repertoire war grenzenlos: 150 Gerichte in den Restaurants, 90 zusätzliche Positionen auf einer ‹schwarzen Karte›, mit den besonderen Wünschen der Stammgäste. Einmalig in der Schweiz.» Faehs Nachfolger wird sein Stellvertreter, Luca Gatti, schon 20 Jahre in der «Palace»-Küche. «Ich habe diesen Sommer als Einziger freigenommen, sodass er sich in Ruhe einarbeiten kann.»
Gäste kamen für ein Adieu
Während seiner Karriere hat ihn die Grande Dame der Haute Cuisine, Irma Dütsch, begleitet. «Franz ist die Ruhe selbst, eine unglaubliche Führungspersönlichkeit. Darum hat man ihm grosse Brigaden anvertraut», erzählt Ehemann Hans-Jörg Dütsch. Und: «Er hat die Gabe, die besten Leute um sich zu scharen und Kollegialität zu pflegen.» Auch Gäste hat Faeh nachhaltig beeindruckt. «Viele kamen, um Adieu zu sagen.» Gerade eben ein Ehepaar, für das er das Hochzeitsessen gekocht hat. «Sie haben mir die Menukarte mit einem Foto ihrer Familie vorbeigebracht.» Das rührt ihn dann doch, den coolen Franz.
Für sein Leben als Pensionär hat er vorgesorgt. «Die ganze Sommersaison bin ich statt mit dem Auto zu Fuss gekommen. Es ist ein Steiss den Berg rauf, am Anfang ging mir der Schnuuf aus. Jetzt gehts schon viel besser.» Er wolle sich fit machen, sagt er, führt auf die Terrasse des «Palace» und zeigt auf das Oldenhorn: «Ist es nicht wunderschön?» Als Bub habe er in den Ferien als Stafelbueb den Bauern bei der Sömmerung der Tiere geholfen, später auf dem Wasserngrat in der Küche gearbeitet. «In dieser Bergwelt Zeit zu verbringen, ist ein Glück.» Skifahren will er wieder, auch Reisen mit seiner Regula, der Jugendliebe, die erst jetzt, im Alter, aufgeblüht ist. «Im Frühling haben wir meine Tochter und meinen fünfmonatigen Enkel in Kanada besucht, ich konnte ihn in den Armen wiegen.» Faeh macht die Bewegung nach und strahlt. «Bald kommen sie zu Besuch.»
Und ja, vielleicht gehe es auch wieder mal nach Asien. Wer weiss. Das «Palace» hingegen werde er nicht mehr betreten. «Das gehört sich nicht. Der neue Chef soll seine Ruhe haben.» Ihn könnten die Kollegen ja besuchen. «Ist nur acht Minuten von hier.» Drum fällt es ihm leicht zu sagen: «Es isch gnue jitz. Sayonara.» Lebewohl.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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