Flüge gleich ennet der Grenze
Dubiose slowakische Airline sorgt für Ärger und Kritik

Václav Fischer will mit seiner Fischer Air Ferienorte auch ab Friedrichshafen anfliegen. Bisherige Flüge sind aber ausgefallen, Kunden bangen um ihr Geld. Mittlerweile haben sich auch Verbraucherschützer eingeschaltet – und warnen vor der Fluggesellschaft.
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Unternehmer Václav Fischer gründete 1996 die Fluggesellschaft Fischer Air.
Foto: Sygma via Getty Images

Darum gehts

  • Fischer Air lockt mit Billigflügen, doch Flüge werden oft gestrichen
  • Buchungsseite intransparent und verstösst laut Verbraucherschutz möglicherweise gegen Impressumspflicht
  • Flugbetrieb soll am 14. Februar 2026 starten, Genehmigung fehlt jedoch weiterhin
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Riccarda CampellRedaktorin Wirtschaft

Ennet der Schweizer Grenze hat sich eine Fluggesellschaft niedergelassen, die derzeit für negative Schlagzeilen sorgt: die deutsche Fischer Air – angeblich mit Sitz in Friedrichshafen, auf der deutschen Seite des Bodensees. Vom dortigen Flughafen sowie von Kassel aus bietet die Airline Flüge in beliebte Feriendestinationen an, etwa nach Teneriffa für 249 Euro. Das Problem: Die Maschinen von Fischer Air heben oft gar nicht erst ab. Zurück bleiben hässige und ratlose Kunden – ohne Ansprechpartner und ohne klare Aussicht, ihr Geld zurückzubekommen. 

Missglückt auch das dritte Comeback?

Was ist da genau los? Die Fluggesellschaft Fischer Air wurde ursprünglich 1996 vom deutschen Unternehmer Václav Fischer (71) gegründet. 2005 ging sie Konkurs. Seitdem kündigte Fischer mehrfach ein Comeback an: 2019 wollte er Charterflüge ab Deutschland und Tschechien anbieten. Und 2024 sollten Dresden und München mit Zielen rund um das Mittelmeer verbunden werden. Keiner der Pläne wurde umgesetzt.

Nun nimmt er einen dritten Anlauf: Fischer gründete die Firma in der Slowakei neu. Ab Weihnachten 2025 sollte es von Kassel und Friedrichshafen auf die Kanaren gehen. Doch Fischer Air musste die angekündigten Flüge immer wieder nach hinten verschieben. Nun will die Airline am Samstag endlich den Betrieb aufnehmen. 

Unseriöse Buchungsseite

Ob die Flüge dann auch stattfinden, ist zumindest fraglich. Schon der erste Blick auf die Website macht stutzig. Bilder von den Flugzeugen sucht man vergebens, stattdessen wirbt die Airline auf der Seite mit generischen Bildern von touristischen Orten. In den Texten hat es einige Rechtschreibfehler. Als Kontakt ist der Gründer selbst angegeben – eine Hotline fehlt. 

Die Verbraucherzentrale Hessen und die tschechische Gewerbeaufsicht CTIA kritisierten die Buchungsseite, wie deutsche Medien berichten. Mangelnde Transparenz, auffällig tiefe Preise und ausschliesslich Vorkasse per Überweisung haben die Verbraucherschützer stutzig gemacht. Sie stufen die Fischer-Air-Site als «riskanten Onlineshop» ein. Zudem prüfen sie, ob es sich um irreführende Werbung handelt. Dann würden sie rechtlich gegen Fischer Air vorgehen. 

Fehlende Betriebserlaubnis

Dazu kommt: Im Impressum der Website ist der Flughafen Friedrichshafen als Niederlassung angegeben. Doch die angegebene Adresse wurde gemäss der «Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen» nie bezogen. Das wäre ein Verstoss gegen die Impressumspflicht. Die Problematik: Kunden können zwar in Deutschland klagen, vollstreckt werden müsste das Urteil aber in der Slowakei. Das würde auch für Schweizer Fluggäste von Fischer Air gelten. Brisantes Detail: Der Flughafen Friedrichshafen hat die dubiose Fluggesellschaft bisher nicht in seinen Flugplan aufgenommen. 

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