Firma hat Schweizer Hauskäufer geprellt
Jetzt geschäftet Immo-Trickser Arras mit neuer Firma in Miami

Sie wollten ein Ferienhaus in Italien – und stehen heute vor einem Scherbenhaufen. Über 130 Kunden der Arras Group warten noch immer auf ihr Geld. Sie fordern über 16 Millionen Euro zurück. Der ehemalige CEO geschäftet derweil mit neuer Firma in Miami weiter.
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Die Baustelle ist verlassen, die Villa von Bulgari-CEO Jean-Christophe Babin ist alles andere als fertig.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Arras Group hinterliess einen Schuldenhaufen – auch Schweizer betroffen
  • Trotz laufendem Verfahren: Ehemaliger CEO Enrico Arras gründet neue Firma in Miami
  • Mutmassliche Gläubiger fordern über 16 Millionen Euro zurück
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Dorothea VollenweiderRedaktorin Wirtschaft

Jahrelang verkaufte die italienische Arras Group Ferienhäuser am Mittelmeer. Doch unzählige Objekte wurden nie fertiggestellt. Zu den Betroffenen gehören mehrere Schweizerinnen und Schweizer. Aber nicht nur: Über 130 mutmassliche Geschädigte rund um die Welt warten noch immer auf ihr Geld. Sie alle haben Anzahlungen an die Arras Group getätigt für Feriendomizile, die bis heute nicht stehen. 

Mehrere Betroffene haben bei der Staatsanwaltschaft in Mailand (I), wo die Gruppe den Hauptsitz hatte, Strafanzeige eingereicht. Darunter auch die Familie C.* aus dem Kanton Zürich. Sie leistete eine Anzahlung von 78'000 Euro für einen Zweitwohnsitz auf Sardinien, den es bis heute nicht gibt. Genauso wie Jean-Christophe Babin (66), CEO der römischen Luxusmarke Bulgari. Er zählt sich ebenfalls zu den mutmasslichen Opfern der Arras Group. Die Betroffenen sprachen Anfang 2025 mehrmals mit Blick über die Machenschaften der Arras Group. 

Liquidation und Strafprozess

Ende 2025 leitete das Gericht in Mailand dann die Liquidation der italienischen Immobilienfirma ein. Der Strafprozess gegen die Arras Group kommt allerdings nur langsam ins Rollen. Ein Datum für eine Anhörung gibt es noch nicht. Eine Anfrage von Blick bei der zuständigen Staatsanwältin bleibt unbeantwortet.

Enrico Arras (44), ehemaliger CEO der Arras Group, bestreitet die Vorwürfe weiterhin. Und versucht sein Glück bereits woanders. Diesmal unter dem Firmennamen SHN Miami Inc. – SHN steht für Second Home Now. Das Unternehmen ist im Bundesstaat Florida mit dem Zweck «Immobilienentwicklung» eingetragen, zeigen Recherchen. Einer der Mitgründer: Enrico Arras. Auf Anfrage von Blick sagt dieser: «Das Unternehmen befindet sich derzeit in der Aufbauphase und hat noch keine Geschäftstätigkeit aufgenommen.» Mehr wolle er zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu sagen.

Für die Familie C. ist es unverständlich, dass Arras nun offensichtlich in Miami ein neues Standbein aufbauen will – während er in Italien einen Scherbenhaufen zurücklässt. Sie begreifen nicht, warum die Strafbehörden so lange untätig bleiben, und fühlen sich im Stich gelassen. «Das italienische Strafgericht hätte ihm doch längst das Handwerk legen müssen», sagt Stefano C. (57) zu Blick.

Forderungen in Millionenhöhe

Das Liquidationsverfahren gegen die Arras Group wurde in Mailand vor kurzem eröffnet. Auch Betroffene aus der Schweiz nahmen am 11. Mai 2026 an der ersten Anhörung teil. Während eines Online-Termins konnten sie ihre Forderungen geltend machen.

Blick liegt die Liste der Parteien vor, die von der Arras Group Geld zurückfordern. Es sind 134 mutmassliche Opfer, die insgesamt mehr als 16 Millionen Euro beklagen. Zu ihnen gehören die Familie C. genauso wie Luxus-Unternehmer Babin. 

Die Arras Group, ein prominenter Investor und die Schweiz

Die Arras Group hatte es einst offenbar besonders auf Schweizer Kunden mit dickem Portemonnaie abgesehen. Im Januar 2024 hat die Immobilienfirma in Neuenburg einen Showroom eingeweiht. Man wolle die Anzahl Schweizer Kunden verdoppeln, meldete die Internet-Plattform «Luxury Tribune» damals. Die Eröffnung wurde gross gefeiert. Mit dabei waren ranghohe Angestellte der Neuenburger Behörden, der italienische Botschafter sowie Jean-Christophe Babin (65), CEO von Bulgari. Dieser agierte damals als Verwaltungsrat der Arras Group. Kurze Zeit später ist er vom Amt zurückgetreten. Babin blieb aber Investor und verantwortlich für die Schweizer Niederlassung. Auch er hat Anfang 2025 Strafanzeige gegen die Arras Group erstattet. Als Kunde der Immobilienfirma wollte er sich ein Haus in Golfo Aranci auf Sardinien bauen lassen. Auch seine Ferienresidenz wurde nie fertiggestellt.

Jean-Christophe Babin, CEO von Bulgari.
imago/ZUMA Press

Die Arras Group hatte es einst offenbar besonders auf Schweizer Kunden mit dickem Portemonnaie abgesehen. Im Januar 2024 hat die Immobilienfirma in Neuenburg einen Showroom eingeweiht. Man wolle die Anzahl Schweizer Kunden verdoppeln, meldete die Internet-Plattform «Luxury Tribune» damals. Die Eröffnung wurde gross gefeiert. Mit dabei waren ranghohe Angestellte der Neuenburger Behörden, der italienische Botschafter sowie Jean-Christophe Babin (65), CEO von Bulgari. Dieser agierte damals als Verwaltungsrat der Arras Group. Kurze Zeit später ist er vom Amt zurückgetreten. Babin blieb aber Investor und verantwortlich für die Schweizer Niederlassung. Auch er hat Anfang 2025 Strafanzeige gegen die Arras Group erstattet. Als Kunde der Immobilienfirma wollte er sich ein Haus in Golfo Aranci auf Sardinien bauen lassen. Auch seine Ferienresidenz wurde nie fertiggestellt.

Ein italienischer Insolvenzverwalter hat die Forderungen der Betroffenen in den letzten Monaten geprüft und 9,6 Millionen davon anerkannt. Insolvenzverwalter weisen Forderungen beispielsweise dann zurück, wenn nötige Nachweise fehlen.

Auch Firmen fordern Geld

Stefano C. nahm am ersten virtuellen Gerichtstermin teil. «Während der Anhörung wurde jede Position einzeln angeschaut», sagt er zu Blick. Der Termin dauerte drei Stunden. Dann wurde eine neue Sitzung auf den 15. Juli einberufen. «Weil es nicht möglich war, die grosse Anzahl an Kreditoren in einer Sitzung abzuhandeln», so der Familienvater.

Sein Fazit: «Die Arras Group hat exorbitante Schulden angesammelt», sagt C. Neben geprellten Hauskäufern gehören auch Strom- und Telefongesellschaften, Vermieter, Anwälte und Treuhänder zu den Gläubigern, die zum Teil Hunderttausende Franken einfordern. 

Doch wo sind die Millionen von Euro, die die Arras Group eingesackt hat, ohne die versprochenen Immobilien je zu übergeben? Das weiss niemand so richtig. Für die mutmasslichen Opfer heisst das: Ihre Chancen auf Entschädigung stehen schlecht. Nicht nur, weil niemand weiss, wo das Geld hinfloss, sondern auch, weil ihre Forderungen als zweitrangig eingestuft werden. Das heisst: Wenn überhaupt noch Geld vorhanden ist, werden zuerst die privilegierten Kreditoren entschädigt. Zu ihnen gehören Angestellte und Behörden. 

* Name geändert 

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