Darum gehts
- Expertinnen diskutieren, wer beim ersten Date zahlt
- Soziologin: Männer zahlen oft, um finanzielle Stabilität zu signalisieren
- Partnervermittlerin: Schweizer teilen oft Rechnungen, zeigen Pragmatismus und gute Manieren
Wer zahlt beim ersten Treffen? Lädt der Mann als Kavalier alter Schule ein oder teilt man sich die Rechnung gleichberechtigt halbe-halbe? Am Bezahlen beim ersten Date scheiden sich nach wie vor die Geister. Von der Wissenschaft über Finanzberatung bis hin zur Dating-Beraterin: Drei Expertinnen erklären gegenüber Blick, wer beim ersten Date das Portemonnaie zücken sollte und warum in der Schweiz die Uhren bei der Dating-Etikette etwas anders ticken.
Soziologin Jessica Carbino (40) konnte ihre Expertise schon bei den Dating-App-Firmen Tinder und Bumble einbringen. Sie beobachtet wenig Wandel: «In der Vergangenheit folgten die gesellschaftlichen Tendenzen sehr traditionellen Vorstellungen von Geschlechternormen», sagt die Expertin. Viel habe sich dabei aber nicht geändert, so Carbino. «Weil die Verdienstkraft potenzieller Partner wichtig ist, sehen Männer und Frauen es möglicherweise nach wie vor als Zeichen finanzieller Solidität, wenn der Mann beim ersten Date bezahlt.»
Gemäss der Expertin haben in den letzten Jahren auch Influencer an Bedeutung gewonnen. Sie können bestehende Erwartungen zum Bezahlen verstärken oder auf den Kopf stellen. Zweiteres geschieht aber eher selten. Denn: «Das Problem ist, dass viele Menschen aufgrund der Funktionsweise von Algorithmen Inhalte konsumieren, die ihre eigene Sichtweise weitgehend bestätigen oder ansprechen», warnt Carbino.
Finanzbloggerin Olga Miler gibt Rat rund um persönliche Finanzplanung. Für sie spielt Geld beim ersten Date noch keine Rolle: «Solche Dinge gehören für mich viel später dazu, zum Beispiel wenn Budgets und Lohnunterschiede mitspielen und es Sinn machen kann, dass der Mehrverdiener auch die Rechnung übernimmt», sagt die Finanzexpertin.
Eine feste Regel gibt es für sie nicht. Wer einlädt, sollte anbieten zu zahlen. «Pragmatischer ist es aber, die Rechnung zu teilen», sagt Miler.
Partnervermittlerin rät: «Halte es elegant»
Das sieht Partnervermittlerin Rossana De Blasi (56) anders. Sie leitet das Unternehmen Macbeth Matchmaking, das Paare in der Schweiz und vielen anderen europäischen Ländern verkuppelt. Sie setzt beim Konfliktpunkt Zahlen beim ersten Date auf simple Devisen und rät: «Halte es elegant, einfach und locker.» Denn: «Ein erstes Date ist keine Buchhaltungsübung, sondern ein Moment, in dem man eine Verbindung aufbaut.»
Dabei macht die Vermittlerin durchaus Unterschiede nach Geschlecht: «Ich sage Männern normalerweise: Wenn du sie eingeladen hast, biete selbstbewusst an, die Rechnung zu übernehmen, ohne eine grosse Show daraus zu machen.» Ihr Tipp an Frauen: «Sei höflich, bedanke dich, und wenn du es wirklich vorziehst, die Kosten zu teilen, schlage es ganz locker vor.»
Ihre Kundinnen konnten auch mit geteilten Rechnungen schon negative Erfahrungen machen: «Eine Kundin erzählte mir einmal: Das Problem war nicht, dass er nicht bezahlt hat, sondern dass er zehn Minuten damit verbracht hat, es auszurechnen. Das sagte ihr mehr über seine Persönlichkeit aus als der Betrag selbst.»
Sieht die Vermittlerin bei ihren Schweizer Klientinnen und Klienten besondere Trends? «Die Schweiz ist interessant, weil sie sehr ausgewogen ist», sagt die Dating-Expertin. «Die Menschen sind unabhängig, zurückhaltend und praktisch veranlagt, daher ist es nicht ungewöhnlich, die Rechnung zu teilen.» De Blasi kann dem Schweizer Stil einiges abgewinnen. «Kein Drama, kein Angeben, einfach nur gute Manieren», bringt sie die hiesige Kultur auf den Punkt.