Ex-Mitarbeiter warnt vor dubiosem Anbieter beim Flughafen Zürich
«Finger weg von dieser Mietwagenfirma!»

Explore Vacations bietet in Kloten ZH Mietwagen und Reisen an. Online-Rezensionen zeigen: Das Unternehmen wird den Versprechungen auf der Homepage bei Weitem nicht gerecht. Mehr noch: Ex-Angestellte sprechen von systematischer Täuschung – und fehlenden Lohnzahlungen.
Publiziert: 00:21 Uhr
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Aktualisiert: vor 37 Minuten
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Nur ein Steinwurf vom Flughafen Zürich in Kloten entfernt: Explore Vacations.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

  • Explore Vacations AG: Kritik an Mietwagengeschäft und fragwürdige Geschäftspraktiken
  • Ehemaliger Mitarbeiter warnt vor gefährlichen Fahrzeugen und Betrug
  • Dutzende Google-Rezensionen geben dem Unternehmen nur 1 Stern
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

«Suchen Sie eine sichere Reise in einem Ligusterauto?» Was auch immer damit gemeint ist: So stand es auf der Website der Firma Explore Vacations AG in Kloten ZH. Ein Übersetzungsfehler? Wohl schon. Die Buchungswebsite für Mietfahrzeuge wurde stillgelegt, kurz nachdem Blick bei der Firma vorstellig wurde. Recherchen zeigen: Hier stimmt mehr nicht als nur das Deutsch auf der Website.

Explore Vacations ging vor fünf Jahren aus der zuvor in Binningen BL domizilierten Cheetah Trading AG hervor. Neben dem Vermieten von Autos bietet das Unternehmen, das in der Hand von Sri Lankern ist, auch Reisen und Geldüberweisungen nach Sri Lanka an. Vor allem das Mietwagengeschäft beim Flughafen Zürich zieht viel Kritik auf sich. Dutzende Rezensionen auf Google geben dem Unternehmen nur 1 Stern – das Minimum. Die Rede ist von veralteten Autos, zurückgehaltenen Kautionsgeldern, miserablem Service und fehlender Abholung am Flughafen Zürich.

Happige Vorwürfe gegen die Firma

Ein ehemaliger Mitarbeiter bestätigt die Vorwürfe. Michael Bauer* (34), der sieben Monate lang in der Firma arbeitete und aus Angst vor den Inhabern nicht namentlich genannt sein will, warnt im Gespräch mit Blick: «Finger weg von dieser Mietwagenfirma. Die scheuen sich nicht, stark beschädigte Autos im Verkehr einzusetzen.» Er berichtet von Fahrzeugen, die bereits 30 Jahre im Verkehr sind und teils mehrere 100'000 Kilometer auf dem Tacho hätten. Das sei gefährlich und könnte früher oder später zu Unfällen führen. Und sei einer Mietwagenfirma absolut unwürdig.

Doch nicht nur das: Den Mitarbeitenden seien Löhne teils vorenthalten und bei ausländischen Mitarbeitenden ohne C-Bewilligung die vom Lohn abgezogene Quellensteuer nicht an die Steuerbehörden überwiesen worden. Von Kunden wurden laut dem Ex-Mitarbeitenden extrem hohe Kautionen von bis zu 4000 Franken pro Auto verlangt, ebenso hohe Strafgebühren für kleine Schäden am Auto. Bauer ist sauer: «Zum einen waren die Schäden oft schon vor Mietantritt vorhanden, zum anderen wurden die Gebühren gar nicht für die Instandstellung der Autos verwendet.» 

Das Unternehmen soll laut Bauer Schulden in alle Richtungen haben: Für die Büromieten, für das Leasing, für nicht bezahlte Bussen, die Automieter verursachten. Die Polizei sei schon mehrmals in Kloten aufgekreuzt. Fand sich aber vor verschlossenen Türen wieder oder die Mitarbeitenden mussten mit der Polizei sprechen. Oft auch mit verärgerten Kunden, während sich die Eigentümer verschanzten. Auch Blick versuchte am Sitz in Kloten, Verantwortliche zur Rede zu stellen. Vergeblich. Kein Eingang und auch kein Briefkasten war auszumachen. Lediglich das Firmenschild und ein paar Mietwagen deuten darauf hin an, dass wenigstens die Adresse stimmt.

Die Beschuldigten hüllen sich in Schweigen

Ex-Mitarbeiter Bauer hat genug: Er hat den Arbeitnehmerschutz kontaktiert und betreibt die Firma. Er geht aber nicht davon aus, das ihm zustehende Geld zu erhalten. Deshalb will er nun potenzielle Arbeitnehmer wie auch Kunden vor der Firma warnen.

Letztere buchen aber in den seltensten Fällen direkt beim Unternehmen. Über die im Internet vorhandene Telefonnummer gibt es keine Antwort, die Buchungsmaschine auf der Website funktionierte nie. «Das Geschäft lief als Drittanbieter für andere Unternehmen – die jetzt teils abgesprungen sein dürften», so Bauer.

Was sagt das Unternehmen? Der langjährige Schweiz-Chef und Verwaltungsratspräsident ist laut Handelsamtsblatt erst kürzlich, am 5. August, aus dem Unternehmen ausgeschieden. Als CEO fungiert der Gründer, der laut Bauer aber in Sri Lanka weilt und wohl kaum etwas von den Vorgängen mitbekommen habe. Treiber der Missstände sei der Schweiz-Chef gewesen. 

Blick versucht auf allen Kanälen, das Unternehmen zu kontaktieren. Eine Antwort bleibt aus. Auch der ehemalige Geschäftsführer lässt Anfragen unbeantwortet.

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