Ersatzteil-Irrsinn
Praktisch neue Boeing 787 wird verschrottet – nach nur drei Flügen

Weit herumgekommen ist die Boeing 787-8 mit der Kennung N947BA nicht. Nach nur drei regulären Flügen wird die Maschine bereits wieder in ihre Einzelteile zerlegt. Ersatzteile für den Dreamliner sind weltweit rar und begehrt, der Handel treibt seltsame Blüten.
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Die Boeing 787-8 mit der Kennung N947BA wird in ihre Einzelteile zerlegt.
Foto: Credit: flickr/ corkspotter / Paul Daly

Darum gehts

  • Eine Boeing 787 wird verschrottet, obwohl sie kaum genutzt wurde
  • Die Ersatzteile des Flugzeugs sind über 50 Millionen Dollar wert
  • Die Maschine flog nur 13 Stunden und wurde 2016 gebaut
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Der Dreamliner von Boeing ist ein Erfolgsmodell. Der US-Flugzeugbauer hat die Boeing 787 konsequent für die Langstrecke entwickelt. Und das kommt bei den Airlines gut an, weil das Flugzeug viel Platz hat und im Vergleich zu Konkurrenten wenig verbraucht. So kann die 787 bis zu 330 Passagiere über weite Distanzen von bis zu 15'000 Kilometern transportieren – und rentiert sich auch auf Routen mit einem geringen Passagieraufkommen. Seit 2011 wird der Dreamliner produziert. Ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Derzeit wird die Produktion im Werk von North Charleston (USA) ausgebaut, um die Nachfrage befriedigen zu können.

Da erstaunt es, dass ein Dreamliner verschrottet wird, der eigentlich noch gar nie richtig abgehoben ist, wie das Aviatikportal Aerotelegraph berichtet. Die Boeing 787-8 mit der Kennung N947BA wurde 2016 gebaut – hat aber erst 13 Flugstunden auf dem Tacho, ist nur drei Mal regulär abgehoben. Ursprünglich sollte die Maschine an Royal Air Maroc gehen. Doch wegen Montagefehlern platzte der Deal. Boeing blieb auf dem Flieger sitzen.

Teile sind 50 Millionen wert

Ein neuer Käufer wurde zwar gefunden: Ein Anbieter von Luxusreisen wollte den Dreamliner zum VIP-Jet mit nur 60 Sitzen umbauen. Doch auch dieses Projekt scheiterte. Die Maschine stand sich jahrelang in der Wüste Kaliforniens die Reifen platt. 2021 wurde der Flieger für 25 Millionen Dollar an eine Investmentgesellschaft verkauft. 2024 dann das endgültige Aus: Der Dreamliner darf für seinen finalen Flug nach New Mexico noch einmal in die Luft. Dann wird er in seine Einzelteile zerlegt.

Doch warum verschrottet man ein fast unbenutztes Flugzeug? Der Grund ist so absurd wie simpel: Die Ersatzteile sind mehr wert als das intakte Flugzeug. Ein Grossteil der Dreamliner-Flotte ist mittlerweile zwölf Jahre alt und muss aufwendig gewartet werden. Gerade weil die Maschine kaum geflogen ist, sind ihre Komponenten praktisch neuwertig. Für Triebwerke, Fahrwerk und Elektronik finden sich leicht Käufer. Der Gesamtwert des Dreamliner-Ersatzteillager liegt bei über 50 Millionen Dollar. Allein die beiden Triebwerke bringen bis zu 20 Millionen Dollar ein.

Tödlicher Absturz in Indien

Immer wieder stand der Dreamliner aber auch in den Negativ-Schlagzeilen. Sie gipfelten am 12. Juni 2025 im ersten tödlichen Absturz einer Boeing 787-8. Die Maschine der Air India zerschellte in Ahmedabad (Indien), kurz nach dem Start in Richtung London. Beim Absturz über einem dicht besiedelten Wohngebiet haben fast 300 Menschen ihr Leben verloren. Vorläufige Untersuchungen deuteten auf eine Unterbrechung der Treibstoffzufuhr kurz nach dem Start hin, wobei auch menschliches Versagen oder Vorsatz im Cockpit als mögliche Ursachen geprüft wurden.

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