Lindt-VR wirft CEOs raus
Druck auf Präsidenten steigt –  wie lange hält sich Ernst Tanner noch?

Führungsbeben beim Schweizer Schokoladen-Hersteller: Der Verwaltungsrat von Lindt&Sprüngli zieht die Reissleine und wirft zwei wichtige CEOs raus. Der Druck auf Präsident Ernst Tanner ist gross – wann tritt er selbst ab?
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Lindt & Sprüngli hat das Filialnetz massiv ausgebaut.
Foto: imago/imagebroker

Darum gehts

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Adalbert Lechner (65) ist per sofort weg. Michal Spiller (48) muss Lindt & Sprüngli ebenfalls verlassen. Lechner war bis letzte Woche Konzernchef des Weltherstellers Schweizer Premium-Schokolade. Spiller verantwortete Deutschland, den wichtigsten europäischen Markt für das Kilchberger Traditionsunternehmen. Lechner gehörte 33 Jahre zu Lindt, Spiller 23 Jahre.

Jetzt übernimmt der 71-jährige Dieter Weisskopf ad interim das operative Konzernruder. Dass der ehemalige CEO und Verwaltungsrats-Vize von Lindt & Sprüngli entspringen muss, hat das VR-Gremium um Präsident Ernst Tanner (80) bestimmt und vor Börsenöffnung am Montag öffentlich gemacht.

«Mit den Preiserhöhungen übertrieben»

Wie kommts zum Führungsbeben beim Weltkonzern? Was bedeutet die Schoggi-Krise in Kilchberg ZH für die Goldhasen, Lindor-Kugeln und Dubai-Schoggi? Und was passiert mit der teuersten Aktie der Schweiz, deren Wert in den letzten Monaten gut 40'000 Franken verloren hat?

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Adalbert Lechner (l.) muss als CEO bei Lindt & Sprüngli gehen. Auch Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner steht unter Druck.
Foto: Walter Bieri

Warnsignale gab es zuhauf: Die Chefetage von Lindt & Sprüngli hat in diesem Jahr gleich zweimal die Umsatzziele nach unten korrigieren müssen. Gemäss aktuellen Zielen droht beim Wachstum gar eine Nullrunde. Jahrelang trug der Verwaltungsrat die Ansicht mit, dass der Konzern wachsende Kosten problemlos auf die Preise aufschlagen kann – und die Kundschaft dies dank der Premium-Positionierung schluckt. Doch dem ist nicht mehr so. «Das Unternehmen hat es mit den Preiserhöhungen übertrieben», sagt Raiffeisen-Anlagechef Matthias Geissbühler (51) zu Blick.

Analysten sehen Lechner als Bauernopfer

In den letzten Jahren sind die Preise über das Sortiment hinweg um 40 bis 50 Prozent gestiegen. Für viele Konsumenten – mehrheitlich ausserhalb der Schweiz – ist mittlerweile eine Grenze überschritten: Gerade im wichtigen europäischen Markt sind die Verkaufszahlen in diesem Jahr spürbar eingebrochen.

Lechners Blitzabgang überrascht deshalb kaum, und Weisskopf gilt als erfahrener Manager – jedoch mit einem Makel. Geissbühler: «Als Verwaltungsratsmitglied hat Weisskopf die bisherige Strategie mitgetragen. Deshalb bleibt der Befreiungsschlag an der Börse aus. Lechner ist nun das Bauernopfer, das gehen muss.»

Wackelt nun auch Tanners Thron?

Doch auch der mächtige Schoggi-König Ernst Tanner sass schon komfortabler auf seinem Thron: 32 Jahre ist er VR-Präsident, seit 2016 nicht mehr CEO. Er verhalf Lindt & Sprüngli zum globalen Premium-Riesen und schaffte damit die Grundlage für die teuerste Aktie der Schweiz, die im Sommer 2025 ihr Allzeithoch knapp 135'000 Franken erreichte. Doch die Stimmen werden lauter, dass er den Absprung auf dem Höhepunkt verpasst hat.

Immer mehr Analysten fordern eine Blutauffrischung. «Auch der Verwaltungsrat sollte einer Prüfung unterzogen werden», kommentiert die Bank Vontobel. Nach Einschätzung der Analysten hätte der Verwaltungsrat früher eingreifen müssen.

Weisskopf übernimmt als Chef auf Zeit bis im nächsten Frühsommer und steht vor einer delikaten Aufgabe: Nachdem die berühmten Goldhasen an Ostern bereits wie Blei in den Regalen lagen, setzte der Konzern punktuell auf Preissenkungen. Auch kleinere Verpackungsvarianten bekannter Produkte sollten die Einstiegshürden für die Konsumenten ohne Preissenkungen herabsetzen. «Zu stark kann man die Preise nicht senken, sonst geraten die Margen zusätzlich unter Druck, und die Kunden nehmen die Produkte nicht mehr als Premium wahr», weiss Geissbühler.

«Gell Adalbert, das ist doch so!»

Diese Episode zeigte, dass die Alarmglocken bereits vor dem Blitzabgang Lechners fest läuteten: Besorgte Aktionäre ergriffen an der Generalversammlung im April 2026 das Wort. Sie wollten mit Blick auf die Lindt-Ladenhüter in deutschen Supermärkten wissen, ob sich der Premium-Hersteller mit seinen Premium-Preisen nicht überschätzt habe. Präsident Tanner lächelte die Bedenken der Votanten weg und hielt die weltweite Strahlkraft der Marke Lindt & Sprüngli hoch. «Gell Adalbert, das ist doch so!», sagte Tanner immer wieder.

Damals sass Adalbert Lechner zu seiner Linken auf dem Podium – noch als CEO – und nickte beflissentlich. Das Aktionärs-Publikum applaudierte. Aus Erleichterung? Die Namensaktie von Lindt war da schon auf der Talfahrt. Seit der GV büsste der Aktienkurs weitere 20'000 Franken ein und notiert heute bei knapp 86'000 Franken.

Geissbühler geht davon aus, dass die Margen trotz des Führungswechsels in den nächsten Monaten weiterhin unter Druck stehen. Das liegt auch an den hohen Fixkosten der Premiumstrategie: So hat Lindt & Sprüngli in den letzten Jahren etwa das eigene Filialnetz massiv ausgebaut. Nun sollen die Kosten gesenkt werden. Das Skiweekend für Mitarbeitende zu streichen und die üppige Weihnachtsfeier abzublasen, reicht bei weitem nicht.

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