Erfolgsstory auf zwei Rädern
Die ganze Welt rollt auf diesem Schweizer Trotti

Der Micro-Scooter landete im Jahr 2000 einen Schweizer Welterfolg. Noch heute prägt die Firma dahinter die Mobilität mit kleinen Gefährten. Die Geschichte dahinter.
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Der Original-Micro-Scooter wiegt etwas weniger als drei Kilogramm, was ihn zu einem praktikablen Fortbewegungsmittel in der Stadt macht.
Foto: Keystone

Darum gehts

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Olivia Ruffiner
Handelszeitung

Die Geschichte beginnt mit einer Bratwurst. Als Wim Ouboter 1993 ins Zürcher Seefeld zog, entdeckte er den Sternen Grill am Bellevue. Der gute halbe Kilometer vom Arbeitsort zu seiner Lieblingswurst war ihm zu lang, um zu Fuss zu gehen, und zu kurz, um das Auto oder das Velo zu nehmen. Aus Teilen vom Schrottplatz und aus einem Eisenwarengeschäft bastelte er einen kleinen Roller aus Aluminium. «Eigentlich eine Furzidee», sagte er der «Schweizer Illustrierten».

Der daraus entwickelte Micro-Scooter wiegt knapp zwei Kilo, lässt sich mit drei Handgriffen zusammenklappen und einfach transportieren. Er braucht keinen Motor, keinen Akku, keine App. «Das Rad habe ich nicht neu erfunden. Aber das Trottinett», sagte Ouboter zur «Schweizer Familie». Aus der «Furzidee» wurde eine der unglaublichsten Schweizer Unternehmergeschichten.

Artikel aus der «Handelszeitung»

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Was der Elchtest damit zu tun hat

Bis zum Markterfolg seines Bratwurst-Beschaffungsgeräts brauchte Ouboter viel Hartnäckigkeit. 1997 handelte er einen Deal mit der Automarke Smart aus: Jeder neu verkaufte Kleinwagen sollte serienmässig einen Micro-Scooter im Kofferraum haben. Beide Produkte verfolgen das Konzept «Reduce to the max».

Als jedoch Ende 1997 der Smart-Mutterkonzern Mercedes mit der A-Klasse den Elchtest in Schweden nicht bestand, geriet das Management aufgrund des umgekippten Wagens in Panik. Das Smart-Konzept wurde massiv umgebaut, und das neue Management stornierte den Rollervertrag mit Ouboter ersatzlos.

Einen neuen Partner fand der schweizerisch-niederländische Entwickler schliesslich im US-Sportausrüster K2. Noch vor dem Micro-Scooter kam mit K2 als Partner das Kickboard – ein Holzbrett mit einem Rad hinten, zwei Rädern vorne und einer hüfthohen Stange mit Knauf – auf den Markt. Das war im Februar 1999 – nur drei Monate später folgte auch die Markteinführung des zweirädrigen Micro-Scooters. Ouboter brachte diesen nach dem geplatzten Smart-Deal auf eigene Faust zusammen mit dem taiwanesischen Velohersteller JD Cooperation zunächst nur in Japan auf den Markt. Das aber überaus erfolgreich: Allein im ersten Jahr verkaufte er fast eine Million Roller.

Der Erfinder Wim Ouboter mit dem Modell Micro Mini für Kleinkinder.
Foto: Keystone

Roller-Boom in den Nullerjahren

Was folgte, war ein Boom, der bis heute seinesgleichen sucht. Der Fabrikpartner erhöhte die Belegschaft innerhalb eines Jahres von 500 auf 15'000 Mitarbeitende und mietete zusätzliche Produktionshallen.

«Pro Tag haben wir 80'000 Scooter produziert», sagt Ouboter bei einem Telefonat mit der Handelszeitung. «Das sind zwanzig grosse Gütercontainer voller Trottis täglich. Sieben Tage die Woche.» Ein Jahr nach Markteinführung waren weltweit rund zehn Millionen Roller verkauft.

Trittbrettfahrer sind mit am Start

Der Erfolg hatte seinen Preis. Über dreihundert Fabriken kopierten den Roller, viele davon in China, wo Ouboter kaum rechtlichen Spielraum hatte. «Dort gilt Kopieren bloss als Kavaliersdelikt», sagte er in einem Interview mit der Handelszeitung im Jahr 2000. In Europa waren damals ein Dutzend Klagen hängig.

Der Markt war innert kürzester Zeit übersättigt, viele der chinesischen Firmen gingen Konkurs. Die Roller wurden teilweise für weniger als 10 Franken verkauft, der Original-Micro-Scooter mit einem Preis von rund 270 Franken je Roller konnte da nicht mithalten. Die Verkaufszahlen brachen dramatisch ein.

Das war vor zwanzig Jahren. Heute sagt Ouboter: «Das Einzige, was gegen Kopien hilft, ist Innovation.» Tatsächlich rettete er Micro Mobility Systems mit neuen Produkten wie dem Mini Micro für Kleinkinder, leuchtenden Rollen und alternativen Lenkerformen. Auch die Marke Chilli gehört zum Produktekatalog von Micro Mobility Systems. Ouboters Söhne verdienten ihr erstes Sackgeld damit, die Micro-Roller so umzurüsten, dass sie in Skateparks auf der Halfpipe erlaubt waren.

Daraus entstanden ist ein schwarzer Roller mit breitem Lenker und Neochromelementen, der besonders unter Pubertierenden Anklang findet. «Wir trennen Chilli klar von Micro ab, da sich Zwölfjährige auch von den Kinderrollern abheben möchten», sagt Ouboter.

Microlino: Angriff auf vier Rädern

Die Micro-Familie ist heute grösser denn je. Seit 2015 basteln Ouboter und seine Söhne Oliver und Merlin – dieselbe Konstellation wie beim Ur-Roller – in der Garage an einem anderen Projekt: dem Microlino.

Der Microlino hat eine Tür auf der Frontseite.
Foto: zVg

Das Elektroauto – eine Hommage an die BMW Isetta der 1950er-Jahre – öffnet sich durch die gesamte Frontpartie, wiegt 500 Kilogramm, fährt bis 90 km/h schnell und braucht nur einen Drittel der normalen Parkfläche. Seit 2022 rollt es in einer Fabrik in Turin vom Band. Unterdessen hat Ouboter laut eigenen Angaben rund 5000 Einheiten verkauft – gut 1500 davon in der Schweiz.

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