«Glauben Sie, Sie sind der Teufel höchstpersönlich?»
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Bannon interviewt Epstein 2019:«Glauben Sie, Sie sind der Teufel höchstpersönlich?»

Epstein verschickte Foto von Steve Bannon mit Børge Brende
Der Teufel, der Extremist und der WEF-Chef – was lief da wirklich?

Der Chef des Weltwirtschaftsforums, ein extremistischer Ideologe und ein verurteilter Sexualstraftäter treffen sich zum Dinner. Das klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes. Doch das Treffen fand statt – in Jeffrey Epsteins Wohnung in New York.
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«Sind Sie der Teufel?» – Steve Bannon (l.) interviewt Jeffrey Epstein kurz vor dessen Verhaftung.
Foto: AP

Darum gehts

  • In den Epstein-Files taucht ein Foto von WEF-Gegner Bannon mit WEF-Chef Brende auf
  • Epstein und Brende schmiedeten Pläne für ein neues WEF
  • Trump stellte in Davos seinen neuen «Friedensrat» auf
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Rolf CavalliChefredaktor Blick

Szene 1: Der Teufel und sein Spiegel

«Glauben Sie, Sie seien der Teufel?», fragt Steve Bannon (72). «Nein. Aber ich habe einen sehr guten Spiegel», antwortet Jeffrey Epstein (1953–2019).

Die Szene ist Teil eines bizarren Videos, entstanden 2019 kurz vor Epsteins Verhaftung und Tod. Bannon, Ex-Stratege von Donald Trump (79) und Vordenker der MAGA-Bewegung, versucht, den verurteilten Sexualstraftäter neu zu inszenieren: als Opfer, als missverstandenes Genie. Es bleibt beim Versuch.

Szene 2: Dinner bei Epstein – Brende, Bannon

Frühjahr 2018. Upper East Side, New York. In Epsteins Apartment speisen einflussreiche Männer. Am Tisch sind auch Bannon und Børge Brende (60), Präsident und CEO des WEF. Ein Foto zeigt Brende lächelnd neben Strippenzieher Bannon und dem norwegischen Diplomaten Rød-Larsen.

Epstein hatte Bannon ausdrücklich eingeladen – mit dem Hinweis, dass auch der neue WEF-Chef komme. Nach dem Abend verschickt er das Bild und schreibt, man sei «beeindruckt von Brende». Brende bedankt sich per SMS für das «interessante Dinner».

Dieses brisante Treffen spielte in der bisherigen Aufarbeitung von Brendes Epstein-Kontakten kaum eine Rolle.

Brende begegnet Bannon also bei Epstein. Ausgerechnet Bannon, der als erklärter Nationalist das WEF verachtet. Die «Party von Davos», wie er sie nennt, steht für alles, was er bekämpft: Dialog, globale Eliten, offene Märkte, internationale Institutionen.

Szene 3: Epstein und Brende über ein neues WEF

Einige Monate nach dem Dinner tauschen sich Epstein und Brende über eine neue Rolle des WEF aus.

16. September 2018, Epstein schreibt Brende: «Davos kann die Uno wirklich ersetzen. Cyber, Krypto, Genetik ... internationale Koordination (...).»
Brende antwortet: «Genau – wir brauchen eine neue globale Architektur. Das World Economic Forum (Davos) ist einzigartig positioniert – öffentlich-privat».
Zum Schluss schreibt Brende: «:-) Vertrauen Sie mir».
Epstein antwortet: «Das tu ich, 100%:)».

Szene 4: Trump und der «Friedensrat»

Januar 2026. Trump ist erneut US-Präsident. In Davos ruft er auf der WEF-Bühne einen «Friedensrat» aus. Er setzt sich selbst an die Spitze – auf Lebenszeit. Beobachter sprechen von dem Versuch, eine eigene Uno zu schaffen.

Der Vorgang sorgt bei vielen für Fassungslosigkeit. Auch im WEF. Ein hochrangiger Insider der Stiftung sagt zu Blick: Er halte nichts von Verschwörungstheorien. Aber mit dem Foto von Bannon und Brende, den veröffentlichten Epstein-Mails und dieser Trump-Show frage er sich: Was läuft hier – und seit wann?

Untersuchung entscheidet über Brendes Schicksal

Im Sinne von WEF-Gründer Klaus Schwab (87) ist das nicht. Schwab hatte Trump zwar nach Davos geholt. Von Bannon oder Epstein hielt er sich aber konsequent fern.

Umso empörter reagiert der inzwischen entmachtete Schwab auf Brende. Dieser erklärte nach der Veröffentlichung der Epstein-Files, er habe seinen damaligen Vorgesetzten Schwab 2019 über die Kontakte informiert.

Schwab widersprach letzte Woche gegenüber Blick: «Daran hätte ich mich erinnert. Ich hätte das niemals gutgeheissen.» Er droht Brende mit rechtlichen Schritten.

Eine externe Untersuchung läuft. Brende begrüsst sie. Die Kontakte hätten sich – abgesehen von einigen Nachrichten – auf drei Treffen beschränkt. Hätte er von Epsteins Verbrechen gewusst, sagt er, hätte er ihn nie getroffen. Heute nennt er Epstein «ein Monster».

Was Brende von Bannon hält, ist nicht bekannt. Bis zum Abschluss der Untersuchung schweigen er und das WEF.

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