Coop sortiert Insekten-Produkte aus
Von wegen «Superfood»: Der Ekelreflex ist stärker als die Neugier

Grillen-Riegel, Mehlwurm-Burger, Heuschrecken-Snacks: Was 2017 als Ernährungsrevolution begann, scheiterte an einem starken Hindernis – dem Ekel-Reflex.
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Heuschrecken schrecken Schweizer Konsumenten ab: Das Geschäft mit essbaren Insekten läuft nicht.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Wegen fehlender Nachfrage: Coop stoppt den Verkauf von Insekten-Lebensmitteln
  • Migros warf Insekten-Produkte bereits 2022 aus dem Sortiment
  • Geringe Produktionskosten und Vorteile für die Umwelt, aber fehlende Nachfrage
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Lino SchaerenRedaktor

Insekten auf dem Speiseplan – in Asien ist das so normal wie Spaghetti oder Rösti hierzulande. Als der Bund 2017 Mehlwürmer, Wanderheuschrecken und Grillen als Nahrungsmittel zuliess, wollten es auch die Schweizer plötzlich wissen. Krabbeltiere als «Superfood der Zukunft», die Überwindung von Ekelgefühlen als Volkssport: ETH- und HSG-Start-ups begannen mit der Zucht, Coop und Migros mit dem Verkauf – und alle glaubten, die Ernährungswende sei zum Greifen nah. Menüs auf sechs Beinen sollten die Ernährung revolutionieren. Doch die Revolution auf dem Teller blieb aus.

Rasch zeigte sich: Für essbare Insekten existierte praktisch keine anhaltende Nachfrage. Die Migros, die in ihrer Klubschule sogar Insekten-Kochkurse angeboten hatte, zog die Produkte bereits 2022 zurück. Vier Jahre später folgt nun Coop als letzter Detailhändler, der an der Idee des vermeintlichen «Superfoods» festgehalten hatte: Der Lagerbestand werde noch verkauft, dann sei Schluss, bestätigt das Unternehmen auf Anfrage.

Das Verschwinden der Produzenten

Coop hatte zuletzt noch Mehlwurm-Burger, Energieriegel aus Grillenpulver und getrocknete Heuschrecken im Sortiment – hielt lange daran fest: mit dem Verweis auf stabile Nischenverkäufe. Doch die Nachfrage sei zuletzt von einem ohnehin tiefen Niveau weiter gesunken, heisst es nun.

Für die verbleibenden Schweizer Insekten-Start-ups ist der Ausstieg von Coop ein schwerer Schlag. Viele haben seit der Lancierung 2017 fusioniert oder sind bereits verschwunden. Präsent war zuletzt vor allem noch Essento. Das Zürcher Unternehmen produzierte Burger, Balls und Snacks, anfangs aus Schweizer Zucht – doch als die heimischen Produzenten wegbrachen, importierte man die Kriech- und Krabbeltiere zunehmend aus der EU.

Die Form der Produkte war kein Zufall: Mit Burgern und Balls aus Mehlwurmmehl versuchten die Hersteller, im Markt der sogenannten Fleischalternativen Fuss zu fassen. Zielgruppe waren Flexitarier: Menschen, die nicht auf Fleisch verzichten, sich aber umweltbewusst ernähren wollen. Das Insekten-Food wurde nicht nur als gesund und nahrhaft angepriesen, sondern auch als besonders ressourcenschonend; die Zucht verbrauche wenig Wasser und Futter.

Städtische Verbraucher im Visier

Zielpublikum waren vor allem Konsumenten in der Stadt, die ihren ökologischen Fussabdruck reduzieren wollen. Detailhändler bestätigten bald, dass sich die neuen Produkte vor allem dort verkauften.

Doch nun ist auch das vorbei. Das Marketing mit Nachhaltigkeits- oder Fleischersatz-Argumenten überzeugte zwar kurzfristig – doch gegen eine derzeit offenbar unüberwindbare psychologische Hürde half kein noch so zeitgemässes Narrativ: Der Ekelreflex der Schweizer Konsumenten erwies sich als stärker.

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