Darum gehts
- 41 Prozent der untersuchten Geschäfte werden von ChatGPT und Co. nie empfohlen
- Die KI-Assistenten bevorzugen grosse Namen wie Migros, Coop oder den TCS
- Gute Google-Bewertungen und Einträge auf anderen Websites erhöhen die Chancen auf eine KI-Empfehlung
Wer einen neuen Coiffeur sucht, das Auto in die Garage bringen muss oder einen Termin beim Zahnarzt vereinbaren will, greift immer häufiger zu künstlicher Intelligenz (KI). Statt sich durch unzählige Google-Ergebnisse zu klicken, fragt man einfach ChatGPT oder einen anderen KI-Assistenten. Dieser liefert in Sekunden eine Auswahl passender Geschäfte. Doch nicht alle haben dabei die gleichen Chancen, wie eine neue Studie des Schweizer Software-Anbieters Quaryan zeigt.
Dieser hat sich angeschaut, wie KI kleinere Schweizer Geschäfte in ihre Antworten integriert. Dafür wurden vier KI-Chatbots – ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity – 1728 Alltagsfragen gestellt. Die Antworten hat Quaryan mit 276 ausgewählten Betrieben aus sechs Branchen abgeglichen. Untersucht wurden Bäckereien, Coiffeure, Garagen, Zahnarztpraxen, Tierärzte und Sanitärbetriebe.
KI-Bots bevorzugen grosse Marken und Ketten
Die Ergebnisse sind gerade für lokale Geschäfte ernüchternd: 114 der 276 untersuchten Geschäfte wurden von der KI kein einziges Mal genannt. Das entspricht 41 Prozent. Nur 33 Betriebe oder gerade einmal 12 Prozent tauchten bei allen vier KI-Assistenten auf. Über die Hälfte der Antworten enthielt überhaupt keines der untersuchten Geschäfte. Stattdessen empfahlen die Bots grosse Namen und Ketten wie Migros, Coop oder den TCS.
Auffällig: Zwischen den KI-Assistenten gibt es enorme Unterschiede. Am meisten empfahl Googles Gemini kleinere Betriebe. Dahinter folgen Claude und ChatGPT. Deutliches Schlusslicht ist Perplexity.
Gewerbeverband sieht keinen Grund zur Sorge
Wie dramatisch sind die Studienergebnisse? Der Schweizerische Gewerbeverband gibt Entwarnung: «Die Zahlen sind interessant, aber kein Grund zur Beunruhigung», sagt Digitalexperte Mikael Huber. Die KI-Suche sei noch jung, und die Erhebung stamme von einem Anbieter, der selbst entsprechende Marketinglösungen verkauft. Für kleine Geschäfte seien vor allem persönliche Empfehlungen entscheidend. Dennoch wolle man die Entwicklung beim SGV im Auge behalten.
Aber was können Gewerbler tun, um in der KI-Schwemme nicht unterzugehen? Besonders wichtig ist laut Studie, dass ein Betrieb nicht nur auf seiner eigenen Website präsent ist, sondern auch anderswo im Netz.
Geschäfte mit vergleichsweise vielen Google-Bewertungen wurden 1,7-mal so häufig genannt wie solche mit weniger Bewertungen. Noch grösser war der Unterschied bei Betrieben, die auf Websites vertreten sind, die die KI-Assistenten als Quellen nutzen. Sie tauchten 2,1-mal so häufig in den Antworten auf. Eine wichtige Rolle spielt local.ch. Auf das Schweizer Branchenverzeichnis greifen die KI-Bots besonders gern zurück.
Für lokale Betriebe heisst das: Wer von KI-Assistenten empfohlen werden will, sollte nicht nur seine eigene Website pflegen, sondern auch auf Bewertungen und Einträge in Branchenverzeichnissen achten.