Chair-Zwischenfall in Kloten
«Wir mussten stundenlang ausharren – ohne Wasser und Essen»

Wegen eines technischen Problems kann am Samstag ein Airbus A320 der Chair nicht starten. Die Passagiere müssen über drei Stunden im Flugzeug warten – ohne Verpflegung. Sie klagen über schlechte Luft. Einige stehen kurz vor dem Kollaps. Die Airline entschuldigt sich.
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Mit einem Chair-Flug nach Pristina gabs am Samstag gröbere Verspätungen.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Flug CS 602 nach Kosovo startete am 2. Mai erst um 22.12 Uhr
  • Passagiere warteten über drei Stunden ohne Wasser oder Verpflegung
  • Chair-Airline bestätigt technische Probleme, Ersatzflugzeug und neue Crew organisiert

Adelina S.* (33) und ihre Tochter Luana* (2) müssen kurzfristig in den Kosovo fliegen. Aus traurigem Anlass: Der Vater von S. ist schwer krebskrank und liegt im Sterben. Sie will ihn noch einmal lebend sehen und Abschied nehmen. Kurz: Die Zeit drängt. Doch die Nerven von S. werden zusätzlich strapaziert. Bis sie mit einer Maschine der Fluggesellschaft Chair am Samstag endlich in Richtung Balkan abhebt, vergehen Stunden.

Der Start von Flug CS 602 ist für 16.55 Uhr vorgesehen. Doch erst um 22.12 Uhr startet die Maschine. «Über drei Stunden mussten wir in der Kabine ausharren», sagt Adelina S. zu Blick. «Ohne Verpflegung, nicht einmal Wasser wurde uns angeboten!» Es hätten sich auch viele Kleinkinder und Babys im Flugzeug befunden. «Die Luft wurde immer dünner. Viele Passagiere standen wegen Sauerstoffmangel kurz vor dem Kollaps», sagt sie.

«Die Crew hat nicht reagiert»

Die Passagierin erhebt schwere Vorwürfe gegen die Airline. «Die Crew hat nicht auf diese Missstände reagiert», sagt sie. Eine derart miese Kommunikation habe sie noch nie erlebt. «Wo bleibt da die Kundenorientierung?», fragt sie sich genervt.

Was war da los? Blick fragt bei Chair am Hauptsitz in Glattbrugg ZH nach. Dort bestätigt man den Vorfall. «Während des Rollvorgangs kam es zu einem technischen Problem», sagt ein Sprecher. Das Flugzeug musste zurück auf die Parkposition. «Nach einer genauen Prüfung konnte es für den geplanten Flug nicht mehr eingesetzt werden.» Chair organisierte eine Ersatzmaschine.

Auch eine neue Besatzung wurde nötig. Denn: «Die ursprünglich eingesetzte Crew durfte aufgrund der gesetzlich geregelten Einsatzzeiten den Flug nicht mehr durchführen», erklärt der Sprecher. Und entschuldigt sich: «Wir bedauern die entstandene Verspätung und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten für unsere Passagiere sehr.»

«Kein Risiko für die Passagiere»

Er betont, dass die Sicherheit von Passagieren und Crew jederzeit oberste Priorität habe. «Zu keinem Zeitpunkt bestand ein Risiko für die Gesundheit der Passagiere, insbesondere auch nicht in Bezug auf die Luftversorgung an Bord.» Das Flugzeug sei während der gesamten Zeit mit Frischluft versorgt worden. «Auch die Temperatur an Bord wurde konstant gehalten», kontert der Sprecher die Vorwürfe.

Die Passagiere seien durch den Captain an Bord über die Situation informiert worden. Und zwar «sowohl über Borddurchsagen als auch persönlich». Und zum fehlenden Wasser: «Wir bedauern sehr, wenn die Betreuung der Passagiere im konkreten Fall nicht im gewünschten Umfang erfolgt ist.» Man nehme die Rückmeldungen sehr ernst und habe interne Abklärungen eingeleitet.

* Namen geändert. 

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