Darum gehts
- Campingferien seit Corona-Pandemie besonders beliebt
- Nomady meldet 45 Prozent mehr Buchungen
- Campnow bietet digitale Übersicht für Stellplätze
Die grossen Reisekoffer müssen auf dem Dachboden bleiben. Stattdessen werden Schlafsäcke ausgerollt, Kühlboxen gefüllt und Wohnmobile aus der Garage geholt. Ferien auf dem Campingplatz statt All-inclusive-Urlaub, der Reissverschluss des Zelts als Ersatz für die Zimmerkarte.
Camping boomte während der Corona-Krise, als Reisen in ferne Länder verwehrt waren. Stattdessen zog es die Schweizer hinaus in die Natur – Campingplätze erlebten einen enormen Aufschwung. 2021 zählte der Touring Club Schweiz (TCS) über 1 Million Nächte, in denen Plätze unter freiem Himmel das klassische Hotelzimmer ersetzten.
Ein Boom, der nie richtig abgeflaut ist. «Campingferien sind längst kein Trend mehr, sondern fest in der Schweizer Ferienkultur verankert», erklärt TCS-Sprecherin Vanessa Flack auf Anfrage von Blick. Dies zeigen auch die Zahlen der aktuellen Saison: «Die Nachfrage war bereits im Frühling aufgrund der warmen Wetterperiode sehr hoch, die Buchungen lagen dort bereits 14 Prozent über dem Vorjahr», erklärt Flack.
Auch Nomady, eine Buchungsplattform für Van-Stellplätze, Zeltplätze und Hütten auf Privatgrund, quasi ein Airbnb für Camper, verzeichnet in diesem Jahr bereits ein Buchungswachstum, wie Sprecher Jannis Hiller gegenüber Blick sagt: «Wir konnten bis inklusive Juni ein Buchungswachstum von 20 Prozent verzeichnen. Im Juli sind wir bereits bei einem Plus von 45 Prozent.»
Zu den Top-Reiseregionen zählt bei den Kunden von Nomady Bern mit dem Thunersee und Luzern mit dem Vierwaldstättersee. Stellplätze an Seen und Flüssen sind traditionell häufig früh ausgebucht, während es an freien Stellplätzen in den überhitzten Städten nicht mangelt. Auch hoch oben in den kühleren Alpen lassen sich häufig noch freie Plätze finden.
Camper zieht es vermehrt in die Berge oder in den Norden
Vor allem Standorte in den Bergen und im Norden sind laut TCS aufgrund der Klimaerwärmung immer gefragter. Den Trend von Campingreisen in den Norden bestätigt auch Sonja Ptassek, Sprecherin des Reiseanbieters Tui Schweiz. Campingreisen nach Nordeuropa und Schottland sind bei den Kunden von Tui hoch im Kurs.
Bei Campern, die es noch weiter in die Ferne zieht, «ist vor allem der Westen Nordamerikas sehr beliebt. Besonders Kanada erfreut sich in den letzten Jahren grosser Beliebtheit».
Neben Reisen in kühlere Regionen zeichnet sich noch ein weiterer Trend ab. So beobachtet Jannis Hiller von Nomady, «dass die Reisenden ein individuelles und naturnahes Angebot immer stärker schätzen». Die Mischung aus Luxus und einem Ort, der entschleunigt, wird bei Campern immer beliebter. Diese Erkenntnis teilt auch der TCS: «Gäste legen bei der Buchung immer mehr Wert auf Komfort und Privatsphäre.» Luxuriöse Stellplätze und Glamping werden laut Flack in der Zukunft weiter wachsen.
Digitalisierung sorgt für neue Möglichkeiten
Die Digitalisierung geht auch an der Campingbranche nicht spurlos vorbei. Mit Campnow ging Anfang Juli eine Plattform an den Start, die eine digitale Übersicht über freie Stellplätze in der Schweiz bietet.
Damit soll Campern mehr Flexibilität geboten und Kurzentschlossenen die Suche nach freien Stellplätzen erleichtert werden. Zum Launch der Plattform sind 10 Campingplätze aus dem Engadin auf der Plattform vertreten, und auch der TCS, der selbst 32 Campingplätze in der Schweiz betreibt, ist Partner der Plattform.
Plattformen wie Campnow und Nomady erleichtern allerdings nicht nur die Reiseplanung für Camper, sie sorgen gleichzeitig auch für eine erhöhte Sichtbarkeit der Anbieter. Wodurch auch in Zukunft weiter Schlafsäcke ausgerollt und die Wohnmobile aus der Garage gefahren werden können.