Darum gehts
- Chinesische Autohersteller drängen mit günstigen E-Autos auf den europäischen Markt
- Technologien wie Cell-to-Chassis senken Produktionskosten um bis zu 1800 Dollar
- E-Autos wurden seit 2024 um 14 Prozent oder 4414 Euro günstiger
Chinesische Autohersteller blasen zum Grossangriff auf Europa! Sie wollen nichts mehr, als alteingesessene europäische Autohersteller zu verdrängen. Und sie sind gekommen, um zu bleiben. Das tun die Chinesen auch selbstbewusst kund. Wie zuletzt Ferdinando D'Apice, der neue Chef von BYD Schweiz. Er sagt: «Wir wollen in der Schweiz in die Top 3!» Und macht kein Geheimnis darum, wer die grössten Gegner sind: VW, Mercedes und BMW.
BYD, Leapmotor, MG und Co. fluten den Markt mit immer neuen Modellen. Und die haben allesamt attraktive Preise. «In den letzten 27 Monaten sind Elektroautos um 4414 Euro oder 14 Prozent preiswerter geworden», sagt der deutsche Autopapst Ferdinand Dudenhöffer (75). Europäische Anbieter verlieren den Anschluss. Volkswagen etwa steckt in der grössten Krise der Geschichte. Zuletzt standen die Wolfsburger mehr mit Massenentlassungen und Werksschliessungen in den Schlagzeilen als mit neuen Modellen.
Cell-to-Chassis senkt die Kosten
Aber was ist das Geheimnis hinter den günstigen Preisen? Wie schaffen das die Chinesen? Sicher auch mit tiefen Löhnen und fleissigen Angestellten – aber nicht nur. Ein entscheidender Kostenvorteil chinesischer Hersteller steckt in der Produktion selbst. Sie bauen Autos anders als VW, Stellantis oder Mercedes. Und sparen damit Tausende Franken pro Fahrzeug, wie die «Wirtschaftswoche» berichtet.
Die Schlüsseltechnologie heisst Cell-to-Chassis. Dabei sitzt die Batterie beim Elektroauto nicht mehr als zusätzliche Box unter dem Fahrzeug. Ihr Gehäuse wird selbst Teil der tragenden Fahrzeugstruktur und ersetzt Teile des Bodens. Das bedeutet: weniger Bauteile, weniger Gewicht und weniger Arbeitsschritte. So spart man Geld. Experten rechnen laut «Wirtschaftswoche» allein dadurch mit 1200 bis 1800 Dollar weniger Produktionskosten pro Auto.
VW bestellt Maschinen in Uzwil SG
Noch mehr Geld lässt sich bei der Karosserie sparen. Beim sogenannten Gigacasting werden riesige Teile des Autos in einem Stück aus Aluminium gegossen. Gewaltige Pressen mit Tausenden Tonnen Schliesskraft ersetzen zahlreiche einzelne Blechteile. Dadurch fallen auch Tausende Schweisspunkte weg. Branchenschätzungen gehen bei der Karosserie von 30 bis 50 Prozent tieferen Kosten aus. Bei Tesla soll der Vorteil rund 1500 Dollar pro Fahrzeug betragen.
Während in Deutschland lange über Nachteile wie schwierige Reparaturen diskutiert wurde, haben chinesische Hersteller Fakten geschaffen. BYD, Chery, Xiaomi, Xpeng und Nio setzen Gigacasting bereits ein. Leapmotor führte Cell-to-Chassis schon 2022 ein. Nun reagieren auch die Europäer. Volkswagen hat laut seinem Sanierungsplan 9000-Tonnen-Gigapressen beim Maschinenbauer Bühler aus Uzwil SG bestellt. Ausgerechnet europäische Firmen gehören nämlich zu den wichtigsten Herstellern solcher Anlagen. Autoexperte Dudenhöffer erwartet, dass sich Cell-to-Chassis mittelfristig in der gesamten Branche durchsetzen wird.