Das steht im Bericht der PUK zum Aus der Credit Suisse
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Untersuchung vom 2024:Das steht im Bericht der PUK zum Aus der Credit Suisse

Brisantes Schreiben an UBS-Mitarbeiter – Ermotti spricht Klartext zu CS-Untergang
«Angstmacherei» in Bundesbern!

Drei Jahre nach der Rettung der Credit Suisse meldet sich UBS-Chef Sergio Ermotti zu Wort. Intern an seine Mitarbeitenden – und extern auf Linkedin. Klar. Und ungewohnt direkt. Ermottis Botschaft: Wir haben geliefert. Und jetzt droht die Politik zu übersteuern.
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Sergio Ermotti spart nicht mit Pathos: Die Rettung der Credit Suisse sei einer der schwierigsten Momente der modernen Schweizer Finanzgeschichte gewesen, schreibt er in einem internen Mail.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Vor drei Jahren rettete die Schweiz die Credit Suisse vor dem Kollaps
  • Sergio Ermotti kritisiert geplante strengere Kapitalregeln als übertrieben und wachstumshemmend
  • Mitte April entscheidet der Bundesrat über verschärfte Vorschriften für die UBS
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Vor exakt drei Jahren blickten die Schweiz und die Finanzwelt tief in den Abgrund. Die Credit Suisse – damals eine der dreissig grössten Banken der Welt – war nicht mehr überlebensfähig, es drohte eine internationale Finanzkrise. Erst das beherzte Eingreifen von Bund, Nationalbank und UBS ermöglichten am Abend des 19. März, die sich anbahnende Katastrophe abzuwenden.

In einer internen Mitteilung zum Jahrestag der CS-Übernahme blickt Sergio Ermotti (65) zurück – und gleichzeitig frontal nach vorn. Die Integration sei ein Kraftakt gewesen, «alles andere als selbstverständlich», schreibt er in der Mail an die Mitarbeitenden und auch in einem LinkedIn-Post. Was im März 2023 als akute Systemkrise begann, sei heute operativ weitgehend abgeschlossen. Mit der Migration der letzten Schweizer Kunden sei ein zentrales Kapitel geschlossen.

Ermotti spart nicht mit Pathos – aber gezielt. Die Rettung der Credit Suisse sei einer der schwierigsten Momente der modernen Schweizer Finanzgeschichte gewesen. Dass die Schweiz diese Krise gemeistert habe, schreibt er einem Zusammenspiel aus Staat, Behörden und UBS zu. Das Land habe «entschlossen und verantwortungsvoll» gehandelt. Die UBS sei Teil der Lösung gewesen – und habe geholfen, den internationalen Ruf zu stabilisieren.

Ermottis Schreiben im Original.
Foto: Screenshot Blick

Doch auch wenn das Mail an seine Mitarbeitenden geschrieben ist: Der eigentliche Adressat von Ermottis Botschaft sitzt nicht in der Bank, sondern in Bundesbern. Dort läuft die Debatte über strengere Kapitalregeln – vorangetrieben von Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62). Für Ermotti ist klar: Reformen ja. Aber nicht um jeden Preis.

Zu viel Angst, zu wenig Fakten

«Die aktuelle Debatte ist zu stark von Risiken und Angstmacherei geprägt und zu wenig von Fakten», schreibt Ermotti. Statt kühler Analyse dominiere ein sicherheitspolitischer Reflex. Seine Forderung: mehr Nüchternheit. «Selbstreflexion und Mut – nicht Angst.»

Ermotti plädiert für gezielte Eingriffe statt pauschaler Verschärfungen. Neue Regeln müssten ausgewogen sein. Stabilität stärken, ohne Wachstum abzuwürgen. Und vor allem: international abgestimmt bleiben. Nationale Alleingänge – die berüchtigten «Swiss Finishes» – lehnt er klar ab. Sie verursachten Kosten ohne echten Mehrwert.

Besonders betont er die Folgen für die Realwirtschaft. Höhere Kapitalanforderungen träfen nicht nur Banken. Sondern direkt die Kunden. Kredite würden teurer. Hypotheken ebenso. Gerade für KMU werde Finanzierung schwieriger. Finanzstabilität sei kein abstraktes Konzept – sondern spürbar im Alltag.

Mehr Regeln lösen das Problem nicht

Ermottis Analyse der CS-Krise fällt nüchtern aus – und politisch brisant. Das Problem sei nicht fehlende Regulierung gewesen. Sondern das Versagen, bekannte Schwächen rechtzeitig zu korrigieren. Managementfehler, regulatorische Ausnahmen und mangelnde Kommunikation hätten das Vertrauen zerstört. Für Ermotti ist das die zentrale Lehre: Mehr Regeln allein lösen das Problem nicht.

Entsprechend warnt er vor Überreaktionen. Massnahmen, die kurzfristig Sicherheit suggerieren, könnten langfristig den Finanzplatz schwächen. Wettbewerbsfähigkeit sei kein Nebenthema, sondern Teil der Stabilität. Denn der Finanzsektor ist für ihn mehr als eine Branche. Er ist ein wirtschaftlicher Pfeiler. Arbeitgeber. Steuerzahler. Kreditgeber. Wer hier dreht, dreht am ganzen System.

Am Ende steht ein Appell – intern formuliert, aber klar nach aussen gerichtet. Die Schweiz müsse die Balance finden. Zwischen Sicherheit und Offenheit. Zwischen Regulierung und Realität. Und: «Die UBS soll nicht für ihr bewährtes, erfolgreiches und nachhaltiges Geschäftsmodell bestraft werden.»

Jetzt ist der Bundesrat am Ball

Das Seilziehen um die Bankenregulierung ist damit endgültig in der heissen Phase angelangt. Jetzt ist der Ball beim Bundesrat. Dieser wird nach Informationen von Blick Mitte April über den Antrag von Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62) diskutieren und entscheiden. Dabei sollen die Daumenschrauben für die UBS stärker angezogen werden, als Ermotti lieb ist.

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