Darum gehts
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Künstliche Intelligenz (KI) hat die Stellensuche grundlegend verändert. ChatGPT, Gemini, Claude und Co. formulieren ruckzuck das passende Motivationsschreiben und polieren den Lebenslauf auf Hochglanz. Auf den ersten Blick ein Segen für alle Stellensuchenden.
Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn KI macht es den Kandidatinnen und Kandidaten schwer, aus der Flut an austauschbaren und glatt gebügelten Texten herauszustechen. Zudem drohen kapitale Stolpersteine, die einer Bewerbung den Stecker ziehen können.
Blick hat Rekrutierungs-Profis gefragt, was sie Stellensuchenden im Umgang mit KI raten.
Die häufigsten Fallen
Der grösste Fehler im Umgang mit KI ist, generierte Texte vollständig und unkritisch zu übernehmen. Die Recruiterinnen und Recruiter beim Personaldienstleister Adecco kennen das Phänomen. Zwar wirken solche Unterlagen im ersten Moment professionell. Sie seien in der Regel aber zu wenig auf das angeschriebene Unternehmen abgestimmt. HR-Profis merken, wenn die Unterlagen ohne Anpassung an jede x-beliebige Firma geschickt werden könnten.
Headhunter Marc Koller (44) von Hunter Personal verweist darauf, dass ein Motivationsschreiben überhaupt nur dann sinnvoll ist, wenn es die Persönlichkeit des Bewerbers zeigt. «Teilweise sind die Schreiben so unpersönlich, dass wir sie gar nicht mehr lesen.» Einige HR-Experten bezeichnen das Begleitschreiben deshalb bereits als tot. Eine Umfrage des Software-Anbieters HR-ON zeigt, dass sich Personalverantwortliche heutzutage primär dem Lebenslauf widmen. Das Bewerbungsschreiben ist höchstens noch eine Ergänzung.
Doch auch beim Lebenslauf lauern KI-Fallen: Die Tools neigen dazu, Kompetenzen und Erfahrungen in ein zu gutes Licht zu stellen. Im Vorstellungsgespräch würden solche Übertreibungen oft rasch auffliegen, teilt Adecco mit. Geht etwas nicht auf, leidet darunter die Glaubwürdigkeit.
Wissen, was wirklich drinsteht: Formulierungen im Arbeitszeugnis können versteckte Botschaften enthalten, die über Ihre berufliche Zukunft entscheiden. Der Beobachter deckt auf, was zwischen den Zeilen steht, und gibt Ihnen die Sicherheit für Ihren nächsten Schritt.
Wissen, was wirklich drinsteht: Formulierungen im Arbeitszeugnis können versteckte Botschaften enthalten, die über Ihre berufliche Zukunft entscheiden. Der Beobachter deckt auf, was zwischen den Zeilen steht, und gibt Ihnen die Sicherheit für Ihren nächsten Schritt.
Hier kann KI unterstützen
Heisst das, KI-Unterstützung ist tabu beim Bewerben? Keinesfalls. «Nicht die Nutzung von KI an sich ist das Problem, sondern der Umgang damit», heisst es bei Adecco. Die angefragten HR-Fachleute sind sich einig: KI soll genutzt werden – aber gezielt.
Dabei kann künstliche Intelligenz sinnvoll unterstützen:
- Analysieren des Stelleninserats: Die KI filtert, welche Fähigkeiten und Anforderungen dem Unternehmen besonders wichtig sind.
- Nachforschungen zum Unternehmen: Wer ist der potenzielle Arbeitgeber, was macht ihn aus, in welchen Feldern ist er tätig? Aber aufgepasst: Laut HR-Spezialisten kommt es vor, dass Bewerbende mit halluzinierten «Fakten» über eine Firma beim Bewerbungsgespräch auftauchen. Ein No-Go.
- Strukturierung von Gedanken: Die KI bringt Gedanken, Anliegen und Lebenslauf in eine logische Reihenfolge und verknüpft alles mit den Anforderungen aus dem Stelleninserat.
- Formulieren und Rechtschreibung: KI soll nicht alles ausformulieren, kann aber punktuell helfen, komplexe Inhalte verständlich auszudrücken. Punkto Rechtschreibung gehen die Meinungen auseinander. Einige Fachleute finden es schon fast charmant, wenn nicht jedes Komma perfekt sitzt. Andere sehen darin dagegen den Beweis, dass der Bewerber nicht einmal die grundlegendsten Funktionen von KI beherrscht.
- Vorbereitung auf ein Gespräch: KI kann nicht nur Fragen stellen, die im Gespräch vorkommen könnten. Sie kann auch gleich mögliche Antworten vorschlagen. «Das erweist sich gerade für Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre Gedanken auf den Punkt zu bringen, als vorteilhaft», schreibt Dominik Roth, Headhunter beim Personalberater Mercuri Urval, in einem Blog zum Thema.
So sticht das Dossier heraus
Was schon vor KI gegolten habe, sei letztlich auch im KI-Zeitalter das Erfolgsrezept, so die Adecco-Fachleute: Anstatt sich hinter allgemeinen Floskeln wie «teamfähig», «motiviert» und «lösungsorientiert» zu verstecken, sollten Bewerbende ihre Fähigkeiten anhand von konkreten Erfahrungen und messbaren Resultaten belegen. Genau diese Praxisbeispiele kann eine künstliche Intelligenz nicht beisteuern.
Die Spezialisten des World Economic Forum (WEF) sagen zudem die Rückkehr der persönlichen Empfehlung voraus: Das Bewerbungsdossier insgesamt könnte wegen KI an Bedeutung verlieren – und dafür das Empfehlungsschreiben wichtiger werden. «Da Bewerbungen immer schwerer voneinander zu unterscheiden sind, könnte es bald wichtiger sein, wen man kennt, als wie gut man promptet.»