Aufwendige Kakao-Bestäubung
Handarbeit ersetzt Mückenschwärme

Die Handbestäubung von Kakaoblüten steigert den Ertrag. Die Methode hilft, das zusehende Fehlen von Insekten zu kompensieren. Kritiker sehen aber Gefahren.
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Die Kakaoernte ist harte Arbeit.
Foto: AFP via Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Handbestäubung von Kakao-Blüten in Ghana steigert Erträge deutlich
  • Schweizer NGOs kritisieren Pestizideinsatz und Gefahr von Kinderarbeit
  • Lindt & Sprüngli bezieht laut eigenen Angaben ausschliesslich zertifizierten Kakao
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Andreas SchmidInlandredaktor

Für die Schokoladenverkäufer sind die Schoggihasen ein sicherer Wert. Nach wie vor zieren diese jedes Osternest, und mit stets originelleren Formen und Abwandlungen locken die Hersteller die Käuferschaft.

Dass der Schokoladenproduktion eine intensive Pflege von Plantagen, eine aufwendige Ernte und ein langer Transport des Kakaos vorangehen, ist wenig präsent. Doch die Bewirtschaftung der Kakaobäume gibt immer wieder Anlass zu Kritik. Wegen des Einsatzes von schädlichen Pestiziden, weil teilweise Jugendliche und Kinder in den Plantagen arbeiten oder weil die Kakaobauern keinen angemessenen Preis für den Rohstoff erhielten.

Höherer Ertrag

Skeptisch beobachtet die Koalition für Konzernverantwortung – sie strebt mit einer Initiative im zweiten Anlauf international verbindliche Umweltstandards und Regeln für Menschenrechte an. Deshalb jetzt eine neue Entwicklung: So werden im westafrikanischen Ghana, wo die grossen Schokoladenhersteller einen Teil ihres Kakaos beziehen, die Blüten der Pflanze in einem gross angelegten Versuch von Hand bestäubt.

Der Staat rekrutierte und schulte für das Projekt Tausende von Arbeitskräften. Die Handbestäubung ist zwar zeitintensiv und anforderungsreich, steigert aber den Ertrag beträchtlich. Laut einer Studie erhöht sie das Einkommen der Kleinbäuerinnen und -bauern auch nach Abzug der Arbeitskosten deutlich.

«Paradoxe Situation»

Trotzdem bleiben Schweizer Nichtregierungsorganisationen skeptisch. Weil mit Pestiziden und dem Abholzen von Wäldern das Vorkommen der Insekten zurückgegangen sei, fehlten nun Mücken und Wespen, die es für die Bestäubung der Kakaoblüten brauche. «Die Schweizer Schokoladenindustrie ist für den Einsatz der Insektenkiller-Pestizide mitverantwortlich», sagt alt Nationalrat Dominique de Buman (69, Mitte), Vorstandsmitglied der Konzernverantwortungs-Initiative. Wegen dieser hochgiftigen, in der Schweiz verbotenen Pestizide ergebe sich in Westafrika die «paradoxe Situation», dass zusehends Handbestäubung nötig werde. Mit der Gefahr für Kinderarbeit und schlechte Arbeitsbedingungen.

Ein Sprecher von Lindt & Sprüngli betont, dass Handbestäubung wenig verbreitet und für die Gesamtmenge der Kakaoproduktion marginal sei. Für Lindt & Sprüngli stelle Handbestäubung zudem keinen strategischen Fokus dar, die Firma führe weder Trainings noch andere Massnahmen dafür durch und sei auch nicht ins Projekt in Ghana involviert.

Zertifizierter Kakao

Vielmehr lege die Firma das Augenmerk auf die Stärkung eines stabilen Klimas, gesunder Ökosysteme sowie die Förderung von Biodiversität. «Diese Faktoren sind entscheidend für die Produktion von Kakao und anderen Rohstoffen, auf die Lindt & Sprüngli angewiesen ist», sagt der Sprecher.

Er wirbt: Die Firma beziehe ausschliesslich zertifizierten Kakao. Dies bedeute, dass auch Arbeitsbedingungen für die Kakaoproduktion und -ernte sowie Sozialstandards von externen Stellen überprüft würden.

Auf dass die Schokoladen-Osterhasen am nächsten Wochenende mit gutem Gewissen verspeist werden können.

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