Darum gehts
Im nebligen Januar träumt es sich besonders schön vom Licht des Mittelmeers oder vom Palmenstrand in den Tropen. Das wissen auch die Reiseveranstalter. Mit bis zu 45 Prozent Rabatt locken sie derzeit für Ferienreisen im Sommer – wenn man jetzt bucht.
Doch nicht immer fängt der frühe Vogel den Wurm. Manchmal tappt er auch in eine teure Falle. Der Beobachter zeigt, für wen sich der frühe Trick lohnt. Wo die Risiken lauern. Und wie man sich dagegen wappnet.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
Der Trick mit den Katalogpreisen
Lasse dich nicht von den hohen Prozentzahlen blenden. Die beworbenen Rabatte beziehen sich meist auf den sogenannten Katalogpreis – den teuersten Preis der Saison, den in der Realität kaum jemand zahlt.
Meist liegt die echte Ersparnis für Frühbucherinnen und Frühbucher eher bei 10 oder 15 Prozent, wie eine Untersuchung des deutschen Reisebuchungsportalbetreibers Holidaycheck zeigt. Das kann die Ferien für eine vierköpfige Familie aber durchaus um mehrere Hundert Franken vergünstigen.
Team «Jetzt» oder Team «Warten»?
Nicht für jeden lohnt sich das frühe Buchen. Prüfe, zu welcher Gruppe du gehörst:
- Die Planungs-Müsser (Team Jetzt buchen): Bist du an die Schulferien gebunden? Dann ist der Januar dein Monat. Hier geht es weniger um den absoluten Tiefstpreis, sondern um Verfügbarkeit. Beliebte Familienhotels mit grossen Zimmern und Kinderbetreuung sind für Juli/August schnell ausgebucht. Wer wartet, zahlt später mehr für schlechtere Leistung.
- Die Anspruchsvollen (Team Jetzt buchen): Willst du zwingend das Zimmer mit Meerblick in der dritten Etage oder die Meermaid-Suite auf dem Kreuzfahrtschiff? Bei solch speziellen Wünschen gilt: Das Angebot ist knapp, schlage sofort zu.
- Die Flexiblen (Team Warten): Seid ihr ein Paar ohne schulpflichtige Kinder und könnt ihr im Juni oder September reisen? Ist es dir fast egal, ob es nach Kreta, Rhodos oder Mallorca geht? Dann tappe nicht in die Frühbucher-Falle. Binde dich jetzt noch nicht. Oft sinken die Preise im März oder April, wenn Veranstalter ihre Restkontingente neu bewerten. Echte Last-Minute-Schnäppchen gibt es zudem oft erst vier bis sechs Wochen vor Abflug.
Das teure Storno-Risiko
Wer im Januar für den Sommer bucht, schliesst einen Vertrag mit sechs Monaten Vorlauf ab. Viel kann passieren.
Muss man eine Reise absagen, zahlt man bei vielen Anbietern hohe Gebühren. Eine Stornierung 30 Tage und mehr vor Reisebeginn kann bereits 30 Prozent des Reisepreises kosten – bei 3000 Franken sind das 900 Franken Verlust. Einige Veranstalter verlangen für stornierte Frühbucher-Arrangements sogar 100 Prozent des Kaufpreises.
Flexibilität kaufen als Lösung
Seit der Pandemie bieten Reiseveranstalter wie TUI, Kuoni und Helvetic Tours eine Lösung an, die sich für Frühbucher fast immer lohnt: sogenannte Flex-Tarife. Gegen einen Aufpreis (meist abhängig vom Gesamtpreis, zirka 50 bis 100 Franken pro Buchung) kann man die Reise bis kurz vor Abflug (meist 15 Tage) stornieren oder umbuchen – ohne Angabe von Gründen. Es ist eine Versicherung gegen Planänderungen.
Wichtig: Der Flex-Tarif ist nicht zu verwechseln mit einer Annullationskostenversicherung. Diese zahlt nur bei schwerer Krankheit oder Unfall. Der Flex-Tarif hingegen greift auch, wenn eine Hochzeit im Freundeskreis dazwischenkommt, eine Zahnarztrechnung das Reisebudget aufgefressen hat – oder wenn nach einem Hitze-Juni die Lust auf den Mittelmeersommer vergangen ist.