Darum gehts
- Angelo Borer sichert am WEF in Davos Scheichs aus Katar
- Scheichs legen grossen Wert auf Sauberkeit und gepflegtes Erscheinungsbild
- Borer beginnt Dienst täglich um 7 Uhr, immer frisch rasiert
Angelo Borer (68) ist ein Multitalent. Er ist Europameister im Stepptanz, Schauspieler, Martial-Arts-Kämpfer und Filmproduzent. Im Moment bewacht er als Sicherheitsmann in Davos die Scheichs aus Katar. Und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: «Unglaublich, wie hier geklotzt wird. Da werden innert Kürze riesige Holzkonstruktionen aufgebaut, innen mit edlen Teppichen und Wanddekorationen ausgestattet – und am Tag nach dem WEF gleich wieder abgerissen.»
In einem dieser vielen Pavillons ist Borer eingeteilt: im House of Qatar. Im traditionellen Gewand sieht man die Scheichs nur auf Fotos, in Davos treten sie weltmännisch in Businessanzügen auf. Diskretion ist das oberste Gebot: Wer zum Kontakteknüpfen und Geschäftemachen zu den Katarern kommt, darf Borer nicht verraten. Nur so viel: «Es gibt überraschend viele Leute, die auf der Suche nach einer Gratisverpflegung in den Pavillon wollen. Doch wer nicht den richtigen Badge hat, wird höflich aber bestimmt abgewiesen.»
Dafür hätten aber alle Verständnis, ergänzt Borer. Seine Kampfsport-Erfahrung musste er bislang noch nicht einsetzen. Viel wichtiger sei das gepflegte und seriöse Auftreten. «Wir müssen jeden Tag frisch rasiert und mit blank geputzten Schuhen um 7 Uhr in der Früh zum Dienst antreten», so Borer.
Die Uhr zeigt die Bedeutung
Denn auf ein gepflegtes Auftreten und Sauberkeit legen die Scheichs grossen Wert. Im Eingangsbereich des House of Qatar sind zwei Angestellte ständig damit beschäftigt, den weissen Boden zu wienern und von den Spuren des Davosers Schneematschs zu befreien – eine Sisyphusarbeit!
Darum muss sich Borer zum Glück nicht kümmern. Er ist auch im VIP-Bereich eingeteilt, weiss inzwischen ganz genau, wer zu den wirklich wichtigen Personen gehört: «Ein Blick aufs Handgelenk genügt. Je wichtiger, desto teurer die Uhr», erklärt der Stepptänzer, der sich dank seiner Erfahrung aus dem Showbusiness in der Welt der Reichen und Mächtigen gut auskennt.
Vielen Arabern eilt der Ruf voraus, mit ihren Angestellten nicht immer pfleglich umzugehen. Das ist bei den Katarern nicht der Fall: «Von Arroganz keine Spur», erklärt Borer. «Wir werden alle sehr höflich und mit Respekt behandelt.»
Davos will er auch dazu nutzen, seinen neuesten Film «No Time To Think» zu vermarkten. «In der Pause schaue ich beim Pavillon von Amazon vorbei, vielleicht finde ich jemanden von Prime, mit dem ich über den Film sprechen kann.» Das sei viel effizienter, als sein Werk einfach an die Einkaufsabteilung des Streaming-Multis zu schicken. Wie man sich erfolgreich in der Welt der Reichen und Mächtigen bewegt, das konnte Borer diese Woche in Davos von seinen Schützlingen lernen.