Airbnb kritisiert Verbot in Zürich
«Die Mehrheit der Gastgeber sind Homesharer»

In Zürich gilt seit Anfang September ein Teilverbot kommerziell vermieteter Businessapartments in Wohnzonen. Airbnb bestreitet, dass die Mieten in Zürich dadurch sinken werden. Verbote in Amsterdam und Barcelona brachten nicht die erwünschte Wirkung.
Kommentieren
1/7
Airbnb-Schlüsselboxen wie diese dürften in Zürich bald verschwinden.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Zürich beschränkt seit 1. September Kurzzeitvermietungen in Wohnzonen
  • Massnahme soll akuter Wohnungsnot entgegenwirken
  • Airbnb bestreitet Wirkung – keinen Einfluss auf Verfügbarkeit von Wohnraum
Dorothea Vollenweider
Dorothea VollenweiderRedaktorin Wirtschaft

In Zürich hat das Feilschen um knappen Wohnraum eine scharfe Wende genommen. Seit 1. September gilt in Wohnzonen ein striktes Verbot für die kurzfristige Vermietung über Plattformen wie Airbnb.

Die neue Regelung der Stadt verbietet Airbnbs zwar nicht ganz, schränkt sie jedoch stark ein. Neu dürfen befristet vermietete Zweitwohnungen, etwa Airbnbs oder Businessapartments, nicht mehr dem Mindestwohnanteil angerechnet werden, der in der Bau- und Zonenordnung festgelegt ist. Die Stadt stuft diese neu als Gewerbe ein. Das heisst: Für jedes Businessapartment in einer Wohnzone wird ein offizielles Baugesuch fällig.

Massnahme gegen die Wohnungsnot

Mit dem Teilverbot will die Stadt endlich wieder mehr bezahlbaren Wohnraum für Einheimische schaffen. Airbnb Schweiz wehrt sich derweil gegen den Vorwurf, Businessapartments würden zur Wohnungsnot im Land beitragen. «Airbnb hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Verfügbarkeit oder Bezahlbarkeit von Wohnraum in der Schweiz», heisst es auf Anfrage von Blick. Es ist das erste Mal, dass sich Airbnb zum neuen Teilverbot in Zürich äussert.

Ein im Jahr 2025 veröffentlichter Bericht von Airbnb Schweiz zeigt, dass auf Airbnb angebotene Unterkünfte, die innerhalb eines Jahres während mindestens 90 Nächten gebucht werden, lediglich 0,14 Prozent aller Wohnungen in der Schweiz ausmachen. In Zürich dürfte der Anteil allerdings deutlich grösser sein.

Airbnb wehrt sich gegen Kritik

Die Stadt Zürich schätzt, dass 2025 in der Stadt rund 5300 Airbnbs und Businessapartments vermietet wurden. Rund die Hälfte dürfte vom Verbot betroffen sein. Airbnb Schweiz teilt keine detaillierten Informationen zu Inseraten und will sich zu konkreten Auswirkungen der neuen Regelung aktuell nicht äussern – es sei noch zu früh.

Die Plattform betont auf Anfrage von Blick jedoch: «Die grosse Mehrheit der Gastgeber auf Airbnb in der Schweiz und in Zürich sind Homesharer.» Also Privatpersonen, die ihr eigenes Zuhause gelegentlich vermieten. Homesharing entziehe dem Wohnungsmarkt keinen Wohnraum.

Das brachten Verbote in anderen Städten

Zürich ist nicht die erste Stadt, die mit einem Airbnb-Verbot gegen Wohnungsnot und hohe Mieten vorgehen will. In Barcelona beispielsweise gilt seit 2014 ein Moratorium für neue Kurzzeitvermietungen. Ab November 2028 sollen touristische Vermietungen über Plattformen wie Airbnb vollständig verboten sein. Das Verbot wird schrittweise umgesetzt, indem Barcelona die bestehenden Lizenzen für Ferienwohnungen nicht mehr verlängert.

Auf die Mietpreis-Explosion in Barcelona hatte das jedoch keinen Einfluss: Zwischen 2018 und 2024 ging die Zahl der Airbnb-Inserate dadurch laut Airbnb um 24 Prozent zurück. Die langfristigen Mieten stiegen im selben Zeitraum um 37 Prozent – gegenüber 9 Prozent im spanischen Durchschnitt.

Auch in Amsterdam ist die Zahl der Airbnb-Inserate nach der Einführung strenger Beschränkungen für Kurzzeitvermietungen deutlich zurückgegangen. Zwischen 2019 und 2024 sank sie laut Airbnb um 54 Prozent. Dennoch erhöhten sich die langfristigen Mieten im gleichen Zeitraum um 34 Prozent – verglichen mit einem landesweiten Anstieg von 13 Prozent in den Niederlanden.

Vollzug kostet 650'000 Franken

Stadt lässt sich den Vollzug der neuen Regelung viel kosten. Für die bevorstehenden Kontrollen wurden fünf Vollzeitstellen bewilligt. Sie sind auf drei Jahre befristet. Die Personalkosten für die Zusatzstellen belaufen sich jährlich auf 650'000 Franken. Seit der Einführung des Teilverbots sind 337 Anzeigen eingegangen.

Ob die Massnahme auf dem Zürcher Wohnungsmarkt für Entspannung sorgt oder lediglich ein Tropfen auf den heissen Stein ist, wird sich in den kommenden Monaten und Jahren zeigen.

UaJJFFeiwEGMjE_poster.jpg
0:14
Im Januar 2025:Lara Stoll steht in riesiger Schlange für Wohnungsbesichtigung
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen