Darum gehts
- In Schindellegi verzögert Grundwasser den Bau einer Nobel-Siedlung
- Von 30 Wohnungen sind nur neun verkauft, teuerste kostet 15 Millionen Franken
- Sechs Käufer sprangen bereits ab
Das Pauli-Quartier in Schindellegi SZ gehört zu den nobelsten und exklusivsten Adressen im Kanton. Hoch über dem Zürichsee und an einer der steuergünstigsten Lagen im ganzen Land zieht das Quartier im Dorf der Milliardäre hoch über dem Zürichsee vor allem Gutbetuchte an. Doch nun sind dunkle Wolken über dem Steuerparadies aufgezogen.
Grund für die Schlechtwetterlage ist der Bau einer Edel-Enklave. Sechs Mehrfamilienhäuser mit 30 Eigentumswohnungen entstehen an exklusivster Lage. Die Baustelle sorgt bei Anwohnern des Quartiers für Ärger – nicht nur wegen Lärm und Baudreck in der Luft. Sondern auch, weil man bei Bohrungen auf der Baustelle auf Grundwasser gestossen ist. «Ich habe Angst, dass der Hang ins Rutschen kommt», sagt Peter M.*, ein Anwohner des Quartiers, zu Blick. Er möchte anonym bleiben.
Artesisches Grundwasser angebohrt
Blick weiss: Vor rund drei Jahren stiessen Bauarbeiter bei Bohrungen auf sogenanntes artesisch gespanntes Grundwasser – ein Sonderfall, bei dem das Grundwasser unter hohem Druck steht. Das heisst: Das Wasser steigt bei einer Anbohrung von selbst an die Oberfläche oder sprudelt als artesische Quelle hervor.
Seither drückt es fortwährend Wasser hoch in die riesige Baugrube. Rund um die Uhr muss abgepumpt werden. «Es ist ein ständiges Wasserplätschern und der Lärm einer Pumpe zu hören», sagt M. zu Blick.
Doch das ist nicht alles: Offensichtlich haben die Bauarbeiten den Hang in Bewegung gebracht. Blick weiss von einem betroffenen Nachbarn, bei dem sich in der Hausmauer ein grosser Riss gebildet hat. Weitere Anrainer sollen Ähnliches erlebt haben, heisst es.
Bau wird pausiert
Die Eigentümerschaft der Luxus-Siedlung, die Areion Real Estates AG, sagt auf Anfrage von Blick, dass von Beginn weg bekannt war, dass die Nobel-Siedlung auf einem Grundstück mit Hang- und Grundwasser zu stehen käme. Trotzdem scheint der unterirdische Wasserfluss die Bauplanung auf den Kopf gestellt zu haben. Denn der Bau der Luxuswohnungen musste zwischen 2024 und 2025 unerwartet für ein Jahr pausiert werden.
«Im Februar 2024 wurden alle Maschinen abtransportiert – plötzlich war Ruhe», sagt ein Anwohner. Die Areion Real Estates, die ihren Sitz ebenfalls in Schindellegi hat, erklärt das wie folgt: «Die Pause erfolgte, weil eine Pfählungsbewilligung nachträglich aufgrund einer Lücke in der Baubewilligung eingeholt werden musste.» Es sei zu Einsprachen gekommen. «Das zu erledigen, braucht in der Schweiz leider seine Zeit», so die Eigentümerschaft.
Hang muss stabilisiert werden
Eine Pfählung wird im Bauwesen eingesetzt, um die Lasten eines Gebäudes in tiefere, tragfähige Bodenschichten abzuleiten. Das ist dann nötig, wenn der oberflächennahe Boden zu weich, feucht oder instabil ist, um das Bauwerk zu stützen. Warum hatte man diese Bewilligung nicht von Anfang an eingeholt, wenn man bereits 2023 vom Grundwasser wusste?
Im Frühling 2025 wurden die Bauarbeiten dann wieder aufgenommen. Das Grund- und Hangwasser wird währenddessen laufend abgepumpt. «Wir haben bereits vor Baustart in Zusammenarbeit mit Spezialisten aus Tiefbau- und Hochbaustatik, Geologie und Bauphysik sowie in Abstimmung mit den kantonalen Behörden ein detailliertes Schutz- und Entwässerungskonzept entwickelt», betont die Eigentümerschaft.
Und trotzdem: Der Schaden ist angerichtet – zumindest in den Köpfen vieler Anwohnerinnen und Käufer. Die Verzögerung lasse sich nicht wettmachen und das Image ist angekratzt. Blick weiss: Sechs zahlungsbereite Käufer sind bereits abgesprungen.
Luxus-Baustelle wird zum Millionen-Albtraum
Ein Albtraum für die Eigentümer der Luxus-Enklave, bei der das teuerste Objekt – eine Maisonettewohnung – 15 Millionen Franken kostet. Für eine 3,5-Zimmer-Wohnung müssen Käufer bis zu 4 Millionen Franken hinblättern, für 4,5-Zimmer 5,3 Millionen und für eine Gartenmaisonette 6 Millionen Franken.
Ob es nun am Wasser, der Verzögerung oder den Preisen liegt – klar ist: Der Verkauf der Nobel-Residenzen läuft stockend. Von den insgesamt 30 Objekten sind aktuell erst neun verkauft. Sieben sind reserviert und 14 sind noch zu haben. Ursprünglich sollte die Siedlung im Herbst 2026 bezogen werden.
Doch die Bilder von Blick zeigen: Von einer fertigen Wohnsiedlung ist die Baustelle noch weit entfernt. Bestätigt wurde auch: Der Einzugstermin wurde inzwischen auf Ende 2027 verschoben.
*Name geändert