Darum gehts
- Ab 2029 entfällt die Besteuerung des Eigenmietwerts für Hausbesitzer in der Schweiz
- Banken müssen mit höheren Risiken und Konkurrenz durch alternative Hypothekargeber rechnen
- Mehr Wettbewerb bedeutet sinkende Preise für Hypotheken
Der ungeliebte Eigenmietwert ist bald Geschichte: Ab 2029 muss dieses fiktive Einkommen von Hausbesitzern nicht mehr versteuert werden. Das schmerzt die Steuerämter, aber auch die Banken, wie eine Umfrage von Moneypark und Helvetia zeigt.
Nach der Abstimmung vom letzten Herbst ist ein Viertel der Befragten entschlossen, die Hypothek ganz oder teilweise zurückzuzahlen. «Das hat Potenzial, den Banken wehzutun», sagt Moneypark-CEO Lukas Vogt (38) im Gespräch mit Blick. Zwar bremsten im Moment die tiefen Zinsen die Lust auf Amortisierung der Hypothek. Doch das könnten sich bei steigenden Zinsen – etwa weil die Teuerung aufgrund der Energiepreise anzieht – bald ändern.
Doch auch schon so dürfte die bevorstehende Abschaffung des Eigenmietwerts zumindest das Wachstum des Hypothekarmarktes etwas ausbremsen. Bislang wächst das Volumen der Hypothekarausleihungen im Schnitt um drei Prozent pro Jahr. Moneypark geht denn auch von einer deutlichen Abschwächung des Wachstums aus.
Das setzt die Banken eh schon unter Druck: Weniger Wachstum bedeutet mehr Konkurrenzkampf um die verbleibenden Hypotheken. «Sofern die Rückzahlungen aus liquiden Mitteln erfolgen, verlieren die Banken genau jene Einlagen, welche sie zur Refinanzierung ihrer Hypotheken verwenden», so Vogt. Denn gerade die liquiden Spargelder der Kunden sind für die Banken die günstigste Variante zur Finanzierung der Hauskredite.
Weniger Marge
Das heisst, der Kampf um die Spargelder könnte sich verschärfen. Banken müssen diese mit einer besseren Verzinsung anlocken. Selbst die Sparer könnten also indirekt von der Abschaffung des Eigenmietwerts profitieren.
Und noch etwas kommt dazu: Wer es sich leisten kann, seine Hypothek zurückzuzahlen, gehört zu den besten Risiken einer Bank. «Wenn die Banken das Wachstum halten wollen, müssen sie bei der Vergabe von Hypotheken wieder etwas mehr Risiken eingehen.» Der Kuchen wird etwas weniger schnell grösser, die Risiken könnten steigen. Das hat Folgen für das Bankgeschäft: «Die Margen der Banken im Hypothekargeschäft kommen unter Druck», ist Vogt überzeugt.
Mehr Konkurrenz
Das heisst, solange die Zinsen nicht steigen, werden sich Hypotheken in den kommenden Jahren verbilligen. Einfach, weil die Banken an ihrer Marge schrauben müssen, um weiterhin für Hausbesitzer attraktiv zu bleiben. Nach dem Ende der Credit Suisse haben viele Banken ihre Margen nach oben angepasst. Diese Zeiten sind nun vorbei.
Ein letzter Punkt wird den Wettbewerb zusätzlich verschärfen: «In Zeiten tiefer Zinsen ist das Interesse alternativer Hypothekargeber wie Pensionskassen wieder gestiegen.» Wer eine Hypothek braucht, sollte die Angebote gut vergleichen. Und wer seine Hypothek verlängern muss, sollte ein ernstes Wörtchen mit dem Bankberater sprechen. Das könnte einiges Geld wert sein.