«Massive Existenzängste» bei Betroffenen
Wie Senioren wegen ihres Hauses in Not geraten

Wenn die eigene Liegenschaft plötzlich mehr Wert ist, kann man den Anspruch auf Ergänzungsleistungen verlieren. Genau das passiert aktuell vielen Senioren im Kanton Aargau. Betroffene bangen nun um ihre Existenz.
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Im Kanton Aargau wurden die Liegenschaften vom Steueramt neu bewertet – teilweise mit gravierenden Folgen für die Eigentümer.
Foto: imago/Westend61

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Vielen Aargauern wurde nach der Höherbewertung ihrer Liegenschaften die Ergänzungsleistungen gekürzt
  • Rund 270 Betroffene erhalten gar keine Leistungen mehr, 340 erhalten weniger
  • Wer nur sehr wenig flüssiges Vermögen hat, muss nun möglicherweise das Haus verkaufen oder Sozialhilfe in Anspruch nehmen
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Patrick GerberRedaktor Politik

Der Wert von Liegenschaften wird regelmässig von den kantonalen Steuerämtern neu eingeschätzt. Manch einer freut sich, wenn das Eigentum plötzlich mehr Wert ist. Doch für einige folgt dann der Schock – insbesondere für Senioren. Denn durch die Höherbewertung der Liegenschaft kann der Anspruch auf Ergänzungsleistungen (EL) entfallen. Im schlimmsten Fall muss das Eigenheim verkauft werden – oder es droht die Altersarmut. 

Genau mit dieser Situation sehen sich derzeit viele Aargauerinnen und Aargauer konfrontiert, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Seit Herbst 2025 verschicke der Kanton die neuen Schätzwerte. Betroffene seien auch über die Auswirkungen auf die Höhe der Ergänzungsleistungen aufgeklärt worden, sagte Linda Keller von der SVA Aargau, dem Kompetenzzentrum für Sozialversicherungen, gegenüber der «AZ». 

«Massive Existenzängste» bei Betroffenen

In rund 270 Fällen fielen die Ergänzungsleistungen ab April weg und in 340 würden sie reduziert, berichtet die Zeitung weiter. Zudem seien 220 weitere Verfügungen noch gar nicht verschickt worden. Mehr als 20 Betroffene hätten sich wegen tieferer Ergänzungsleistungen bereits bei Pro Senectute Aargau gemeldet, berichtete ihr Geschäftsleiter Pirmin Kaufmann der Zeitung. Oft gehe es um EL-Beziehende mit gar keinem oder einem Vermögen von unter 10'000 Franken, das nicht in der Liegenschaft gebunden sei. 

Hier könne der Wegfall der Ergänzungsleistungen schnell zu «massiven Existenzängsten» führen, erklärt Kaufmann weiter. Wer nur sehr wenig flüssiges Vermögen besitze, habe kurzfristig keine andere Möglichkeit, als bei der Gemeinde Sozialhilfe zu beantragen. Doch das fällt laut Kaufmann vielen schwer. Ermögliche die Bank keine höhere Hypothek, sei ein Hausverkauf in solchen Fällen oftmals nicht zu verhindern.

Die Neubewertung von Liegenschaften im Zusammenhang mit den Ergänzungsleistungen hat in den vergangenen Jahren bereits in mehreren Kantonen für Diskussionen gesorgt – unter anderem auch in Bern.

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