Darum gehts
- Saint-Louis baut 1800 neue Wohnungen, um Schweizer Angestellte anzuziehen
- 3-Zimmer-Wohnung kostet ab 315'000 Euro, deutlich günstiger als in Basel
- Im Tessin pendeln 78'000 Italiener für Schweizer Löhne über die Grenze
Meistens steht der französische Grenzort Saint-Louis im Schatten seines grossen Nachbarn Basel. Jetzt aber dreht die Elsässer Stadt den Spiess um. «Wir wollen Saint-Louis neuen Atem einhauchen und eine neue Dynamik kreieren», erklärt Stéphanie Gerteis, neu gewählte Bürgermeisterin gegenüber der «Basler Zeitung».
Konkret: Entlang der zentralen Verkehrsachse, der Avenue de Bâle, entstehen Hochhäuser und Häuserzeilen. «Derzeit befinden sich 1100 Wohnungen im Bau, weitere 700 sind derzeit in Planung», meint Gerteis. Der ehemalige Industrievorort von Basel erfährt einen Bauboom.
Expats sollen in Grenzstädtchen ziehen
Das Ziel gemäss Gerteis: Gutverdiener, die in Basler Pharma arbeiten, sollen sich im Vorort niederlassen – und dort auch kräftig Steuern bezahlen. Das ist frech: Denn Saint-Louis will der Schweiz die Expats wegschnappen.
Der billige Wohnraum soll sie dabei über die Grenze locken. So entstehen aktuell nur gerade 650 Meter von Basel entfernt 239 geräumige Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen in insgesamt elf Gebäuden. Im ersten Halbjahr 2027 sollen sie bezugsbereit sein – zu deutlich tieferen Preisen als in Basel. Eine 3-Zimmer-Eigentumswohnung gibts in Saint-Louis bereits ab 315'000 Euro, ein Apartment mit fünf Zimmern für 590'000 Euro. Zum Vergleich: In Basel liegt der Durchschnittspreis für eine 3-Zimmer-Wohnung laut Angaben der Immo-Plattform RealAdvisor bei rund 1 Million Franken. Für 5 Zimmer sind bereits 1,6 Millionen Franken fällig.
Grenzgänger im Tessin
Dass viele Angestellte in der Schweiz gleich ennet der Grenze wohnen, ist kein neues Phänomen. Besonders das Tessin kennt dieses Problem. Immer mehr Menschen wandern aus dem italienischsprachigen Kanton aus und lassen sich in Italien nieder. 2003 arbeiteten gut 33'000 Grenzgänger aus Italien im Tessin. In den letzten Jahren stieg die Zahl auf rund 78'000 Grenzgängerinnen. Sie alle profitieren von höheren Schweizer Löhnen und den tieferen Preisschildern in unserem Nachbarland.
Dass sich Arbeitnehmende auf günstigeren Wohnraum stürzen, zeigt sich auch interkantonal in der Schweiz. So lockte die Aargauer Mega-Siedlung Tivoli-Garten in Spreitenbach Zürcherinnen und Zürcher mit billigen Mieten an. Bereits nach kurzer Zeit sind Hunderte dem Ruf gefolgt. Heute bezahlen die Stadtflüchtlinge im Rüebliland bis zu 40 Prozent weniger als im Zentrum der Limmatstadt.