Burgener spricht über die Wintersport-Fans in Brasilien
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Jetzt als Exot an Olympia:Burgener spricht über die Wintersport-Fans in Brasilien

Kritik nach Nationenwechsel: «Du spinnst!»
Bester Schweizer Snowboarder startet für Brasilien

Halfpipe-Spezialist Pat Burgener kehrte der Schweiz den Rücken. Vor seinem Olympia-Einsatz spricht er über die Hintergründe und seine wachsende Fanbasis in Südamerika.
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Pat Burgener strahlt: Der Halfpipe-Spezialist darf an den Olympischen Winterspielen das Heimatland seiner Mutter vertreten.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Darum gehts

  • Snowboarder Pat Burgener liess sich von Ski-Star Lucas Pinheiro Braathen inspirieren
  • Der Schweizer startet seit dieser Saison für Brasilien – das Land seiner Mutter
  • In Südamerika konnte sich Burgener bereits eine kleine Fanbasis aufbauen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Nicola AbtReporter Sport

Ski-Star Lucas Pinheiro Braathen (25) machte es vor. Nun hat der Südamerikaner mit Pat Burgener (31) einen ersten Nachahmer aus der Schweiz. Der Halfpipe-Spezialist startet seit dieser Saison ebenfalls für Brasilien. Gemeinsam werden sie bei den Olympischen Winterspielen in Italien ihre Wurzeln vertreten.

Burgeners Entscheidung kam überraschend und löste Kopfschütteln aus. «Einige Leute sagten zu mir: ‹Spinnst du! Warum machst du das?›», erzählt der Snowboarder. Aber auch Burgener selbst hatte Zweifel. «Ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Das machte mir Angst.» Inspiriert von Braathen wagte er den Nationenwechsel letztlich trotzdem. 

Bereits Geschichte geschrieben

Ausgelöst durch die Familiengeschichte seiner Mutter. Sie wuchs in Brasilien auf. Der Gedanke, diesen Teil seiner Herkunft zu repräsentieren, begleitete ihn schon lange. «Ich wollte das Land unbedingt kennenlernen. Seit dem Wechsel bin ich regelmässig dort.» 

Schnell bildete sich eine kleine Burgener-Fangruppe. Ausschlaggebend dafür waren seine Erfolge. Mit dem Podestplatz Anfang Jahr in Kanada schrieb Burgener Geschichte. Noch nie zuvor war es einem Brasilianer auf einem Snowboard gelungen, unter die besten drei zu kommen. «Das war ein ganz spezieller Moment.»

Seitdem haben sich immer mehr Brasilianer bei ihm gemeldet und angekündigt, dass sie die Olympischen Spiele verfolgen werden. «Ich konnte etwas bewegen, das ist grossartig», jubelt er. Der Preis dafür war jedoch hoch. Mit dem Verbandswechsel verlor Burgener die gewohnte Struktur. Es gab kein Team, keine Betreuung und keine festen Abläufe mehr.

Sein Ziel geht über eine Medaille hinaus

Plötzlich war er auf sich allein gestellt. «Das war die grösste Herausforderung.» Burgener fragte seinen besten Kollegen, ob dieser ihn coachen könne. Was aus einer Notsituation entstand, entpuppte sich als Glücksgriff.

Im Gesamtklassement liegt Burgener auf Rang 6 – deutlich vor dem besten Schweizer. Was aus Sicht von Swiss-Ski schmerzen muss. Mittlerweile lernte Burgener die Flexibilität in einem Privatteam zu schätzen. Er kann jederzeit seiner zweiten grossen Leidenschaft – der Musik – nachgehen.

Für die Olympischen Spiele komponierte er sogar ein eigenes brasilianisches Lied. Sein sportliches Ziel formuliert er bewusst zurückhaltend: «Alles ist möglich.» Letztlich geht es ihm aber um weit mehr als «nur» eine Medaille. Burgener will mit seiner Geschichte zeigen, dass im Leben tatsächlich alles möglich ist, wenn man den Mut hat, seinen eigenen Weg zu gehen.

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