Darum gehts
- Christoph Sumann erhält nachträglich zwei Olympia-Medaillen in Antholz
- Dopingfall um Jewgenij Ustjugow führt zu Resultat-Aberkennung
- 12 Biathleten mit insgesamt 59 Olympia-Medaillen steigen nochmals auf das Podest
Was für eine verrückte Geschichte! Christoph Sumann hat seine Biathlon-Karriere eigentlich schon längst beendet, stand am letzten Sonntag aber plötzlich wieder auf einem olympischen Podest. Mitten während der Spiele im Biathlon-Mekka Antholz erhielt der 50-jährige Österreicher nachträglich gleich zwei Olympia-Medaillen. Und das Seite an Seite mit alten Rivalen – darunter auch die französische Biathlon-Legende Martin Fourcade (37).
Bronze von Vancouver 2010 – Silber von Sotschi 2014
Der Grund für das späte Glück des jetzigen sportlichen Leiters der Österreicher Biathleten: der Dopingfall um den Russen Jewgenij Ustjugow (40). Nach jahrelangen juristischen Verfahren wurden dessen Resultate aberkannt. Im Massenstart von 2010 in Vancouver rückt Sumann dadurch vom vierten auf den dritten Rang vor und auch die österreichische Staffel von 2014 in Sotschi wird nachträglich von Bronze auf Silber aufgewertet.
Die feierliche Übergabe fand ausgerechnet im legendären Stadion von Antholz statt. Für Sumann ein perfekter Rahmen: «Wenn schon nachträglich eine Siegerehrung, dann hier. Das ist unser Kitzbühel.»
Whatsapp-Gruppe mit Fourcade
Dass es überhaupt zu dieser besonderen Zeremonie kam, ist auch Martin Fourcade zu verdanken, der nun zweifacher Massenstart-Olympiasieger ist. «Wir haben im Sommer eine Whatsapp-Gruppe gegründet», erzählt Sumann im Gespräch mit Blick. «Martin hat mich gefragt, ob wir das bei den jetzigen Spielen machen wollen. Weil ich sowieso vor Ort bin, habe ich gesagt, ‹das passt›. Zum Glück haben dann die Norweger auch noch eingelenkt.»
Ganz ohne Skepsis ging er trotzdem nicht an die Zeremonie. «Wir wussten ja nicht, ob nach so langer Zeit noch Emotionen aufkommen.» Jetzt ist aber klar: Bei strahlendem Sonnenschein, vor Tausenden Fans im bis auf den letzten Platz gefüllten Stadion, wurde die verspätete Siegerehrung zu einem absolut würdigen Moment. «Es war wirklich top organisiert. Und ja, es sind Emotionen aufgekommen», sagt Sumann.
Gefehlt hätten einzig die unmittelbaren Emotionen von damals. «Aber mit so vielen Fans, bei diesem Wetter – es hätte nicht besser sein können.»
Ein Legendentreffen mit 59 Medaillen
Besonders die Staffel-Ehrung hatte es in sich erzählt Sumann. Je vier Biathleten aus Deutschland, Norwegen und Österreich standen gemeinsam auf dem Podest. Dabei kam jede Menge Edelmetall zusammen. «Ich habe im Kopf überschlagen: Wir waren zwölf Athleten mit insgesamt 59 Olympia-Medaillen», sagt Sumann lachend. «Ich habe mich gefühlt wie bei einem Legendentreffen.»
Dass nach Jahren ohne genauere Informationen die Gerechtigkeit am Ende gesiegt habe, dafür ist Sumann dankbar, wie er sagt: «Die Mühlen der Justiz mahlen zwar langsam, aber ich bin froh, dass man nicht aufgegeben hat.»
Eine Medaille musste Sumann abgeben
Bevor die Biathlon-Legende seine vierte Olympiamedaille bekam, musste er jedoch noch eine abgeben. Die Bronzene, für die er nun Silber bekam, durfte er nämlich nicht behalten.
Gleiches würde eigentlich auch für den früheren Olympiasieger Anton Schipulin (38) gelten, der mit der Staffel um den gedopten Ustjugow in Sotschi das aberkannte Gold gewann. Christoph Sumann verrät aber: «Das interessiert den überhaupt nicht. Er sagt, er habe diese in einem fairen Wettkampf gewonnen und behält sie darum.»
