Die unglaubliche Karriere von Stan Wawrinka
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3 Major-Titel und «Fedrinka»:Die unglaubliche Karriere von Stan Wawrinka

Wawrinka prägte Thiem-Karriere
Tennis-Legenden adeln den Altmeister

Auf seiner Abschiedstournee dürften noch zahlreiche Würdigungen auf Stan Wawrinka warten. Vier Weggefährten ehren den Romand jetzt schon.
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Mit Jo-Wilfried Tsonga verbindet Wawrinka, dass sich auch der Franzose im Kanton Waadt niedergelassen hat.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Stan Wawrinka steht vor seiner Dernièren-Saison
  • Er tritt mit Belinda Bencic beim United Cup in Perth an
  • Ehemalige Weggefährten sagen, was den Romand ausmacht
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marco PescioReporter Sport

Stan Wawrinka (40) macht 2026 sein zweites Dutzend voll. Die 24. Saison auf der Tour ist auch seine letzte. Man könnte meinen, er hätte bereits alles gesehen im Tennis-Zirkus – und trotzdem wartet gleich zu Beginn eine Premiere auf ihn. Gemeinsam mit Belinda Bencic (28) vertritt Wawrinka ab Freitag die Schweiz beim United Cup in Australien. Dabei finden die Gruppenspiele in Perth statt, also in einer Stadt, in der er zuvor noch nie seine ikonische einhändige Rückhand auspackte. «Das gibt es nicht alle Tage», muss gar der Routinier eingestehen, nachdem er wärmstens empfangen wurde.

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Wawrinka wird an der Südwestküste Australiens nicht nur wegen seines Paradeschlags bewundert. Der ewige Stan hat auf der Tour längst Legendenstatus. Er ist etwas für Tennisliebhaber, für Nostalgiker, die noch nicht bereit sind, mit der Ära der «Big 3», Roger Federer (44), Rafael Nadal (39) und Novak Djokovic (38), abzuschliessen. Also jener bedeutenden Zeitspanne, aus der Wawrinka mit seinen drei Grand-Slam-Titeln neben Andy Murray (38) als weiteres grosses Idol hervorging.

«Beste einhändige Rückhand aller Zeiten»

Wie hoch das Standing Wawrinkas ist, verdeutlicht auch ein Besuch der Ischgl Trophy im Dezember. Das hochkarätig besetzte Show-Turnier in den Tiroler Alpen ist so etwas wie ein Klassentreffen von Wawrinkas Generation – von Spielern, die im Gegensatz zum Waadtländer bereits einen Schlussstrich unter ihre professionelle Laufbahn gezogen haben. Der Jüngste darunter ist Dominic Thiem (32). Der Österreicher erklärt im Gespräch mit Blick, er werde «immer eine besondere private Beziehung» zu Wawrinka haben: «Für mich hat er wahrscheinlich die beste einhändige Rückhand aller Zeiten. Ich habe ihm extrem oft zugeschaut.» Der Westschweizer sei für ihn eine Inspiration gewesen und habe seine Karriere regelrecht geprägt: «Daneben haben wir viele Male gemeinsam trainiert und immer eine gute Zeit gehabt.»

Unverkennbar: Stan Wawrinkas wunderschön durchgezogene, einhändige Rückhand ist längst Kult.
Foto: Getty Images

Besonders beeindruckend fände er, dass Wawrinka noch immer ein «sensationelles Niveau» an den Tag lege, so Thiem: «Er spielt nach wie vor ein enorm schönes, elegantes Tennis.»

Für Thiem, der schon mit 31 seinen Rücktritt gab und immer wieder von Motivationsproblemen nach seinem US-Open-Sieg 2020 sprach, wäre eine derart lange Karriere wie bei Wawrinka unvorstellbar gewesen. Ähnlich verhält es sich bei Jo-Wilfried Tsonga (40), der mit 37 Schluss machte: «Für mich war das nicht möglich, weil mein Körper am Ende zu stark schmerzte. Jeder verfolgt seinen eigenen Weg – es ist aber toll, zu sehen, wie Stan sich weiterhin antreibt.» Tsonga witzelt, ihn verbinde mit Wawrinka ausserdem die Region am Genfersee. Der Franzose wohnt mit seiner Familie in Gingins VD, «bloss ein paar Kilometer von Stan entfernt». Und «vielleicht einen einzigen Kilometer von Gaël Monfils», seinem 39-jährigen, französischen Kumpel, der mit Wawrinka ebenfalls freundschaftlich verbunden ist und der seine Profikarriere auch 2026 beenden wird.

Fast-Nachbarn: Jo-Wilfried Tsonga hat sich im Waadtland, in der Heimat von Stan Wawrinka, niedergelassen.
Foto: Keystone

Mischa Zverev (38), der Bruder des aktuellen Weltranglistendritten Alexander (28), sieht Wawrinkas Grundeinstellung als Schlüssel für seine Langlebigkeit auf der Tour: «Es gibt diejenigen, die spielen, um zu gewinnen. Wenn sie es irgendwann nicht mehr tun, hören sie auf. Und dann gibt es Menschen, die spielen ein Spiel.» Wawrinka gehöre zu letzterer Gattung: «Er liebt das Tennis und mag das Spiel an sich. Warum also sollte er nicht weitermachen? Man hört ja auch nicht auf, Uno zu spielen, nur weil man ein paar Mal gegen jemanden verloren hat.»

Wildcard für Australian Open?

Egal, wen man in Ischgl fragt, für alle steht fest, dass Wawrinka einerseits mit herausragenden athletischen Voraussetzungen gesegnet ist und andererseits mit einem ebenso ausserordentlichen Willen, sich auch in fortgeschrittenem Alter übers Limit zu pushen. Feliciano Lopez (44) weiss, welche Opfer dafür nötig sind. Der Spanier war selbst bis ins Alter von 42 Jahren aktiv und kann gut verstehen, dass Wawrinka das Enddatum seiner Laufbahn maximal lange hinauszögert: «Spieler mit dieser Leidenschaft und diesem Status muss man einfach spielen lassen.»

Das werden sich im Übrigen auch einige Turniere auf der Tour sagen, die Wawrinka mit einer Wildcard ausstatten könnten. Das kommt dem Romand entgegen – denn spielt er sich nicht bald wieder in die Top 100, wird er bei den grösseren Events auf solche Einladungen angewiesen sein. Aktuell belegt er die Weltranglistenposition 157.

Das ATP-250-Turnier in Auckland (ab 12. Januar) macht in Sachen Wildcard schon mal den Anfang. Nicht auszuschliessen, dass die direkt darauf folgenden Australian Open nachziehen werden. Viele Veranstalter dürften es sich 2026 nicht entgehen lassen, noch einmal die Attraktion «Stan the Man» in ihre Manege zu bitten.

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