«Nole» gegen Alcaraz – ein Melbourne-Final für die Geschichte
«Dieser Djokovic ist ein Statement für die Big 3»

Der wiederauferstandene Novak Djokovic fordert im Endspiel der Australian Open Weltnummer eins Carlos Alcaraz heraus. Ein Generationenduell mit ungewohnter Ausgangslage für Ersteren – und vielleicht ist genau das seine grosse Chance, meint Blick-Experte Heinz Günthardt.
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Novak Djokovic meldet sich zurück – schlägt er im Melbourne-Final nochmals gross zu?
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Novak Djokovic erreicht mit 38 Jahren das Australian-Open-Endspiel
  • Carlos Alcaraz könnte als jüngster Spieler alle Grand-Slam-Trophäen gewinnen
  • Djokovic strebt seinen 25. Major-Titel und elften Triumph «Down Under» an
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marco PescioReporter Sport

Die Emotionen, die im Lager von Novak Djokovic nach dem heroischen Fünfsatz-Sieg gegen Titelverteidiger Jannik Sinner (24) herausbrechen, sprechen Bände. In der Box fliessen Tränen, auf dem Platz lässt sich der Serbe auf die Knie fallen. Seine Mimik enthält: Erleichterung, Stolz – und auch ein wenig Ungläubigkeit. Er hat es tatsächlich in den Final der Australian Open geschafft. Mit 38! Und nach einem Jahr ohne Endspielteilnahme auf allerhöchster Stufe und vielen Momenten, in denen er von Experten Stück für Stück abgeschrieben wurde.

Es ist die Wiederauferstehung des Rekordmanns, der in Australien schon so viel erlebt hat: Vom Grand-Slam-Premierensieg 2008 bis zur Corona-Abschiebung 2022. Zehnmal triumphierte er «Down Under». Jetzt winkt der elfte Streich und auf Major-Stufe der 25. Titel, womit er geschlechterübergreifend Margaret Court (83) hinter sich lassen und alleiniger Rekordhalter würde.

Der 1. Februar wird ein historischer Tag im Tennis. Denn wenn nicht Djokovic Geschichte schreibt, dann tut es sein Finalgegner Carlos Alcaraz (22). Der Spanier könnte als jüngster Spieler überhaupt alle vier Grand-Slam-Trophäen gesammelt haben. Die French Open, Wimbledon und die US Open hat er bereits je zweimal gewonnen. Nur Melbourne, wo bislang immer im Viertelfinal Schluss war, fehlt ihm im irrwitzig bestückten Palmarès seiner noch jungen Karriere.

«Ein grossartiger Nostalgie-Sieg»

Der Weltranglistenerste ist klarer Favorit gegen Djokovic, der wiederum auf dem Weg in den Final von zwei Forfaits profitierte und vor dem Turnier keinen einzigen Vorbereitungsmatch spielte. Djokovic als Final-Aussenseiter: Das ist eine Ausgangslage, die der Altmeister lange Zeit nicht mehr hatte. «Und das könnte möglicherweise zu seinem Vorteil werden», sagt Blick-Tennisexperte Heinz Günthardt (66): «Gegen Sinner hat es Djokovic geschafft, immer mehr in einen Flowzustand zu gelangen. Er servierte gut, sah den Gegner Fehler machen und merkte plötzlich: ‹Hier geht was, ich fühle mich wohl und spiele einfach mal drauf los. Komme, was wolle.› Der Druck lag nicht bei ihm, weil alle von Sinner den Sieg erwarteten.»

Djokovic schlägt Sinner in 5-Satz-Krimi
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Grosses Tennis in Australien:Djokovic schlägt Sinner in 5-Satz-Krimi

Er vergleicht Djokovics Aufbäumen mit Roger Federers (44) Comeback-Märchen 2017, das im Melbourne-Triumph endete: «Wenn Djokovic auch im Final in diesen unbeschwerten Fluss kommt, hat er eine Chance, Alcaraz zu schlagen.» Dass sein Tennis dazu noch immer reiche, stehe ausser Frage – ausserdem wäre da das Publikum, das ihn auch im Endspiel tragen wird: «Dieser Djokovic ist auch ein Statement für die Big 3. Genau das möchten die Zuschauer sehen. Viele wollen die Ära von Djokovic, Federer und Rafael Nadal mit der heutigen von Alcaraz und Sinner vergleichen. Und dann läuft Nole da tatsächlich raus und besiegt Sinner – das war ein grossartiger Nostalgie-Sieg.»

Ob am Sonntag (ab 9.30 Uhr, SRF zwei) der nächste folgt? Es wird auch von der Regeneration der beiden abhängen. Alcaraz war in seinem Halbfinal gegen Alexander Zverev (28) mit 5:27 Stunden gar noch eineinhalb Stunden länger auf dem Platz als Djokovic und hatte zwischenzeitlich ordentlich Mühe. Allerdings ist der Mann aus El Palmar auch sagenhafte 16 Jahre jünger als Djokovic, der zum ältesten Major-Champion aller Zeiten werden könnte.

Djokovic führt gegen Alcaraz im direkten Vergleich 5:4

2025, US Open, Halbfinal: Alcaraz – Djokovic 6:4, 7:6, 6:2

2025, Australian Open, Viertelfinal: Djokovic – Alcaraz 4:6, 6:4, 6:3, 6:4

2024, Olympia, Final: Djokovic – Alcaraz 7:6, 7:6

2024, Wimbledon, Final: Alcaraz – Djokovic 6:2, 6:2, 7:6

2023, ATP-Finals, Halbfinal: Djokovic – Alcaraz 6:3, 6:2

2023, Cincinnati, Final: Djokovic – Alcaraz 5:7, 7:6, 7:6

2023, Wimbledon, Final: Alcaraz – Djokovic 1:6, 7:6, 6:1, 3:6, 6:4

2023, French Open, Halbfinal: Djokovic – Alcaraz 6:3, 5:7, 6:1, 6:1

2022, Madrid, Halbfinal: Alcaraz – Djokovic 6:7, 7:5, 7:6

Alcaraz und Djokovic boten bislang neun intensive Partien gegeneinander.
Getty Images

2025, US Open, Halbfinal: Alcaraz – Djokovic 6:4, 7:6, 6:2

2025, Australian Open, Viertelfinal: Djokovic – Alcaraz 4:6, 6:4, 6:3, 6:4

2024, Olympia, Final: Djokovic – Alcaraz 7:6, 7:6

2024, Wimbledon, Final: Alcaraz – Djokovic 6:2, 6:2, 7:6

2023, ATP-Finals, Halbfinal: Djokovic – Alcaraz 6:3, 6:2

2023, Cincinnati, Final: Djokovic – Alcaraz 5:7, 7:6, 7:6

2023, Wimbledon, Final: Alcaraz – Djokovic 1:6, 7:6, 6:1, 3:6, 6:4

2023, French Open, Halbfinal: Djokovic – Alcaraz 6:3, 5:7, 6:1, 6:1

2022, Madrid, Halbfinal: Alcaraz – Djokovic 6:7, 7:5, 7:6

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