Hat Doping-Agentur nicht die Wahrheit gesagt?
«Sie zerstört Menschenleben» – Tennis-Ass packt nach Sperre aus

Marketa Vondrousova wurde am Montag bis zum 21. Juni 2030 gesperrt. Der Grund soll ein verweigerter Dopingtest gewesen sein. Jetzt packt die Tschechin ihre Version aus – und wirft viele Fragen auf.
Kommentieren
1/6
Marketa Vondrousova erzählt ihre Geschichte über den Doping-Zoff, der in einer Sperre resultierte.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Marketa Vondrousova wegen angeblich verweigertem Dopingtest vier Jahre gesperrt
  • Vondrousova wirft ITIA Regelverstösse, bürokratische Fehler und Missachtung der Faktenlage vor
  • Sperre bis 2030: Ex-Wimbledon-Siegerin plant Gang zum Sportgerichtshof CAS
RMS_Portrait_531.JPG
Cédric HeebRedaktor Sport

Am Montag drehte sich das Leben von Tennisspielerin Marketa Vondrousova (26) um 180 Grad. Die Tschechin wurde von der International Tennis Integrity Agency (ITIA) für vier Jahre gesperrt, weil sie einen Dopingtest verweigerte.

Das zumindest ist die Version der Agentur. Denn jetzt packt die Wimbledon-Siegerin von 2023 ihre Geschichte aus – und die wirft ein ganz anderes Licht auf die Angelegenheit. Im Interview mit der tschechischen Zeitung «Sport» äussert sie schwere Vorwürfe gegen die ITIA und erklärt, was am 3. Dezember 2025 passiert ist.

Die ITF-Kontrolleurin klingelt um etwa 20 Uhr an ihrer Wohnung in Prag. Vondrousova, die schon seit Jahren an Angstzuständen leidet, gerät in Panik. Sie verlangt Ausweisdokumente, doch die zeigt die Kontrolleurin nicht. «Sie hätte sich ausweisen müssen und auch mich identifizieren müssen», sagt Vondrousova rückblickend. «Wäre statt mir meine Schwester heruntergekommen, die mir ähnlich sieht, hätte die Kommissarin das nicht bemerkt.»

Kontrolleurin sorgte für Panik

Die Frau fordert vehement den Zutritt zur Wohnung. «In dem Moment war das faktisch eine fremde Person. Ich lasse doch nachts keine Fremden in meine Wohnung.» Dass sie sich hätte ausweisen müssen, gibt die Kontrolleurin später bei der Anhörung zu, als Vondrousovas Anwalt sie dahingehend befragt. Die ITIA habe aber in der Urteilsfindung gar nicht berücksichtigt, dass ein bürokratischer Fehler vorlag.

Weil die Kontrolleurin nicht locker lässt, wächst die Angst bei der Tschechin immer mehr. Dann habe die für sie Unbekannte ihr ein Schreiben hingestreckt, das sie in ihrer Panik unterschrieben habe: «Ich sah darin die einzige Lösung, sie zum Gehen zu bewegen.» Als die Frau dann gehen wollte, habe sie Vondrousova gesagt: «Ich glaube nicht, dass das gut für Sie ist.»

Sagte die ITIA nicht die Wahrheit?

Die ehemalige Nummer 6 der Welt schiesst nun scharf gegen die ITIA. Was sie besonders stört, ist ein Satz aus der Mitteilung der Agentur, in der sie die Sperre verkündete. Dieser lautete: «Unsere Tester sind gut trainiert und professionell (...) Sie tragen immer ihre ID mit sich, sodass die Spieler die Identität verifizieren können, wenn sie sich unsicher fühlen.»

Dies sei in ihrem Fall nicht so gewesen: «So verhält sich ein Profi nicht. Wenn nachts jemand in dein Haus eindringen will und sich weigert, sich auszuweisen, ist das für einen Menschen mit einer Angststörung eine absolute Katastrophe.» Für sie sei es unverständlich, dass «die ITIA mit eisiger Gelassenheit behauptet, die Kommissarin habe alle Vorschriften eingehalten, obwohl das nicht stimmt».

Stattdessen behauptete die Agentur, dass Vondrousova die Kommissarin gehindert habe, ihr die Dokumente zu zeigen: «Sie versuchten es so darzustellen, als wäre das Ganze furchtbar schnell abgelaufen und ich hätte ihr keine Chance gegeben.» Das Ganze habe aber rund zehn Minuten gedauert. Vondrousovas Anwalt habe die Kontrolleurin bei der Anhörung gefragt: «Sie hatten also Zeit, das Papier zum Unterschreiben hervorzuholen, aber keine Zeit, um zu beweisen, dass es sich um eine rechtmässige Kontrolle handelte?» Eine Antwort habe die Frau nicht geben können.

«Sie zerstören Menschenleben»

Doch auch die Angststörungen seien bei der Beurteilung nicht berücksichtigt worden. Ihr Freund, der beim Interview dabei ist, bestätigt, dass Vondrousova schon seit Jahren an Ängsten leidet und dadurch Schlaf- und psychische Probleme hat. Drei unterschiedliche Ärzte hätten sie begutachtet und die gleiche Diagnose gestellt.

Doch vor Gericht habe man ihr nicht geglaubt, sagt sie: «Sie behaupten, man würde sich das alles ausdenken.» Besonders erschütternd sei gewesen, dass einer dieser drei Ärzte bei der Anhörung war «und behauptet, dass ich lüge».

Die 26-Jährige überlegt sich nun, den Fall vor den internationalen Sportgerichtshof (CAS) weiterzuziehen: «Die ITIA kann nicht behaupten, dass es sich um eine ordnungsgemäss durchgeführte Kontrolle handelte.» Am schwierigsten sei für sie, dass sie nun den Stempel der Dopingsünderin verpasst bekommen habe. Der zweitletzte Satz des Interviews spricht Bände: «Am meisten erschrecken mich die grenzenlose Macht und die absolute Gelassenheit, mit der sie Menschenleben zerstören.»

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen