Darum gehts
- Marco Brenner gewinnt Polen-Rundfahrt, grösster Profisieg seiner Karriere mit Tudor-Team
- 2025 nach schwerem Sturz zurückgekämpft, unterstützt durch Sportpsychologen
- Vertrag bei Tudor bis 2030, Potenzial für Top-10-Platzierung bei Vuelta
Er ist 1,81 Meter gross und 59 Kilo leicht. 23 Jahre jung, freundlich und ruhig. Doch auf dem Velo wird Marco Brenner zum Löwen. «Was er zuletzt gezeigt hat, war grandios. Ein riesiger Erfolg für ihn und das Team. Wir sind alle sehr erleichtert», sagt Raphael Meyer. Der CEO von Brenners Team Tudor Pro Cycling meint die Polen-Rundfahrt. Brenner gewann sie – sein grösster Sieg bei den Profis. «Das gibt mir viel Selbstvertrauen», sagt er.
Brenner wuchs in Augsburg auf. Schon früh galt er als grosses Talent. Als Junior wurde er mehrfach deutscher Meister – im Zeitfahren und im Strassenrennen. «Mein Vater war Rennfahrer und trainierte mich. Ich kam automatisch in den Sport hinein.»
Mit 17 unterschrieb er seinen ersten Profi-Vertrag beim deutschen Team Sunweb/DSM. Wobei: Seine Eltern unterschrieben ihn, er durfte es noch nicht. 2021 fuhr er erstmals in der World Tour, 2024 wechselte er in die Schweiz zu Tudor.
Seinen Vertrag verlängerte er zuletzt vorzeitig bis 2030. «Hier ist alles sehr familiär. Trotzdem sind alle ehrgeizig. Das taugt mir. Darum wollte ich noch ein Jahr anhängen.»
Für das Team von Fabian Cancellara (45) könnte Brenner zum Lottosechser werden. Auch an der Vuelta? Offiziell geht Tudor auf Etappenjagd. Sollte Brenner nach dem vierten Teilstück – zuvor stehen hügelige und bergige Etappen an – in der Gesamtwertung in Schlagdistanz zu den Top 10 liegen, dürfte das Team seinen Plan anpassen. Brenner ist Allrounder und an Anstiegen explosiv. Zweifel bleiben bei langen Passfahrten.
Brenner fürchtete um seine Zukunft
So oder so gehört Brenner die Zukunft. Mittlerweile lebt er mit seiner holländischen Freundin in Salzburg und fühlt sich pudelwohl. Im Frühling 2025 sah das noch ganz anders aus. Brenner stürzte beim Giro schwer und flog über eine Leitplanke. Er renkte sich die Schulter aus und erlitt eine tiefe Schnittwunde am Oberschenkel. Er hatte Angst.
Gedanken an ein Karriereende gingen ihm durch den Kopf. Monatelang fiel er aus. «Danach war es nicht einfach, wieder im Peloton zu sein. Vor allem, wenn es bergab ging.» Ein Sportpsychologe half ihm. «Ohne ihn wäre es schwierig geworden.»
Das alles ist verarbeitet. Und bei Tudor ist nach dem überraschenden Rücktritt des zweifachen Weltmeisters Julian Alaphilippe (34, Fr) Platz für neue Stars. Brenner könnte einer davon werden.