Darum gehts
Franjo von Allmen (25) hat wenige Wochen nach seiner Olympia-Gala eine unerfreuliche Nachricht erhalten. Athletiktrainer Gabriel Gwerder (28) verkündete anlässlich der Weltcuprennen in Garmisch, dass er die Swiss-Ski-Abfahrtsgruppe verlassen werde, um sich auf sein Trainingszentrum in Stans zu fokussieren.
Für von Allmen kam diese Entscheidung einer besonders bitteren Pille gleich, weil er unter der Anleitung von Gwerder im Kraft- und Ausdauerbereich enorme Fortschritte erzielen konnte. Deshalb hat der dreifache Olympiasieger nach dem Rücktritt seines Schleifers seinen Kopf mit jenem seines Simmentaler-Kumpels Lars Rösti (28) zusammengesteckt. Der gelernte Zimmermann aus Boltigen und der ausgebildete Schreiner aus St. Stephan waren sich schnell einig, Gwerder als Coach für das Trockentraining in der Saisonvorbereitung zu verpflichten.
Menüplan der Ski-Asse überarbeitet
Die erfreuliche Neuigkeit: Gwerder hat die Anfrage von von Allmen und Rösti mit «Ja» beantwortet. «Die Kombination mit Franjo und Lars passt perfekt, weil sie ihren Wohnsitz unweit voneinander haben. Somit müssen sie keine grosse Strecke mit dem Auto zurücklegen, um gemeinsam im Kraftraum zu trainieren. Ich fahre wöchentlich von Stans zu ihnen ins Simmental. Und weil wir nun im Gegensatz zu den letzten Jahren in einer kleinen Gruppe zusammenarbeiten, kann die Qualität des Trainings erhöht werden.»
Gwerder legt aber nicht nur im Kraft- und Ausdauerbereich grossen Wert auf hohe Qualität, er hat auch den Menüplan seiner Schützlinge überarbeitet. «Speziell beim Thema Frühstück hat sich Franjo bis vor kurzem eher wie ein JO-Fahrer als ein Weltklasse-Athlet verhalten», verrät der gebürtige Schwyzer und legt nach: «Wenn ich Franjo auf sein mangelhaftes z Morgä angesprochen habe, hat er immer behauptet, dass ihm für die Zubereitung eines richtigen Sportler-Frühstücks die Zeit fehle. Ich habe ihm deshalb einen Shaker inklusive Stabmixer gekauft, mit dem er sich im Eiltempo eine leistungsfördernde Mahlzeit mit Beeren, Haferflocken und Proteinpulver zubereiten kann.»
Starke Ergebnisse bei Leistungstests
Für das Trainingscamp auf Mallorca wurde der Spitzenkoch Mario Garcia verpflichtet, der den Ski-Helden demonstrierte, wie man richtig gesund kocht. «Jeder Athlet musste in dieser Woche ein Menü zubereiten, das vom Abfahrtsteam und von Garcia bewertet wurde. Lars hat sich dabei mit einer Quinoa-Reis-Bowl den goldenen Löffel erkocht, Franjo hat sich mit einer Thunfisch-Pasta im Mittelfeld platziert.»
Sehr stark waren dafür ein Grossteil der Ergebnisse, die von Allmen bei den obligaten Leistungstests im Trainingszentrum seines Sponsors Red Bull im österreichischen Thalgau abgeliefert hat. «Bezüglich der Schnellkraft hat Franjo zwar noch Aufholbedarf. Aber im Ausdauerbereich hat er einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Es ist aber auch der klare Anspruch, dass sich Franjo jedes Jahr verbessert», betont Gwerder.
Verbesserungen auch bei Lars Rösti
Verbessert hat sich in den letzten Monaten offensichtlich auch Lars Rösti, der im vergangenen Winter mit dem sechsten Rang auf der WM-Strecke in Crans-Montana sein bislang bestes Weltcupergebnis herausgefahren hat. Gwerder: «So konsequent arbeitend wie in diesem Sommer habe ich Lars noch nie erlebt.»
Das Ski-Training werden Franjo von Allmen und Lars Rösti am 9. August auf dem Zermatter Gletscher in Angriff nehmen.