Darum gehts
Lara Gut-Behrami (35) hat den Schweizer Skisport nicht nur mit ihren Erfolgen geprägt. Sie hat ihn verändert. Das sagt Urs Lehmann (57), der ehemalige Swiss-Ski-Präsident und heutige FIS-CEO, der Laras Karriere seit 2006 aus nächster Nähe miterlebte. Für ihn steht die Tessinerin deshalb für mehr als Weltmeistertitel, Olympiamedaillen und Kristallkugeln.
«Es gibt einen Begriff, den Lara mitgeprägt hat: das sogenannte Privatteam», schreibt Lehmann exklusiv für Blick über seine Erinnerungen. Schon mit 16 Jahren flog Gut-Behrami mit ihrer Familie nach Südamerika. Im Schweizer Verband habe die junge Tessinerin für Staunen und einige Fragezeichen gesorgt. «Uns wurde berichtet, dass eine junge Tessinerin ohne Punkte extrem schnell sei. Wir fragten uns: Was tun wir jetzt? Wie konnte man ihr Privatteam in das System integrieren?»
Die Familie Gut brachte den Verband damals an seine Grenzen. Doch genau daraus entstand laut Lehmann ein Umdenken. Athletinnen und Athleten sollten individueller betreut werden können, wenn es für ihre Entwicklung sinnvoll ist: «Die heutige Individualisierung haben wir zu einem grossen Teil Lara zu verdanken.»
Eine Teenagerin trägt die Verantwortung
Was Lehmann ebenso beeindruckte, war die Verantwortung, die Gut-Behrami schon als junge Frau übernahm. Mit 18 oder 19 Jahren habe sie die finanzielle Verantwortung für ihre Familie übernommen. Ihre Eltern Pauli und Gabriella gaben ihre Jobs auf und stellten ihr Leben in den Dienst der Karriere ihrer Tochter. «Ich war in Sitzungen dabei, wo die Teenagerin für die ganze Familie sprach. Mit den Obersten des Verbands, mit Managern. Das war ausserordentlich.»
Und genau diese Familie dürfe in der Rückschau nicht vergessen werden, findet Lehmann. Pauli als Trainer, Gabriella als ständige Begleiterin, beide seien ein grosser Teil von Laras Erfolg. Er selbst durfte die gesamte Entwicklung miterleben: von der «unbekümmerten Keckheit» der jungen Gut bis zur reifen Frau, die genau wusste, was sie braucht und was nicht.
«Die Hochs, die Tiefs, die Herausforderungen. Die Annäherungen an den Verband. All das habe ich bei keinem anderen Athleten oder keiner anderen Athletin erlebt», schreibt Lehmann. Auch ihr Umgang mit den sozialen Medien, ihr Erfolg, ihre Konsequenz: Für ihn fügt sich alles zu einem Bild zusammen. «Unglaublich, einmalig, konsequent – einfach der Lara-Stil.»