Die Karriere von Gut-Behrami in 90 Sekunden
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17 Jahre Ski-Weltklasse:Die Karriere von Gut-Behrami in 90 Sekunden

«Lara hat sich wohl das Lachen verkniffen»
Weggefährten erzählen persönliche Anekdoten zu Gut-Behrami

Lara Gut-Behrami beendet ihre Karriere. Blick hat mit Weggefährten und Trainern gesprochen. Sie erzählen von ihrem kompromisslosen Ehrgeiz, ihrer klaren Haltung, persönlichen Momenten und einer Athletin, die viele erst mit etwas Abstand richtig verstanden haben.
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Hinter den grossen Siegen, Kristallkugeln und Medaillen gibt es unzählige Geschichten, die Lara Gut-Behramis (35) Karriere geprägt haben. Menschen, die sie über Jahre begleitet, mit ihr trainiert, gearbeitet, gelacht oder auch gestritten haben, erinnern sich an ganz persönliche Momente. Blick zeigt die spannendsten Erinnerungen ihrer Weggefährten.

«Lara wollte mich vom Rücktritt abbringen»

Dominique Gisin (41) erinnert sich an eine Episode 2015 in Italien. «Ich war ausgebrannt, hatte eine verrückte Karriere hinter mir. Im Training teilte ich allen mit, dass ich zurücktreten würde», schildert die Olympiasiegerin von 2014. «Lara war ziemlich überrascht, redete lang mit mir. Und das, obwohl sie wegen ihres Privatteams nicht so nahe an unserem Team dran war. Sie hakte mehrmals nach, ob ich nicht doch weiterfahren könnte. Das hat mich sehr berührt.»

Gisin verfolgte Gut-Behramis Karriere danach aus der Ferne weiter: «Meine zweite Erinnerung ist noch nicht lange her. Von ihrer grossartigen Karriere jene, die für mich am meisten heraussticht. Weltcupfinale in Sun Valley, März 2025, Super-G. Lara gewann in einer Art und Weise, wie nur sie es kann. Für mich ist das die beeindruckendste Leistung auf Ski, die ich je gesehen habe. Diese Fahrt, in ihrer Geradlinigkeit und Radikalität – das konnte ich nie und bewundere das an ihr umso mehr.»

Gemeinsam 2014 auf dem Olympia-Podest: Lara Gut-Behrami und Dominique Gisin (r.).
Foto: KEY

«Das verbindet mich bis heute mit der Familie Gut»

Als Gut-Behrami als Supertalent in den Weltcup kam, war Nadia Hürlimann-Styger (47) mit ihren vier Weltcupsiegen eine der Team-Routiniers. «Mit 16 Jahren fuhr Lara in St. Moritz ihre erste Abfahrt. Und dann gabs gleich Platz 3, trotz eines Sturzes kurz vor dem Ziel. Ich war damals 30 und stand im Zielraum. Und wusste, Lara kommt noch. Sie zeigte eine beeindruckende Fahrt, meisterte alles bravourös. Sie überlegte nicht zu viel und fuhr direkt in die Weltspitze hinein. Das vergesse ich nie.»

Hürlimann-Styger fällt noch eine weitere Szene ein: «Im November 2010 erlitt ich beim Riesen-Training in Kanada einen offenen Unterschenkelbruch. Diese Erinnerung hat nicht mit Lara, aber mit ihrem Vater Pauli zu tun. Es war deutlich unter null Grad und er war der Erste bei mir, kümmerte sich eine halbe Stunde um mich, ehe ich abtransportiert wurde. Das verbindet mich bis heute mit der Familie Gut.»

Nadia Hürlimann-Styger (r.) über Laras Weltcup-Debüt: «Das vergesse ich nie.»
Foto: RINGIER AG

«Lara beeindruckte mich mit ihrer klaren Haltung»

Abfahrts-Weltmeisterin Jasmine Flury (32) war jahrelang Teamkollegin von Gut-Behrami. «Lara beeindruckte mich stets mit ihrer authentischen Art und ihrer klaren Haltung. Sie ist sich selbst genauso wie ihren persönlichen Werten über all die Jahre treu geblieben, das bewundere ich. Lara wird nicht nur als Sportlerin fehlen, die uns mit ihrem Ehrgeiz und ihren Ambitionen immer wieder gepusht hat, sondern auch als Mensch, der mir auch in schwierigen Momenten zur Seite stand. Danke für alles, Lara!»

Jasmine Flury (l.) über Lara Gut-Behrami: «Sie stand mir auch in schwierigen Momenten zur Seite.»
Foto: Sven Thomann

«Sie hat sich wohl das Lachen verkniffen»

Georg Fraisl ist langjähriger Ski-Reporter bei der «Kronen Zeitung» in Österreich. Ihm fällt sofort die verhängnisvolle WM 2017 in St. Moritz ein. «Aber noch bevor sich Lara das Kreuzband riss», schildert Fraisl. «Ein Bandscheibenvorfall zwang mich während der WM zum täglichen Besuch des Fitnessraums. Gleich neben dem Medienhotel Reine Victoria, in der Therme. Lara hatte auch Blessuren, weil sie in Cortina vor der WM gestürzt war – und war ebenfalls Tag für Tag mit ihrem Fitness-Coach dort. Der Unterschied in der Kondi-Arbeit eines fast 60-Jährigen und einer Top-Athletin war zum Vögelkriegen (schmunzelt). Lara hat sich das Lachen wohl das eine oder andere Mal verkniffen.»

Georg Fraisl erinnert sich an eine ungewöhnliche Begegnung abseits der Piste.
Foto: Sven Thomann

«Für sie waren 95 Prozent nie genug»

Patrick Flaction arbeitete während 14 Jahren als Konditionstrainer mit Lara Gut-Behrami zusammen und erlebte ihren kompromisslosen Ehrgeiz aus nächster Nähe. «Sie hat nie 95 Prozent akzeptiert», sagt er. «Ob Qualität, Intensität oder Trainingsumfang – sie suchte immer die 100 Prozent.» Gerade deshalb sei sie für ihn eine Traumathletin gewesen: «Lara zu trainieren war wie ein Formel-1-Auto zu betreuen. Sie war immer nahe an ihrer Maximalleistung.» Entscheidend sei für Gut-Behrami nie nur das Resultat gewesen, sondern die eigene Leistung: «Sie wollte immer die beste Version von sich selbst zeigen.» Flaction ist überzeugt, dass Gut-Behrami deshalb oft missverstanden wurde. «Viele sahen nur ihre Unzufriedenheit oder ihre Direktheit. Dabei ging es ihr nie darum, ob sie gewonnen oder verloren hatte, sondern darum, ob sie ihre beste Leistung gezeigt hatte.»

14 Jahre lang feilte Patrick Flaction (l.) an Lara Gut-Behramis Leistung.
Foto: KEY

«Ich habe ihr gesagt: Du hast dich richtig entschieden»

Trainer-Gigant Karl Frehsner (87) sitzt am Mittwochabend in Zürich mit den beiden Blick-Reporter-Legenden Roger Benoit und Marcel W. Perren beim Abendessen, als die Runde von Gut-Behramis Rücktritt erfährt. «Ich war nicht überrascht», sagt der frühere Berater ihres privaten Ski-Teams. Frehsner ruft noch am selben Abend die Tessinerin an. «Ich habe ihr gesagt: Du hast dich richtig entschieden.» Ebenfalls bedankt er sich für die gemeinsame Zeit und richtet Grüsse an die Eltern und den Bruder aus. Dass er das von Pauli Gut initiierte Team eine Zeit lang beraten hat, mag Frehsner nicht überbewerten. «Ich habe ihr nicht das Skifahren beigebracht. Ich habe lediglich ab und zu geholfen, wenn sie einen Rat brauchte.» Welcher Charakterzug bleibt dem gebürtigen Österreicher aus der glanzvollen Karriere am meisten in Erinnerung? «Sie hat immer klare Ideen, einen klar definierten Weg und klare Ziele gehabt. So hat sie alles erreicht, was sie wollte.»

Karl Frehsner erkannte früh: «Lara wusste immer genau, was sie wollte.»
Foto: Urs Bucher

«Bei Lara musstest du vorbereitet sein»

SRF-Kommentator Marco Felder hat Lara Gut-Behrami über viele Jahre an Weltcups und Grossanlässen begleitet. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ihre kompromisslose Art im Umgang mit Medien. «Sie hat sofort gemerkt, ob jemand vorbereitet war oder nicht», sagt Felder. Gerade deshalb habe er sich auf Interviews mit der Tessinerin jeweils besonders akribisch vorbereitet und bewusst nach neuen, überraschenden Einstiegen gesucht. Rückblickend sagt er: «Sie hat mich somit auch ein wenig zu einem besseren Journalisten gemacht. Weil ich wusste: Für ein Gespräch mit Lara musst du speziell gut vorbereitet sein.»

Lara Gut-Behrami verlangte von Marco Felder (r.) stets eine gute Vorbereitung.
Foto: Andy Mettler

«Sie schenkte mir ihren Helm und ein Renntrikot»

Roger Wilfinger ist COO des Schweizer Getränkeherstellers Ka-Ex und erinnert sich an eine Seite der Olympiasiegerin, die viele kaum zu sehen bekamen. «Ich habe Lara überhaupt nicht als hart und kühl erlebt. Sie war extrem zugänglich, sympathisch und hochprofessionell. Sie wusste immer genau, was sie wollte.» Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Treffen nach ihrer Verletzung Anfang des Jahres in Lugano TI. Bei einem Mittagessen entstand die Idee für ein Filmprojekt, das Gut-Behrami später erstmals von ihrer privaten Seite zeigte. Als Dank schenkte sie Wilfinger ihren Helm und ihr Renntrikot – das grüne Startdress mit der Nummer 6, das sie bei ihrem letzten Rennen in Sölden im Oktober 2025 trug und mit dem sie Dritte wurde. Heute stehen die Erinnerungsstücke in seinem Büro. «Das war sehr berührend und ein wunderschönes Geschenk», sagt Wilfinger.

Ein Abschiedsgeschenk mit besonderer Bedeutung für Roger Wilfinger.

«Nicht nur eine Siegerin, sondern auch nahbar»

Annalisa Gerber kennt Gut-Behrami seit deren ersten Weltcup-Jahren und begleitete sie als Swiss-Ski-Geschäftsleitungsmitglied über viele Jahre. Für sie bleibt die Tessinerin vor allem eine Ausnahmeathletin. «Wäre sie nicht so gewesen, wie sie war, wäre sie nie so erfolgreich geworden.» Gleichzeitig erinnert sich Gerber an eine weniger bekannte Seite: Bei einem Swiss-Ski-Sommeranlass im letzten Jahr habe Gut-Behrami einen ganzen Tag mit Kindern verbracht. «Sie hat dort eine super Seite von sich gezeigt.»

Annalisa Gerber kennt auch die weniger bekannte Seite der Ausnahmeathletin.
Foto: Sven Thomann
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