Bei den Junioren hat Giovanni Franzoni (24) dreimal WM-Gold gewonnen (2021 im Super-G, 2022 in Abfahrt und Kombi). In diesem Winter gehört er im Weltcup zu den Senkrechtstartern. Er fährt am Lauberhorn (Super-G) und auf der Streif (Abfahrt) seine ersten Siege ein. «Ich glaube, ich werde das erst im Sommer richtig verarbeiten können», sagt er im Interview mit der «Gazzetta dello Sport».
Dass er dereinst Erfolge in den Speed-Disziplinen feiern würde, war ursprünglich nicht so geplant. «Als ich mit dem Skifahren angefangen habe, wollte ich Slalom-Champion werden», blickt der Italiener auf seine Anfänge zurück. Damals immer an seiner Seite: Zwillingsbruder Alessandro. Während ihrer Kindheit hätten sie sich in allem gemessen – nicht nur im Skifahren. «Er war immer besser als ich – zumindest bis wir 16 waren.»
2019 hat sein Bruder die Ambitionen auf eine Skikarriere aufgegeben, arbeitet heute als Skilehrer. Und Giovanni Franzoni hat irgendwann seine Liebe zum Speed entdeckt. «Wenn man einmal die Geschwindigkeit gespürt hat, lässt einen dieses Gefühl nicht mehr los, es bleibt für immer in einem», erklärt er. «Bei 150 km/h fühle ich mich vollkommen frei.»
Riesenslalom als dritte Disziplin
Ganz von den technischen Disziplinen weggekommen ist Franzoni nicht. Riesenslalom trainiert er noch immer. Das habe ihn für die technischen Aspekte im Speed sensibler gemacht, meint er. Und deutet an, dass diese Disziplin ein mittel- bis langfristiges Projekt ist. 22-mal ist er bisher im Weltcup gestartet – Punkte hats einmal als 24. gegeben.
Sollte es plötzlich Klick machen, hätte er drei starke Disziplinen – wie Marco Odermatt (28). Das riecht nach einem packenden Duell um den Gesamtweltcup. Daran will Franzoni noch nicht denken. «Da habe ich noch einiges vor mir». Odermatt hingegen habe «Weltcups, Olympia- und WM-Gold gewonnen und bereits 100 Podestplätze erreicht. Jetzt selbst mit ihm konkurrieren und versuchen zu können, sein Niveau zu erreichen, macht mich wirklich stolz.»
Bevor die beiden sich allenfalls um die grosse Kugel duellieren, liegt der Fokus auf der Olympia-Abfahrt (Samstag, 11.30 Uhr). Der Druck einer ganzen Nation lastet dabei mitunter auf Franzonis Schultern. Denn Italien wartet seit 1952 und dem Triumph von Zeno Colò (1920–1993) auf Abfahrtsgold.