Entthront als Riesen-König
Kugel-Drama um Odermatt – Meillard mit Podestjubel

Marco Odermatt scheidet im ersten Lauf aus und wird als bester Riesenslalom-Fahrer entthront. Die Kugel und der Sieg gehen an Lucas Braathen. Dank Loïc Meillard gibts dennoch Schweizer Podestjubel.
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Schock für Marco Odermatt: Der Führende in der Riesenslalom-Disziplinenwertung scheidet im ersten Lauf aus.
Foto: keystone-sda.ch

Das Podest

1. Lucas Braathen (Bra) 2:20,65
2. Loïc Meillard (Sz) +0,58
3. Atle Lie McGrath (No) +0,87

Das Rennen

Anstatt seinen Kugel-Konkurrenten Lucas Braathen mit Startnummer 1 unter Druck zu setzen, sorgt Marco Odermatt für einen Schweizer Ski-Schock. Nach rund 20 Sekunden kommt er mit grossen Problemen über eine Welle, kann sich zwar mirakulös retten – aber steht kurz darauf trotzdem neben der Piste. Odermatt scheidet im ersten Lauf aus – nach Copper Mountain (USA) zum zweiten Mal in dieser Saison. Damit bleiben für ihn nur noch die Zuschauerrolle und das grosse Zittern um die Kugel. Denn mit dem Out ist klar: Braathen reicht Rang 4, um den Nidwaldner bei letzter Gelegenheit noch zu überflügeln. Als Halbzeit-Leader hat der Brasilianer alles in den eigenen Händen. Oder gibts einen lachenden Dritten? Loïc Meillard lauert auf Rang 3 – holt er den Sieg und Braathen fällt noch vom Podest, ist er der Kugelgewinner. Für Spannung bis zum Schluss ist gesorgt.

Meillard als drittletzter Athlet erfüllt die Pflicht – und macht mit der Führung Druck auf Braathen. Das vierte Riesenslalom-Podest in diesem Winter ist ihm auf sicher. Gibts sogar noch mehr? Stefan Brennsteiner kann ihn nicht von der Spitze verdrängen. Damit ist klar: Odermatt wird die Kugel nicht gewinnen. Am Ende geht sie an Braathen. Mit einer souveränen Fahrt bringt er den Sieg nach Hause. Und schreibt mit dem Kugelgewinn ein weiteres Kapitel Ski-Geschichte. Nie zuvor hat ein Brasilianer Kristall gewonnen.

Die Schweizer

16. Luca Aerni +2,73
17. Thomas Tumler +2,82
DNF1: Marco Odermatt

Luca Aerni hat Mühe mit den Wellen, hebt gleich zweimal ab. Und handelt sich so am Morgen einen Rückstand von über zwei Sekunden ein. Die grosse Aufholjagd bleibt in der Entscheidung aus. Er verpasst die zwischenzeitliche Führung deutlich. Und fällt noch aus den Punkterängen.

Letzten Winter ist Thomas Tumler in Hafjell als Dritter aufs Podest gefahren. Davon ist er zur Halbzeit weit entfernt. Auch er hat vor allem bei den Wellen Probleme und büsst zwei Sekunden auf die Bestzeit ein. Im zweiten Lauf legt er ganz stark los, fährt in der ersten Hälfte einen grossen Vorsprung heraus. Doch dann kommen die Probleme, er verliert unten raus noch viel Zeit. Und fällt hinter Teamkollege Aerni zurück. Am Ende reicht das nicht bei ihm nicht für Punkte.

Die Stimmen gegenüber SRF

Marco Odermatt: «Ich bin nicht schlecht gestartet, hatte eigentlich ein gutes Gefühl. Im Nachhinein bin ich vielleicht etwas zu aggressiv in den Lauf gegangen. Vom Mindset her wollte ich die Nummer 1 ausnutzen und das ist nicht aufgegangen. Der Kugel-Kampf hat keine Rolle gespielt. Ich wollte mit einem guten Rennen abschliessen, das heisst für mich, um den Sieg zu fahren. Logisch wollte ich die Kugel gewinnen, sie aus eigener Kraft einfahren und die Emotionen haben. Es ist nicht so, dass ich extra ausgeschieden bin. Jede Kugel hat einen grossen Wert und der Riesenslalom ist meine Hauptdisziplin – vielleicht gewesen. Ich hoffe, es war nicht die letzte Chance. Aber in diesem Winter habe ich vier Abfahrten gewonnen, was irgendwie zum Hauptfokus geworden ist. Als ich vor zwei, drei Jahren so gut in Form war, wars noch umgekehrt. Damals hätte ich den ersten Fehler gemacht und den zweiten nicht – dann hätte ich einen grossen Rückstand gehabt und es wäre noch viel möglich gewesen. Jetzt ist das gewisse Etwas nicht mehr ganz da. Es ist noch offen, wie es mit dem Riesenslalom weitergeht. Nächstes Jahr hab ich ihn noch im Kopf und in der Planung, will noch einmal Gas geben. Wir haben eine Heim-WM und ich bin noch gut genug, um um die Medaillen und die Kugel zu fahren. Aber danach ist vielleicht irgendwann Schluss.»

Loïc Meillard: «So nah war die Kugel für mich nicht, da musste viel zusammenpassen. Ich wusste, dass ich gewinnen muss. Ich habe alles gegeben, am Ende ists Platz 2. Braathen hat die Kugel verdient gewonnen. Auch wenns nicht für eine Kugel gereicht hat, war es eine gute Saison.»

Luca Aerni: «Vor allem im ersten Lauf wollte ich oben zu viel und auf den Wellen bin ich brutal abgehoben. Aber es waren auch wieder gute Sachen drin. Mit der Saison bin ich zufrieden, ich bin mir treu geblieben. Ich bin stolz auf mich, wie ich das handeln konnte. Der Podestplatz in Val d'Isère war natürlich das Highlight.»

Das gab zu reden

Zum fünften Mal in Serie gewinnt Marco Odermatt den Gesamtweltcup. So schwache Resultate wie dieses Mal hat er in den letzten Rennen, bevor ihm die grosse Kugel überreicht wird, selten eingefahren. 2022 bei der Premiere gibts beim Weltcupfinal zwei zweite Plätze (Super-G, Abfahrt) und einen Sieg (Riesenslalom). Im Folgejahr wird Odermatt 15. in der Abfahrt und feiert zwei Siege (Super-G, Riesenslalom). Bereits 2024 scheidet er im finalen Riesenslalom aus – allerdings im zweiten Lauf – und beendet den Super-G als Fünfter – die Abfahrt fiel dem Wetter zum Opfer. Auch letzten Winter findet der Weltcupfinal ohne Abfahrt statt. Und Odermatt wird im Riesenslalom Zweiter und im Super-G Fünfter. In Lillehammer gibts nun erneut keinen Sieg für den Nidwaldner. Stattdessen reisst mit Platz 19 seine Mega-Serie im Super-G, wo er sich im Weltcup 30-mal in Folge in den Top 7 klassiert hat und im Riesenslalom scheidet er bereits im ersten Lauf aus. Und auch in der Abfahrt verpasst Odermatt als Siebter das Podest. 

Das gab zu reden II

Zum 60. Mal wird die kleine Kugel im Riesenslalom vergeben. Bisher haben acht Nationen die Sieger gestellt: Frankreich, Österreich, Italien, Schweden, Luxemburg, Norwegen, die USA und die Schweiz. Nun kommt eine neunte Nation dazu: Brasilien. Nach Olympia-Gold schreibt Lucas Braathen ein weiteres Mal Geschichte und sichert dem südamerikanischen Land erstmals eine kleine Kristallkugel. Im letzten Rennen verhindert er, dass Odermatt uns die 14. Riesen-Kugel bei den Männern sichert. Und beendet damit nach vier Saisons die Amtszeit des Riesen-Königs. Damit kann Odermatt auch Michael von Grünigen nicht überflügeln, beide haben weiterhin viermal die Disziplinenwertung gewonnen.

Das gab zu reden III

Dreimal WM-Gold (zweimal in der Kombi, einmal im Team), drei Olympiamedaillen (Silber in der Kombi und zweimal Riesenslalom-Bronze), einmal die grosse und achtmal eine kleine Kugel hat Alexis Pinturault in seiner Karriere unter anderem gewonnen. Hinzu kommen 34 Weltcupsiege und total 77 Podestplätze. Nun macht der Franzose Schluss. Sein 356. Rennen auf höchster Stufe ist sein letztes. Vier Tage nach seinem 35. Geburtstag verabschiedet sich Pinturault in die Ski-Rente. Und geht im zweiten Lauf noch einmal zwischenzeitlich in Führung. Ein schöner Schlusspunkt unter eine grosse Karriere, die mit einem 11. Rang endet.

Foto: keystone-sda.ch

Die Bedingungen

Der Himmel über Hafjell ist bewölkt und ein teils zügiger Wind weht. Hinzu kommt am Morgen leichter Regen, der die Aufgabe nicht einfacher macht. Die Piste aber ist gut präpariert, hält der Beanspruchung stand obwohl sie weich ist. Eine besondere Herausforderung für die Athleten sind die Wellen, die es zu meistern gilt. Rechtzeitig zum Start der Entscheidung lichten sich die Wolken und die Sonne scheint zumindest teilweise auf die Piste. Der Wind ist aber trotzdem noch da. Deswegen sind einige der Torflaggen eingedreht, damit sie weniger Angriffsfläche für den Wind bieten.

So gehts weiter

Der letzte Riesenslalom des Winters ist Geschichte. Ausstehend ist bei den Männern nur noch der Slalom, der am Mittwoch (1. Lauf 9.30 Uhr) über die Bühne geht. Dann verabschieden sich die Ski-Stars in die wohlverdiente Sommerpause. Die nächste Saison beginnt dann wie immer Ende Oktober mit dem Riesenslalom in Sölden (Ö).

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