Das Podest
1. Loïc Meillard (Sz) 2:10,07
2. Luca Aerni (Sz) +0,18
3. Marco Odermatt (Sz) +0,33
Das Rennen
Totaler Schweizer Triumph in Val d'Isère! Loïc Meillard gewinnt den Riesenslalom vor Luca Aerni und Marco Odermatt. Es ist die grosse Auferstehung des Wallisers. Nach einer Enttäuschung nach der anderen zu Beginn der Saison gelingen ihm zwei starke Läufe. Zur Halbzeit noch Fünfter, zaubert er am Nachmittag eine Fahrt in den Schnee, an der sich die Konkurrenz die Zähne ausbeisst. Als er ins Ziel kommt, verdrängt er Aerni von der Spitze. Aerni macht seinerseits im zweiten Lauf elf Positionen gut und fährt erstmals im Riesenslalom aufs Podest.
Nach Meillard ist die Reihe an Odermatt. Er jagt in Val d'Isère nicht nur seinen fünften Sieg in Serie, sondern auch den 50. Weltcup-Triumph. Beides knackt er nicht, kann am Ende aber eine Position gutmachen. Denn danach können weder Timon Haugan, noch Henrik Kristoffersen und Halbzeit-Leader Stefan Brennsteiner das Schweizer Trio verdrängen. Während Meillard seinen achten Sieg feiert, ist es für Aerni der zweite Podestplatz seiner Karriere. Odermatt steigt zum 93. Mal aufs Treppchen.
Die Schweizer
22. Thomas Tumler +1,63
Den 2. Lauf verpassen: 44. Sandro Zurbrügg +2,83, 46. Lenz Hächler +3,16, 47. Fadri Janutin +3,27, 56. Livio Simonet +4,30
Thomas Tumler eröffnet mit Nummer 1 das Rennen. Zwei, dreimal kommt er von der Ideallinie ab, hat mit Problemen zu kämpfen. Dennoch ist er zur Halbzeit voll dabei. Als Siebter trennen ihn gute vier Zehntel vom Podest. Der grosse Angriff bleibt dann allerdings aus. Schon früh bremst ihn ein Riesenbock aus, Tumler fällt weit zurück.
In Beaver Creek hat Lenz Hächler die ersten Weltcuppunkte seiner Karriere eingefahren. Auf der Face de Bellevarde kann er nicht nachdoppeln. Er verliert im ersten Lauf zu viel Zeit und verpasst die Qualifikation für die Entscheidung um knapp eine Sekunde. Auch Sandro Zurbrügg, Fadri Janutin und Livio Simonet dürfen kein zweites Mal mehr ran.
Die Stimmen gegenüber SRF
Marco Odermatt: «Unglaublich. Nach dem Abschwingen dachte ich nicht, dass es fürs Podest reicht. Erst nach einer Zeit habe ich gesehen, dass Luca noch Zweiter ist. Bei ihm hat man schon in den letzten Rennen gesehen, dass er immer besser im Riesen in Schwung kommt. Es ist mega cool für ihn. Im zweiten Lauf bin ich oben gar nicht reingekommen, ich habe allgemein nicht die gleiche Spannung hinbekommen wie in Beaver Creek. Dann hab ich versucht zu stechen – es war ein Murks. Aber man weiss, hier runter ist es immer ein Kampf. Wenn es trotzdem so aufgeht mit Loïc und Luca auf dem Podest, ist es umso schöner.»
Loïc Meillard: «Unglaublich. Ein Dreifach-Sieg ist immer speziell. Wenn ich Vierter geworden wäre, wäre ich auch zufrieden gewesen. Das wäre auch ein guter Schritt nach vorne gewesen. In dem Lauf musste man technisch sauber fahren und nicht voll attackieren, das gefällt mir. Ich habe geschafft, das umzusetzen. Für Luca ist es voll cool. Er hat in den letzten Jahren hart gearbeitet. Das ist auch schön fürs Team.»
Luca Aerni: «Das erste Riesenslalom-Podest bedeutet mir sehr viel. Nach dem Fehler im ersten Lauf habe ich mir vorgenommen, noch einmal so zu fahren, einfach ohne Fehler. Das ist aufgegangen. Die Fehler muss man immer mitnehmen, die haben immer eine Bedeutung. Vielleicht hätte ich sonst nicht so angegriffen im zweiten Lauf. Dass ich das mit Loïc und Marco teilen kann, ist umso schöner.»
Marco Odermatt nach dem 1. Lauf: «Ich bin solide gefahren, das war in den letzten Jahren bei schwierigen Bedingungen das richtige Rezept. Heute hätte ich mehr angreifen sollen. Das hab ich gemerkt, als ich den anderen zugeschaut habe. Der Schnee ist einfacher, man kann mehr Gas geben und angreifen. Das musste man, sonst hat man viel Zeit verloren. So wie ich im oberen Teil.»
Das gab zu reden
Die letzten vier Riesenslaloms in Val d'Isère hat Marco Odermatt allesamt gewonnen. Und jedes Mal lag er schon zur Halbzeit in Führung. 2021 waren es 32 Hundertstel vor Alexis Pinturault, im Folgejahr distanzierte er Manuel Feller um 45 Hundertstel. Den grössten Vorsprung fuhr er 2023 heraus, als er nach dem ersten Lauf 65 Hundertstel vor Henrik Kristoffersen klassiert war. Auch letztes Jahr war Kristoffersen hinter dem Nidwaldner Zweitschnellster – mit 15 Hundertsteln Rückstand. Nun reisst diese Serie. Odermatt ist nach dem ersten Lauf auf Rang 4 klassiert. Eine knappe halbe Sekunde hinter dem Führenden Stefan Brennsteiner. Der Sprung an die Spitze bleibt aus – er fällt noch hinter zwei Teamkollegen zurück, aber wird am Ende Dritter. Damit reisst seine Sieges-Serie in Val d'Isère. Und auch der 50. Weltcupsieg muss vorerst noch warten. Die nächste Chance gibts am kommenden Donnerstag in der Abfahrt von Gröden (It).
Das gab zu reden II
Als Luca de Aliprandini nach seiner ersten Fahrt ins Ziel kommt, wird er von den Emotionen übermannt. Der Italiener wird durchgeschüttelt. Nicht wegen seiner Leistung – er ist zur Halbzeit Zwölfter – sondern weil harte Tage hinter ihm liegen. Seine Verlobte Michelle Gisin stürzt am Donnerstag im Abfahrtstraining schwer, muss noch gleichentags an der Halswirbelsäule und der rechten Hand operiert werden. De Aliprandini steht ihr zur Seite, reist erst kurzfristig nach Val d'Isère, um in seiner einzigen Disziplin zu starten. Eine unglaubliche Belastung. Von den Konkurrenten gibts viel Zuspruch, den ganzen Tag gibts für de Aliprandini aufmunternde Umarmungen und Schulterklopfer.
Das gab zu reden III
Die Face de Bellevarde gilt als besonders selektiver Hang. Im ersten Lauf dauert es aber lange, bis sie einem Athleten zum Verhängnis wird. Der Norweger Oscar Andreas Sandvik ist mit Startnummer 38 der erste, der es nicht ins Ziel schafft. Insgesamt scheiden am Morgen nur sechs der 63 Startenden aus. Das hat in den letzten Jahren auch schon anders ausgesehen. 2024 scheiden beispielsweise zehn Fahrer aus, 2023 sind es gar 22.
Die Bedingungen
Blauer Himmel und Sonnenschein – besser könnten die Bedingungen in Val d'Isère nicht sein. Das hat in den letzten Jahren mit Wolken und Schneefall auch schon ganz anders ausgesehen. Bei der Einfahrt in den Steilhang gehts vom Licht in den Schatten. Im zweiten Lauf breitet sich dieser immer weiter aus. Der Schnee ist eher auf der weichen, dafür angriffigen Seite.
So gehts weiter
Am Sonntag steht an gleicher Stätte ein Slalom auf dem Programm. Auf den nächsten Riesenslalom müssen die Athleten nicht lange warten, er steigt bereits in acht Tagen in Alta Badia (It). Dazwischen sind zwei Abfahrten (Donnerstag und Freitag) sowie ein Super-G (Samstag) in Val Gardena (It) vorgesehen.

