Der Schlussgang
Armon Orlik und das Zürcher Kantonalschwingfest – das passt. 2013 holt er an einem solchen den ersten Kranz seiner Karriere, 2015 (erster Kranzfestsieg) und 2024 triumphiert er und nun verteidigt der Bündner seinen Titel erfolgreich. Im Schlussgang trifft er auf Samir Leuppi, den Zürcher, der gerne den Heimsieg feiern würde. Klar ist: Nur wer den Schlussgang für sich entscheidet, der gewinnt das Fest. Ansonsten heisst der Sieger Marcel Räbsamen. Orlik lässt daran keine Zweifel aufkommen. Er braucht nur 50 Sekunden, um Leuppi aufs Kreuz zu legen – und über den Festsieg zu jubeln.
Die Siegerstimme
Armon Orlik gegenüber Swiss 1: «Es ist perfekt aufgegangen. Ich habe schon damit gerechnet, dass ich um den Sieg mitschwingen kann. Der Start (Gestellter gegen Andreas Döbeli, Anm.d.R.) war nicht ideal, da fehlts noch an der Konsequenz. Ansonsten waren es gute Gänge. Ich bin zufrieden. An einem Zürcher Kantonalen habe ich den ersten Kranz geholt und den ersten Kranzfestsieg gefeiert, deswegen bin ich positiv eingestellt. Die Tagesform war gut, es hat alles zusammengepasst.»
Die Schlussrangliste
Das seltene Duell
Armon Orlik und Samir Leuppi treffen nicht oft aufeinander – und wenn, dann tun sie es meist am Zürcher Kantonalen. Mit dem Schlussgang bestreiten sie ihr fünftes Duell an diesem Fest. Die bisherige Bilanz: Zwei Gestellte und zwei Siege für Orlik. Die Gestellten gab es 2021, wo sie beim Anschwingen und im Schlussgang aufeinandertrafen. Nicht nur am Zürcher Kantonalen konnte Leuppi den Bündner bis anhin nicht bodigen. Auch in vier weiteren Duellen gab es zwei Gestellte und zwei Orlik-Siege. Zuletzt haben sie dreimal gestellt, Orliks letzter Sieg gegen Leuppi datiert aus dem Jahr 2019 beim Bündner-Glarner. Und auch dieses Mal kann sich Leuppi nicht durchsetzen. Er wird zum fünften Mal aufs Kreuz gelegt.
Die Überraschung
Domenic Schneider steigt als Mitfavorit ins Sägemehl – und erlebt gleich beim Anschwingen einen Dämpfer. Er wird von Samir Leuppi im Sägemehl vergraben. Nach zuletzt zwei Niederlagen (2024 am Schaffhauser und 2023 am Zürcher Kantonalen) kann sich der Winterthurer Polizist im Gigantenduell wieder einmal durchsetzen. Es ist ihr siebtes Duell bei einem Kranzfest. Die Bilanz ist nun ausgeglichen: Beide haben je dreimal gewonnen, einmal haben sie gestellt. Schneider zeigt nach der Niederlage eine starke Reaktion, gewinnt die beiden weiteren Gänge am Morgen innert Sekunden. Auch Leuppi geht ungeschlagen – und als Halbzeitführender – in die Mittagspause.
Die Herren der Sägemehlringe
Ohne unzählige Helfer wäre ein Schwingfest nicht möglich. Das gilt nicht nur für diejenigen, die das Organisatorische übernehmen oder für die Verpflegung zuständig sind, sondern auch für diejenigen, die zwischen den Gängen zum Rechen greifen und dafür sorgen, dass die Sägemehlringe fürs nächste Duell wieder einigermassen ebenmässig sind. In Urdorf tragen sie einen besonderen Namen. Auf dem Rücken ihrer Shirts steht: «Herr der Sägemehlringe». Passender könnte eine Bezeichnung kaum sein. Angelehnt ist das Ganze an die «Herr der Ringe»-Trilogie von J. R. R. Tolkien.
Der ungewohnte Tag
Die meisten Schwingfeste finden am Sonntag statt – das ist Tradition. Einige wenige Ausnahmen gibt es. Nun zählt auch das Zürcher Kantonale dazu, es wird erstmals am Samstag durchgeführt. Der Grund: So bleiben die Zuschauer und Schwinger länger auf dem Festplatz, konsumieren mehr und vergrössern den finanziellen Umsatz – ein überlebenswichtiger Aspekt für die Veranstalter. Ob sich künftig mehr Organisatoren vom Sonntag als Schwingfest-Tag abwenden werden, wird sich zeigen.
Die Bedingungen
In Urdorf ist es frühsommerlich. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Die Quellwolken, die vor allem am Nachmittag aufziehen, stören nicht.
So gehts weiter
Am kommenden Wochenende gibts die volle Ladung Schwingen. Denn am Sonntag finden gleich drei Feste statt. Mit dem Luzerner und dem St. Galler stehen die nächsten Kantonalen auf dem Programm, zudem steigen mit dem Seeländischen auch die Berner in die Saison ein. Besonders spannend: Mehrere Königsfavoriten stehen im Einsatz. Joel Wicki und Pirmin Reichmuth sind in Luzern, Fabian Staudenmann und Adrian Walther beim Seeländischen und Samuel Giger steigt in St. Gallen in die Zwilchhosen.